Die Frage, ob der Staat Opel und anderen hilft oder nicht, ist am Ende eine politische. Sie muss deshalb von Politikern beantwortet werden - und nicht vom Rat der Weisen.
Es ist ein altes Grundübel der Politik, dass die, die sie betreiben, bei den Menschen oft Hoffnungen wecken, die sie am Ende nicht erfüllen können. Nirgendwo wird das dieser Tage so deutlich wie im Fall Opel.
Was wird aus Opel? (© Foto: dpa)
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Seit November redet die Bundesregierung mit der Konzernspitze darüber, ob und wie der Staat dem Traditionsunternehmen wieder auf die Beine helfen kann. Mal ist von Bürgschaften die Rede, mal von Krediten, selbst über eine direkte Beteiligung des Bundes oder der Länder wird diskutiert. Bei den Arbeitnehmern, die mit ihren Familien um die Zukunft bangen, musste so die Botschaft ankommen: Der Staat hilft - die Frage ist nur noch wie.
Die Realität sieht anders aus. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass Opel am Ende Steuergelder erhält - schließlich hat der Autobauer wie jedes andere deutsche Unternehmen das Recht, Bürgschaften zu beantragen. Die Zahl der regierungsinternen Skeptiker ist in den vergangenen Tagen aber spürbar gewachsen. Aus zwei Gründen: Zum einen ist nach wie vor unklar, ob ein eigenständiges Unternehmen Opel überhaupt lebensfähig wäre, und wie verhindert werden kann, dass deutsche Staatshilfen am Ende auf dem Konto des bisherigen US-Mutterkonzerns General Motors (GM) landen.
Zum anderen, und das ist der wichtigere Punkt, stellt man sich in der Regierung immer häufiger die Frage, wo das alles hinführen soll. Natürlich ist Opel ein Spezialfall, da ein Teil der Probleme auf die katastrophale Lage bei GM zurückzuführen ist. Aber reicht dieses Argument, um den Beschäftigten von Schiesser, Schaeffler, Conti und Märklin zu erklären, dass man den Opel-Kollegen hilft, nicht aber ihnen? "Wo ist die rote Linie?", hat jüngst ein hoher Regierungsbeamter resigniert gefragt.
Angela Merkel hat diese Linie bei einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in dieser Woche gezogen, indem sie strikt zwischen Opel und der ebenfalls darbenden Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) unterschied. Die HRE, so die Kanzlerin, sei "systemrelevant", Opel sei "nicht systemrelevant". Das ist richtig, denn ein Opel-Bankrott wäre für die Betroffenen zwar bitter, für die Volkswirtschaft insgesamt aber irrelevant. Die Pleite einer Großbank dagegen könnte einen panischen Sturm der Sparer auf die Geldhäuser auslösen, der das gesamte Wirtschaftssystem zum Einsturz bringen könnte. Das darf die Politik - bei allem berechtigten Ärger über das ignorante, ja unverschämte Verhalten mancher Bankmanager - nicht riskieren.
Es ist jedoch bezeichnend, dass Merkel ihre Unterscheidung nicht vor dem Bundestag, sondern in einer nicht-öffentlichen Fraktionssitzung traf. Natürlich ist die Kanzlerin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass ihre Botschaft von dem ein oder anderen Sitzungsteilnehmer ausgeplaudert werden würde. Öffentlich festgelegt hat sie sich damit aber immer noch nicht. Im Gegenteil: Denn zugleich setzt sie eine Art "Rat der Weisen" ein, der über die Vergabe von Bürgschaften und Krediten im Gesamtvolumen von 100 Milliarden Euro mitentscheiden soll. Natürlich ist es sinnvoll, wenn sich die Regierung beraten lässt. Dafür bedarf es aber keines festen Gremiums. Vielmehr schiebt Merkel schlicht einen Teil ihrer Verantwortung auf Dritte ab, die nichts und niemandem Rechenschaft schuldig sind.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat dies zu Recht gerügt und vereinbart, auf den Rat zu verzichten. Dass sich der Bundeswirtschaftsminister über dieses Votum einfach hinwegsetzt, ist zwar legal, aber dennoch höchst bedenklich. Es zeigt, dass bei der Regierung langsam eine Art Gewöhnungseffekt einsetzt, frei nach dem Motto: In der Krise regieren die Krisenmanager, und die einzige Aufgabe des Bundestags ist es, diesen Tausendsassas den Rücken freizuhalten. Dem muss Einhalt geboten werden.
Die Frage, ob der Staat Opel und anderen hilft oder nicht, ist am Ende eine politische. Sie muss deshalb von Politikern beantwortet werden, die sich an den selbst aufgestellten Kriterien messen lassen und ihre Entscheidung öffentlich begründen müssen - und dafür auch zur Verantwortung gezogen werden können.
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(SZ vom 05.03.2009/mel)
braucht man nicht mehr weiterlesen, "Volksvertreter", diese Spezies ist schon lang ausgestorben, die meisten treten doch nur für die auf, die sich gar nicht mehr zu dem normalen Volk zugehörig fühlen.Damit ist man auch unter sich.
Staatskasse: Wenn Sie einmal über den Teich schauen und die entsprechenden Kommentare von gestern und heute bzgl. weiterer US-Steuergelder
für GM
verfolgen, stellen Sie fest: rund 99 von 100 Kommentatoren lehnen weitere staatliche Hilfen ab.
Was folgt daraus für die Tochter Opel?
