Standard & Poor's und Fitch in Italien Ratingagenturen sollen vor Gericht

Erst stuften sie Italien herab, jetzt sind sie angeklagt: Die Justiz wirft den Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch Marktmanipulation vor. Die Beschuldigten zeigen sich ratlos.

Erst vor kurzem wurde in Australien die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) verurteilt - nun haben italienische Strafverfolger Anklage gegen Standard & Poor's und Fitch wegen Marktmanipulationen erhoben. Insgesamt sieben Manager der beiden Unternehmen müssten sich vor Gericht verantworten, sagte ein Strafverfolger. Dabei handele es sich um zwei Mitarbeiter von Fitch und fünf Manager von S&P. Unter den Beschuldigten ist auch Ex-S&P-Chef Deven Sharma.

Das Verfahren läuft an einem Gericht in der Stadt Trani in der süditalienischen Region Apulien. Das Gericht muss nun entscheiden, ob ein Prozess eröffnet wird. Die Justiz hatte schon vor längerer Zeit mitgeteilt, sie untersuche, ob es im Zusammenhang mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens im Jahr 2011 durch S&P zu unerlaubten Marktmanipulationen und der rechtswidrigen Verwendung von vertraulichen Informationen gekommen sei. So soll geklärt werden, ob vor der offiziellen Verkündung Insider-Informationen weitergegeben wurden. Federführung hat die Staatsanwalt in der süditalienischen Kleinstadt Trani.

Aufsehenerregendes Urteil

Angestoßen hatten die Prüfungen zwei Verbraucherverbände, die sich über die Auswirkungen der Agentur-Berichte auf die Aktienkurse in Mailand beschwert hatten. S&P hatte damals in einem Rundumschlag die Bonitätsnote mehrerer Euro-Staaten herabgestuft, darunter auch die Italiens.

Im Sommer 2011 gab es deswegen Razzien bei S&P und Moody's. Gegen zwei Mitarbeiter der Agentur Moody's hat die Anklage nun ihre Vorwürfe aber fallengelassen.

Alle drei Agenturen hatten stets erklärt, sie seien sich keiner Schuld bewusst. S&P bekräftigte an diesem Montag, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage.

In Australien hatte ein Bundesgericht S&P zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt. Die Bewertung der Papiere der Großbank ABN Amro mit der Bestnote AAA sei "irreführend und trügerisch" gewesen. Das Urteil war so spektakulär, weil es weltweit Auswirkungen haben könnte. Der Klägeranwalt hatte betont, dass sich die Ratingagenturen nicht länger hinter einem Haftungsausschluss verstecken könnten.

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