Stellenabbau bei Energieunternehmen Eon verzichtet auf Kündigungen in Deutschland

Die Gewerkschaften konnten sich durchsetzen: Der Energiekonzern Eon besiegelt zwar den Abbau von 11.000 Jobs weltweit. Auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland will das Unternehmen jedoch verzichten. Allerdings ist die Schließung einzelner deutscher Standorte wie München noch nicht vom Tisch.

Von Markus Balser

Die Stimmung war gereizt, denn es ging um viel für die 80.000 Beschäftigten des größten deutschen Energiekonzerns Eon. Am Montag und Dienstag dieser Woche traf sich die 30-köpfige Verhandlungskommission des Konzerns zu einer Geheimsitzung in München, um über den geplanten radikalen Stellenabbau bei Eon zu verhandeln.

Bis zu 11.000 Beschäftigte sollten gehen, hatte Konzernboss Johannes Teyssen angekündigt - und den heftigen Streit mit der eigenen Belegschaft in der Konzerngeschichte ausgelöst. Am Dienstag ruderte die Führung teilweise zurück: Auf betriebsbedingte Kündigungen will Eon in Deutschland nun weitgehend verzichten.

Die Eon-Führung einigte sich mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE nach zähen Verhandlungen auf den weltweiten Abbau von 11.000 Stellen. Davon entfallen auf Deutschland rund 6000 Arbeitsplätze, wie das Unternehmen am Dienstagabend in Düsseldorf mitteilte. "Der Tarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen faktisch aus", sagte ein Sprecher des Verdi-Bundesvorstands am Abend. Der nach kostspieligen Fehleinkäufen und dem beschleunigten Atomausstieg angeschlagene Konzern will seine Kosten mit dem Sparprogramm so bis 2015 auf 9,5 Milliarden Euro senken.

Der neue Tarifvertrag bei Eon läuft bis 2016 und sieht Vorruhestandsregelungen, Abfindungen und die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft vor. Es sei gelungen, den vom Personalabbau betroffenen deutschen Kolleginnen und Kollegen ein hohes Maß an Sicherheit und Perspektiven zu geben, sagte Alexander Gröbner von der Gewerkschaft Verdi.

Allerdings sind die Schließungspläne für einzelne Standorte wie München damit nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht vom Tisch. "Die Pläne stehen nach wie vor im Raum", hieß es am Abend aus Konzernkreisen. Damit bleibt offen, wo ein Großteil der Stellen im Unternehmen wegfallen soll. In Gewerkschaftskreisen wächst zudem die Sorgen, der geplante Stellenabbau könnte womöglich nicht ausreichen, um die Kostenziele zu erreichen. Betriebsräte fürchten bereits, dass sich der Stellenabbau in Deutschland nochmals erhöhen könnte.

Der besiegelte Sparkurs bedeutet eine radikale Wende in der Konzernpolitik bei Eon. Denn bis vor einem Jahr galt der Konzern mit seiner noblen Zentrale in Düsseldorf noch als Garant für sichere Jobs und als deutsches Vorzeigeunternehmen auf dem Sprung in die Weltspitze. Die Börse bewertete Eon in den besten Zeiten mit rund 100 Milliarden Euro.

In den vergangenen Monaten aber ist der Konzern tief gefallen. Der Börsenkurs stürzte um 30 Prozent. Denn Eon wird vom Atomausstieg und dem Preisverfall bei Erdgas gleich doppelt in die Zange genommen. Im einst sehr profitablen Gasgeschäft droht ein Milliardenverlust. Verhandlungen über Preisnachlässe mit dem mächtigen Lieferanten Gazprom blieben bislang erfolglos, die Konzerne gelten als tief zerstritten.

Mit seinen Ersparnissen will der Konzern nun vor allem seine Auslandsexpansion vorantreiben und in Schwellenländern und in Südeuropa aktiv werden. Zuletzt kaufte sich Eon in Brasilien ein. Und die Einkaufstour geht weiter. Eon stockte am Dienstag seinen Anteil an der russischen Gesellschaft Eon Russia nach Angaben aus Konzernkreisen auf. Eon habe weitere 3,26 Prozent der Aktien von der russischen Inter RAO übernommen. Eon Russia wollte sich nicht äußern. Sie betreibt in Russland fünf Kraftwerke. In der Vergangenheit hatte der deutsche Energieriese einen Anteil von 78,3 Prozent an dem Unternehmen kontrolliert.