Stahlkonzern Thyssen-Krupp Verkauf des Brasilien-Werks droht offenbar zu scheitern

Seit Monaten versucht Thyssen-Krupp sein fehlgeplantes Werk in Brasilien zu verkaufen. Doch nun könnte der Deal des angeschlagenen Stahlkonzerns einem Medienbericht zufolge scheitern. Das könnte die Existenz von Thyssen-Krupp bedrohen.

Der Rückzug von Thyssen-Krupp aus Brasilien droht einem Medienbericht zufolge zu misslingen. Das Wall Street Journal Deutschland berichtet unter Berufung auf Insider, dass der Konzern den Mehrheitsanteil an seinem Stahlwerk in Brasilien vorerst nicht loswerden könnte.

Der deutsche Stahlkonzern und der brasilianische Konkurrent CSN hätten zwar ihre zwischenzeitlich in Gefahr geratenen Verhandlungen über das Thyssen-Geschäft in Amerika wieder intensiviert. Nun sei aber auch eine Variante im Gespräch, nach der CSN nur das Thyssen-Krupp-Werk im US-Staat Alabama übernehmen würde.

Thyssen-Krupp versucht seit Monaten, das fehlgeplante Werk in Brasilien und die ebenfalls neue Weiterverarbeitung im US-Bundesstaat Alabama so schnell wie möglich loszuwerden. Denn beide bedrohen mit ihren Verlusten die Existenz des Essener Konzerns mit seinen 150.000 Beschäftigten. Von mehreren Interessenten war CSN der einzige, der die beiden Fabriken im Paket übernehmen wollte.

Das Alternativszenario sieht dem Bericht zufolge vor, dass CSN etwa 1,5 Milliarden Dollar für die US-Produktionsstätte zahlen und sich zugleich verpflichten würde, jährlich mehrere Millionen Tonnen Stahl aus dem brasilianischen Werk abzunehmen. CSN wollte den Bericht nicht kommentieren. Thyssen-Krupp sei weiter in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem führenden Bieter, erklärte ein Sprecher des Konzerns am Dienstag. Darüber hinaus gebe es auch Gespräche mit weiteren Interessenten.

Die Süddeutsche Zeitung hatte bereits berichtet, dass bei dem angeschlagenen Mischkonzern die Vorbereitungen für eine Kapitalerhöhung laufen. Spätestens im September könnte das Unternehmen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro bei institutionellen Anlegern einsammeln, hieß es in Kreisen des Unternehmens und der Politik.

Zu jenen Investoren, mit denen geredet wird, soll auch die RAG-Stiftung zählen, die seit einigen Wochen als Retter von Thyssen-Krupp im Gespräch ist. Sie könnte der Krupp-Stiftung dabei helfen, dass diese ihren dominierenden Einfluss bei Thyssen-Krupp auch nach der möglichen Kapitalerhöhung behält. Nach Informationen des Handelsblatts lehnt die NRW-Landesregierung der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft einen Einstieg der RAG-Stiftung ab.