Von deutlich sinkenden Ölpreisen geht derzeit kaum noch jemand aus. Die Nachfrage nach dem schwarzen Gold steigt und steigt. Weil das Öl knapp wird, muss die Menschheit umdenken.
Gerade einmal 100 Jahre dauert das Ölzeitalter bislang an. Und zum zweiten Mal seit den siebziger Jahren gibt es den ernsthaften Verdacht, dass die Reserven an dem schwarzen Schmierstoff in absehbarer Zeit zur Neige gehen könnten. Damals waren es die Zukunftsforscher des Club of Rome, die erstmals das Credo des immerwährenden Wachstums infrage stellten - weil der Menschheit die Ressourcen ausgehen könnten.
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Pump-Einheiten auf einem Ölfeld bei Los Angeles. Der US-Ölpreis hat erstmals die Marke von 130 Dollar gebrochen. (© Foto: dpa)
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Ab 2030, sagten die Wissenschaftler damals, die ihre Erkenntnisse in dem Buch "Grenzen des Wachstums" zusammenfassten, könnte es kritisch werden bei ungebremstem Verbrauch, 2100 drohe sogar der Kollaps des Wirtschaftssystems.
Rund 30 Jahre später aktualisierte der Hauptautor Dennis Meadows die Thesen und sagte, die Menschheit habe wenig getan und Zeit zum Umdenken verloren. Er fand relativ wenig Beachtung, Öl war zu der Zeit mit 30 Dollar pro Fass ja auch sehr billig.
Heute sind es 100 Dollar mehr und der Preis steigt ungebremst weiter. Renommierte Adressen wie die US-Investmentbank Goldman Sachs oder der amerikanische Ölexperte Matthew Simmons sagen einen Preis von 200 Dollar voraus. Dass jetzt sogar die Internationale Energie Agentur (IEA) offensichtlich die Prognosen für die weltweite Ölförderung deutlich herunterschraubt, gibt der Knappheitsdebatte eine neue Brisanz.
Bisher halten es die IEA-Experten in ihrem jährlichen Report - in Fachkreisen so etwas wie die Bibel der Branche - nur für eine Frage des Geldes und der Investitionen, wann neue Ölquellen entdeckt werden.
Die Spekulationen darüber, ob womöglich der Höhepunkt der Ölförderung weltweit schon überschritten ist, also dauerhaft mit einem sinkenden Angebot zu rechnen ist, überlassen die IEA-Experten anderen, weniger bekannten Analyseinstituten wie beispielsweise der Energy Watch Group. Diese hatte vor wenigen Tagen eine Halbierung der Ölförderung bis 2030 prognostiziert.
Es gibt freilich auch Gegenmeinungen: Experten, die das aktuelle Preisniveau zum Großteil für die Folge von enormen Spekulationsgeschäften halten an den Börsen. Doch auch diese Spekulanten setzen nur auf steigende Preise, wenn sie eine realistische Chance sehen, dass ihre Wette auch aufgeht.
Von längerfristig deutlich sinkenden Ölpreisen geht derzeit kaum noch jemand aus. Hauptgrund dafür ist aktuell offensichtliche Begrenzung des Angebots. Tatsächlich liegen die letzten großen Ölfunde 30 bis 40 Jahre zurück. Bei der jüngsten bedeutenderen Entdeckung vor der Küste Brasiliens ist noch völlig unklar, ob und wann der Rohstoff unterhalb einer dicken Salzkruste in 2000 Metern Tiefe überhaupt förderbar ist.
Der Abbau von Ölsanden in Kanada und anderswo ist mühsam und teuer. Und von den bestehenden Lieferanten wird praktisch nur noch dem größten Anbieter Saudi-Arabien zugetraut, die Ölproduktion kurzfristig etwas hochzufahren.
Die Nachfrage nach dem schwarzen Gold indessen steigt. Die höchsten Zuwachsraten haben aufstrebende Länder wie Indien und China. Ein Viertel des Fördervolumens von derzeit 87 Millionen Barrel am Tag vereinnahmen die Vereinigten Staaten.
Zwar wird an vielen Orten, allen voran in Deutschland, nach alternativen Energien geforscht, und sie werden auch eingesetzt. Aber der größte Katalysator des Wirtschaftswachstums weltweit ist auch 30 Jahre nach den Warnungen des Club of Rome das Öl.
Sollte die Förderung zurückgehen oder nur stagnieren, gefährdet das den Wohlstand in höchstem Maße. Ohne ausreichend Öl ist Wachstum in vielen Bereichen kaum möglich. Auch die Ernährung von inzwischen mehr als sechs Milliarden Menschen ist gefährdet, wenn aus Kostengründen statt dieselbetriebener Landmaschinen wieder Arbeiter per Hand säen und ernten müssten.
Auch die Finanzmarktkrise kann nur gelöst werden, wenn es nach einer Konjunkturdelle ordentlich aufwärts geht. Kredite sind neben dem Öl die zweite wesentliche Stütze unseres Wirtschaftssystems. Sie können aber nur zurückbezahlt werden, wenn die damit finanzierten Projekte sich lohnen, also Wachstum herrscht. Das geht nicht bei schwindenden Ölreserven.
