Start-up Hyperloop One zerlegt sich selbst

Unterwegs in der Stahlröhre: Mit 1200 km/h sollen Kapseln mit je 28 Plätzen durch Kalifornien reisen.

(Foto: Reuters)
  • Der Gründer des amerikanischen Start-ups Hyperloop One, Shervin Pishevar, wird von seinem Mitgründer verklagt.
  • Es ist nicht der einzige Streit, der momentan in dem Unternehmen schwelt.
  • Hyperloop One arbeitet an Hochgeschwindigkeitskapseln, die schon bald Fracht und Menschen befördern sollen.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es gibt einen wunderbaren Moment in der Fernsehserie "Silicon Valley", der umso lustiger ist, weil so was tatsächlich andauernd passiert: Der Start-up-Gründer Richard hat sein Unternehmen gerade erfolgreich präsentiert, da sagt eine mögliche Investorin zu ihm: "Die Leute versuchen, deine Ideen zu klauen, und sie werden dich verklagen. Wie großartig ist das denn?" Eine saftige Klage gehört eben zu einem Silicon-Valley-Start-up, genauso wie Finanzierungsrunden, ein Firmenname mit fehlendem Vokal oder wahnwitzige Mitarbeitervergünstigungen. Wer einmal so richtig schön verklagt wurde, so heißt es, der ist erst wirklich angekommen in der Technikbranche.

Hyperloop One ist so ein Unternehmen, das bisher vor allem über geschicktes Marketing bei einer Finanzierungsrunde im Mai 80 Millionen Dollar eingesammelt hat. Es ist ein Versprechen für nachhaltigen Transport, eine Fortführung der wahnwitzigen Idee des Milliardärs und Tesla-Chefs Elon Musk. Der hatte vor drei Jahren ein Konzept vorgestellt, Menschen in Transportkapseln zu befördern. Hyperloop One will beweisen, dass sich diese Vision tatsächlich realisieren lässt. "Wir werden den Hyperloop Wirklichkeit werden lassen", hatte Vorstandschef Rob Lloyd im Mai bei einem Antriebstest in der Wüste von Nevada angekündigt: "Wir wollen 2019 Fracht transportieren, zwei Jahre später dann Passagiere."

Auch der Hyperloop-Chef hat neuerdings eine Klage am Hals

Derzeit allerdings muss das Unternehmen erst einmal beweisen, dass es mehr zu bieten hat als spektakuläre Tests und große Ankündigungen. Der einstige Technikchef Brogan BamBrogan, der das Unternehmen im Juni überraschend verlassen hatte, hat gemeinsam mit drei weiteren ehemaligen Managern in dieser Woche Klage bei einem Gericht in Los Angeles eingereicht, darin erheben sie schwere Vorwürfe gegen Shervin Pishevar. Der hatte als Investor bei Airbnb und Uber viel Geld verdient und Hyperloop One vor zwei Jahren gemeinsam mit BamBrogan gegründet. In der Klageschrift heißt es nun, dass Pishevar sich nicht besonders für den nachhaltigen Transport eingesetzt habe, sondern eher für eine bessere Gegenwart für sich und seine Kumpels.

Einer der Vorwürfe lautet, Pishevar habe einer externen PR-Beraterin mehr als 40 000 Dollar pro Monat bezahlt. Pikant dabei: Sie war Pishevars Verlobte, vor der Verlobung soll sie 15 000 Dollar verdient haben, nach dem Ende der Beziehung dann nichts mehr - weil Pishevar aus Frust auch die berufliche Zusammenarbeit beendet haben soll. Zudem habe Pishevar seinen Bruder Afshin, einen eher unerfahrenen Juristen, als Chefjustiziar angestellt und mögliche Hyperloop-Finanziers zu Investments in seine andere Firma aufgefordert. Er soll Mitarbeiter nach Hause geschickt haben, um in der Firmenzentrale in Downtown Los Angeles wilde Partys feiern zu können. Kurz: Pishevar habe "kostbare Firmengelder verschwendet, um das eigene Image aufzupolieren, sein Liebesleben zu verbessern und die eigenen Taschen (und die von Familienmitgliedern) zu füllen". Klingt wie eine typische Klage in der Technikbranche, doch es wird noch interessanter.

Die Vorwürfe können einem jungen Unternehmen nur schaden

Ende Mai haben elf Mitarbeiter wegen der angeblichen Verfehlungen Pishevars einen Brandbrief an die Unternehmensführung geschrieben. Die Reaktion: Pishevars Bruder, der Jurist, legte einen Galgenstrick auf BamBrogans Schreibtisch. Das zeigen Aufnahmen der Sicherheitskameras. Vorstandschef Lloyd wiederum soll den elf Mitarbeitern nicht nur mit Entlassung gedroht haben, sondern auch damit, ihnen danach das Leben zur Hölle zu machen und dafür sämtliche Kontakte in der Technologiebranche zu nutzen.

Hyperloop One hat die Klage mittlerweile als Reaktion auf einen gescheiterten Putsch abgetan. "Sie haben einen Coup geplant, der nicht funktioniert hat", heißt es in einer Mitteilung: "Die Vorwürfe sind purer Unfug und werden auf harte juristische Gegenmaßnahmen stoßen." Der Ausgang des Streits ist ungewiss, sicher sind nur zwei Dinge: Zum einen hat Hyperloop mit BamBrogan, der einst beim Raumfahrtunternehmen Space X Raketen entworfen und nun das Röhrenprojekt entscheidend vorangetrieben hat, einen der wichtigsten Mitarbeiter verloren.

Zum anderen mag eine Klage keine Seltenheit sein in der Technologiebranche. Solch skurrile Vorwürfe jedoch können einem Unternehmen, das für die Umsetzung dieser Idee dringend weitere Investitionen braucht, nur schaden. In der Wirklichkeit ist es dann doch nicht so großartig wie in einer Sitcom, verklagt zu werden.

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