Start-ups Darum geht Dawanda offline

Häkeln und Stricken als Geschäftsmodell: Für Freunde von Selbstgemachtem gab es bei Dawanda fast alles zu kaufen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Dawanda, der in Deutschland führende Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, wird eingestellt. Kunden sollen zum US-Konkurrenten Etsy rüberwandern.
  • Der Schritt kommt überraschend, denn bei Dawanda ging es zuletzt finanziell aufwärts.
  • Die Führung des Start-ups glaubte aber nicht daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Zu stark ist die Konkurrenz aus den USA.
Von Michael Kläsgen

Dawanda ist am Ende einfach nicht mehr ausreichend schnell gewachsen und wäre einen langsamen Tod gestorben. Deswegen hat Claudia Helming, eine der Leitfiguren der deutschen Gründerszene, mehrere Monate lang überlegt und sich zu einem brachialen Schritt entschlossen, der viele wie ein Schock ereilt. Dawanda, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz führende Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, Gebasteltes und Unikate, stellt Ende August den Betrieb ein. Helming empfiehlt den Dawanda-Verkäufern und -Kunden, auf den Marktplatz des US-Konkurrenten Etsy zu wechseln.

Helming hatte Dawanda, den Marktplatz für professionelle Kunsthandwerker und ambitionierte Privatpersonen, 2006 mit Michael Pütz gestartet. Vor zwei Jahren belegte das Unternehmen Platz drei des Start-up-Rankings in Deutschland.

Jetzt wird Dawanda liquidiert, der Name verschwindet. Die verbliebenen 150 Mitarbeiter werden entlassen, etwa 50 von ihnen betreuen noch einige Monate lang den Übergang auf die Etsy-Plattform, ehe auch sie ausscheiden. Helming kümmert sich um das operative Geschäft, was auch den reibungslosen Umzug der Dawanda-Shops zu Etsy einschließt. Danach wird Helming Dawanda abwickeln. Sie wird jedoch nicht als Beraterin für Etsy tätig werden.

Dawanda stellt den Betrieb ein

Die Plattform für Handgemachtes hatte zuletzt einen Umsatzzuwachs auf 16,4 Millionen Euro verbucht. Jetzt sollen die Verkäufer umziehen - zum US-Konkurrenten Etsy. mehr ...

Auf Dawanda waren zuletzt 380 000 Verkäufer aus ganz Europa aktiv, sechs Millionen Produkte hatte die Plattform im Angebot, 140 Millionen Euro betrug der Warenumsatz, alle 20 Sekunden wurde ein Schmuckstück verkauft, alle 30 Sekunden etwas für Babys. Claudia Helming war ein Star in der Szene.

Der Schritt kommt auch deshalb überraschend, weil Dawanda nicht gescheitert ist. Zwar musste Helming in den vergangenen Jahren für ihr Unternehmen kämpfen, der Marktplatz war kein Selbstläufer. Nach einem ersten Einschnitt 2012 musste Helming im Sommer 2017 ein Viertel der Mitarbeiter entlassen, danach aber ging es zumindest finanziell aufwärts. Das Unternehmen wirtschaftete im Herbst 2017 erstmals profitabel. Einen Gewinn im gesamten Jahr machte es zwar nicht, dafür stieg der Umsatz 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber um 21,4 Prozent auf 16,4 Millionen Euro. Der Vorsteuerverlust (Ebitda) reduzierte sich im gleichen Zeitraum von vier Millionen auf eine Million Euro.

Helming musste aber erkennen, dass die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells von Dawanda endlich ist. Das lag an vielem, an der deutschen Sprache, an den unterschiedlichen Gesetzgebungen in den europäischen Ländern, an der Notwendigkeit, alles übersetzen und für jedes Land feinjustieren zu müssen. Dawanda fiel es auch schwer, technisch immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Am Ende waren es zu viele Baustellen. Etsy aus den USA konnte im Vergleich dazu schneller wachsen, der US-Markt ist größer, Englisch verbreiteter.