- Energie Hoher Ölpreis gefährdet deutsche Konjunktur 22.05.2008
- Energie Öl soll dramatisch teurer werden 21.05.2008
- Rohstoffe Ölpreis knackt die 130-Dollar-Marke 21.05.2008
(SZ vom 23.05.2008/gdo)
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prinzipiell ist Ihr Vorschlag richtig. Man hat bei Warentermingeschäften nur oft das Problem der Backwardation (spätere Termine sind teurer als aktuelle). Damit haben sie teils enorme Rollverluste.
Insbesondere beim Öl kann man das an langlaufenden Zertifikaten sehr gut nachverfolgen.
Absicherung über Optionsstrategien ist da wohl günstiger / effektiver - aber dazu müßte man sich auch in die Materie einarbeiten...
absichern). Funktioniert folgendermaßen: Es gibt seit einiger Zeit sog. ETC's (Exchanged Traded Commodities). Das sind börsengehandelte Wertpapiere, die Anlegern eine Investition in die Anlageklasse Rohstoffe (engl.: Commodities) erlauben. Es handelt sich um eine Sonderform von Zertifikaten. Beispiel: WKN: A0KRKN - ein ETC auf das US-Öl der Sorte WTI. Dieses Zertifikat bildet den Ölpreis 1:1 nach, allerdings in Euro. Kaufen und Verkaufen ist genauso leicht wie bei Aktien.
Beispiel Heizöl: Wie kann ich einen Preisanstieg bis zur nächsten Öllieferung hedgen?
Zwischen Rohöl- und Heizölpreis besteht ein annähernd linearer Zusammenhang. D.h. ich muss zunächst wissen wie viel Öl ich brauche; z.B. 5000 Liter. Das multipliziert man mit dem aktuellen Preis für einen Liter Heizöl (z.B. 1 Euro/Liter), folgt also 5000 Euro für die jetzige Lieferung. Man weiß, dass man ein halbes Jahr später wieder 5000 Liter Öl braucht und geht davon aus, dass der Ölpreis steigt. Nun investiert man also die 5000 Euro, die man die man für die aktuelle Lieferung gebraucht hat in das Zertifikat. DIeses steht momentan bei einem Kurs von 80 Euro/Stk. Also kauft man sich ca. 60 Stück davon. Wenn nun der Ölpreis z.B. um 20% steigt, dann wird auch das Zertifikat um 20% teurer und damit erhöht sich die verfügbare Geldmenge für den Kauf von Heizöl, das ein klein wenig mehr als 20% teurer ist (wegen Steuern). Angenommen der Ölpreis fällt, dann verbilligt sich zwar der ETC aber ja auch das Öl das ich kaufe. Folglich fühlt es sich so an, als würde ich noch zum Preis von letzten Mal das Öl kaufen, unabhängig davon ob es jetzt teurer oder billiger ist. Das ist hedging! Man sichert sich also gegen Kursschwankungen ab, um Planungssicherheit für die Zukunft zu gewinnen.
Man kann aber auch versuchen damit Geld zu verdienen, indem man mehr Geld anlegt, als man für den Ölkauf benötigt. Dann MUSS der Öl-Preis aber steigen!
Kleiner Nebeneffekt, den man berücksichtigen muss: Man muss den Rohölkurs an der Börse immer in Euro umrechnen. Denn wenn der Öl-Preis in Dollar konstant bleibt, aber der Dollar gegenüber dem Euro aufwertet, dann wird das Öl für Europa teurer, während sich in den USA nichts ändert.
Ich muss sagen, das hedgen entlasstet den Geldbeutel schon um einiges!
Das zeichnet die heutige Politik eben aus.
Das Deutschland ein Rentenproblem bekommen würde war nicht vorhersehbar?
Der kurzfristige Erfolg hat die Politiker veranlasst dieses seit Jahrzehnten
bekannt Problem zu verdrängen.
China und Indien als Zukunftsmärkte - konsequent mit Fahrzeugen aufgerüstet
- da ist nicht vorhersehbar, dass die bei wachsendem Wohlstand den gleichen Quatsch machen werden wie wir hier?
Immerhin stehen in China 1,4MRD Menschen und in Indien 1,1 MRD Menschen Gewehr bei Fuß, die gleichen gedankenlosen Fehler zu machen wie wir hier.
Der Witz ist, dass die einzigen, die "nachhaltig und planvoll vorgehen" die kommunistischen Chinesen sind.
Die haben einen Plan, der bis ins Jahr 2100 geht?
Zusätzlich 2,4 MRD Menschen + der Osten in Europa die auf den gleichen Wegen wandeln wie wir?
denn die Knappheit der Vorkommen hat auch gute Seiten bzw. Ursachen. Teile der dritten Welt und Entwicklungsländer (BRIC) holen enorm gegenüber dem reichen Westen auf. Jahrelang blieben die Rohstoffpreise gegenüber dem Wertzuwachs von Waren und Dienstleistungen zurück, auf Kosten der ärmeren Länder.
Merkel hat das Problem auf zynische Art benannt, viele Inder, Chinesen,..., können sich mittlerweile mehr als eine Mahlzeit am Tag leisten. Auch ein Auto und Urlaub. Sie bedienen sich dabei aus dem´selben Rohstoffundus wie wir, logisch.
Wir haben somit ein positives Problem zu lösen.
Paging