Den Schaden einer HRE-Pleite hat nur ein kleiner Kreis sehr wohlhabender Aktionäre mit großem Einfluß auf Politik und Medien. Cui bono erklärt Einiges
Opel hingegen ist nicht einer von weit über 2.000 Anbietern in einem Markt, sondern neben Volkswagen 1 von lediglich 2 nationalen Massenherstellern (u.a.) von Kleinwagen. Ohne Opel fehlt ein systemrelevanter nationaler Konkurrent im Wettbewerb um Technologie und Kunden.
Opel bietet auch eine Riesenchance. Alle Welt auch die ratlose Kanzlerin und ihre Medienfreunde beklagt die ewig gestrige Ausrichtung der Hersteller auf Benzinmotoren. Jedem Fachkundigen ist klar, daß die Zukunft des Automobils nur in Elektrofahrzeugen liegen kann. Die Bundesrepublik (und damit wir Bürger) sollte Opel übernehmen und dazu noch mindestens 25% der Aktien von VW kaufen. Dann könnte der Bund als Mehrheitsaktionär die Vorstände von Opel und VW beauftragen, endlich die (für Zweitwagen längst serientauglichen!) vorhandenen Technologien für Elektrofahrzeuge auch umzusetzen und einen fließenden Übergang von Benzin- zu Elektrofahrzeugen vorzunehmen. Die Technologie ist da und in Großserien locker bezahlbar, die Kunden sind da nur der politische Wille fehlt. Siehe strategiepartei.de/umsetzung_elektroautos.html
Darum: Opel kaufen und die HRE in die Wüste schicken!
Sie schreiben, die sei "systemrelevant", Opel hingegen nicht. Können Sie das auch substantiell begründen? Mit substantiell meine ich mehr als das Schreckgespenst des Systemzusammenbruchs, wenn die HRE aus dem Markt ausscheidet. Wie erhaltenswert ist denn ein System, das komplett zusammenbricht, wenn nur eine einzige, extrem miserabel geführte Bank nicht mehr da ist?
In Deutschland gab es Ende 2007 lt. Bankenverband 2.277 Geldinstitute mit 39.838 Filialen (bankenverband.de/index.asp?channel=168247&art=769). Ohne HRE bleibt da noch genug übrig.
Selbst wenn die HRE-Pleite (die ja wahrscheinlich sowieso unvermeidlich ist) einige weitere der 2.276 anderen Banken ebenfalls pleite gehen lässt, sind auch diese Banken nur labile Teile eines nicht erhaltenswerten Kartenhauses. Weg damit je schneller, desto besser!
Ihr Schreckensszenario, daß die Menschen die Banken stürmen, um ihre Guthaben abzuheben, ist reine Schwarzmalerei. Zunächst einmal befinden sich die Konten der unteren Hälfte der Bevölkerung im Minus. Da ist nichts, was man abheben könnte. Und die obere Hälfte kann ruhig 100% aller Kundeneinlagen abheben. Die Banken brauchen sie nicht, so lange sie sich Geld bei der Zentralbank leihen können. Und Zentralbankgeld gibt es bekanntlich im Überfluß.
Und selbst, wenn alle Banken Pleite gehen würden, würde zur Not eine Verstaatlichung der Sparkassen vollkommen ausreichen, um die systemrelevanten Aufgaben der Banken zu erfüllen:
1. Konten und Depots verwalten
2. Versorgung mit Bargeld (Betrieb von Geldautomaten)
3. Versorgung von Bürgern und Unternehmen mit Krediten
Ich erinnere auch an Ihre Kollegen von der SZ. Thomas Fromm schrieb am 21.01. unter Ein Faß ohne Boden: Fast 100 Milliarden für die angeschlagene Hypo Real Estate - nur um einen ungeordneten Zusammenbruch zu verhindern. Doch die teure Reise führt ins Nichts. (sueddeutsche.de/finanzen/808/455483/text/)
Ihr Chefredakteur Kurt Kister schrieb unter Eine Pleitebank gefährdet Deutschland: Mit stetiger Geldzufuhr hält der Bund die Hypo Real Estate im Wachkoma - und hofft auf ein Wunder. (sueddeutsche.de/finanzen/388/459034/text/)
Thorsten Denkler berichtet von 1 Billion potentiellem Schrott bei der HRE und durchschaubaren Dementis der Politiker (sueddeutsche.de/finanzen/421/459067/text/). Heribert Prantl nennt die HRE einen Misthaufen. (sueddeutsche.de/finanzen/718/459360/text/4/) Vielleicht sollten sie das mal gedanklich verarbeiten?
Es ist in dieser Situation ,die schwerwiegend und komplex ist , mit der niemand Erfahrung und für die niemand ein Allheilmittel hat, vollkommen richtig,sich alle Sachkompetenz,derer man habhaft werden kann, anzueignen.
Dann darf man allerdings in eben dieser Situation nicht einen Grünling wie Guttenberg aus Partei-und was für Proporzgründen ins Amt hieven,wobei ich mir die Frage stelle ,ob der BPräs. bei Erkennen einer solchen Motivationslage ,die sich nicht am Wohl der Allgemeinheit orientiert,was der Amtseid des BPräs. (Art.56GG) aber fordert, den Minister überhaupt hätte berufen dürfen.
Richtig ist allerdings,dass die Politik die Entscheidungskompetenz nicht verlagern darf.
Dafür sind die Mitglieder der Regierung den Bürgern verantwortlich ,und nicht ein Gremium von nicht gewählten Experten.
Paging