Stahlindustrie Thyssen-Krupp sieht China-Abschwung gelassen

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger sieht trotz des Wachstumseinbruchs in China keine größeren Gefahren für den Konzern.
  • Für die Stahlindustrie in Europa prognostiziert er allerdings ein schwieriges Jahr 2016.
Von Caspar Busse

Thyssen-Krupp rechnet wegen des Wirtschaftsabschwungs in China nicht mit größeren Problemen für das Geschäft. "Wir können auch mit einem Wirtschaftswachstum von fünf Prozent in China gut leben", sagte Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von Thyssen-Krupp, der Süddeutschen Zeitung. "Für übertriebene Aufregung besteht kein Anlass", fügte Hiesinger an. Das Geschäft mit Aufzügen laufe in etwa wie im Vorjahr, der Absatz von Autos habe zuletzt wieder angezogen. China hat an diesem Mittwoch eine Abschwächung des Wachstums mitgeteilt, mit 6,9 Prozent ist das Plus so niedrig wie 1991 nicht mehr.

"Wir müssen allerdings darauf achten, dass wir auch Aufträge der lokalen Produzenten bekommen, aber das gelingt gut", sagte Hiesinger weiter. Und: "Wer aus Angst vor Risiken in China nicht mitspielt, hat sowieso verloren." Man müsse akzeptieren, dass die Wachstumsraten in China etwas zurückgehen. Hiesingerr: "Je größer eine Volkswirtschaft wird, desto kleiner werden die Zuwachsraten, so ist das eben." Vor dem Hintergrund der massiven Probleme in Brasilien, in Russland und anderen Schwellenländern sei China aufgrund seiner Marktgröße wichtiger denn je.

"2016 wird für die Stahlindustrie in Europa ein schwieriges Jahr werden", sagte Hiesinger weiter. Chinesische Stahlhersteller, meist in staatlicher Hand, lenkten die eigene Überproduktion zurzeit stark in den Export um. Dabei würden Preise angeboten, die nicht kostendeckend seien. In der Folge schreibe die Mehrzahl der chinesischen Hersteller Verluste. "Das ist unfairer Wettbewerb", sagte Hiesinger der SZ. Da müsse in Europa dringend etwas geschehen.

Hiesinger mahnt zur Vorsicht im Umgang mit Flüchtlingen

Zur Flüchtlingskrise sagte Hiesinger: "Wir müssen aufpassen, dass das positive Engagement nicht in Überforderung und Ablehnung umschlägt." Und weiter: "Nur ein gewisser Teil der Menschen, die gerade zu uns kommen, hat auch das Potenzial, hier schnell in den Arbeitsmarkt aufgenommen zu werden. Diese Ehrlichkeit in der Diskussion habe ich zu Beginn der Debatte vermisst." Thyssen-Krupp biete für Flüchtlinge 150 Ausbildungsplätze und 230 Praktikumsplätze an. Erst zehn davon seien aber besetzt , weil die Prozesse kompliziert seien und viele Details geklärt werden müssen.

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