Staatsangehörigkeit per Internetformular Jesus für Superreiche

Roger Ver im Shibuya-Viertel in Tokio

(Foto: Bloomberg)

Bitcoins haben ihn reich gemacht, Steuern will er aber nicht zahlen. Der US-Computerexperte Roger Ver hat sich deshalb die Staatsbürgerschaft einer Karibikinsel gekauft. Auch andere Superreiche interessieren sich jetzt für diese Möglichkeit - Ver hilft ihnen gerne.

Von Helmut Martin-Jung

"Das waren doch bloß Böller, mit denen man Vögel von Maisfeldern verjagt", sagt Roger Ver. Die US-Justiz sah das ein wenig anders und schickte den jungen Mann mal eben für zehn Monate ins Gefängnis. Es waren immerhin gut sechs Kilogramm Sprengstoff, die Ver über das Internet-Auktionshaus Ebay vertickt hatte. Ver, heute 35, sieht auch einiges ein bisschen anders, zum Beispiel die Sache mit den Steuern. Warum sollte er jenem Staat auch noch Abgaben zahlen, der ihn in den Knast geschickt hatte? Wegen ein paar Böllern.

Und zu holen gab es ja durchaus etwas bei Ver für den Internal Revenue Service (IRS) - die amerikanische Steuerbehörde. Schon früh war Mann, den sie heute den Jesus der Bitcoins nennen, durch den Handel mit Computer-Bauteilen reich geworden. Doch das war noch gar nichts gegen das, was danach kam. Ver, der viel von Computern und von Programmen versteht, hatte eine jener Investitionen getätigt, bei denen man sich im Nachhinein immer wünscht, man hätte sein Geld ebenso gewinnbringend angelegt. Zum Beispiel 10.000 Google-Aktien gekauft.

Allerlei dunkle Geschäfte

Ver investierte in Bitcoins. Bitcoin ist eine sogenannte Kryptowährung. Erfunden von einem Japaner, soll sie dazu dienen, unabhängig vom Bankensystem und von staatlicher Einmischung zu funktionieren. Kryptowährung heißt sie deshalb, weil alle Transaktionen verschlüsselt abgewickelt werden und somit nur schwer nachzuverfolgen ist, wer wem wie viel Geld zahlt. Kein Wunder, dass Bitcoin deshalb auch für allerlei dunkle Geschäfte genutzt wird.

Vertrauen wäre jetzt gut

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Das Dumme an den Bitcoins aber ist: Sie haben keinen reellen Wert, sondern das, was man an Dollars oder Euros dafür kriegt, wird an Bitcoin-Börsen ausgehandelt. Und da geht es rauf und runter. Für Roger Ver ging es rauf, und zwar weit rauf. Er kaufte seine Bitcoins nämlich so früh, dass er sie für einen Dollar das Stück bekam, heute werden sie für um die 600 US-Dollar gehandelt.

Aber von dem ganzen schönen Geld nun einen großen Teil dem IRS in den Rachen werfen? Für Ver kam das nicht in Frage. Wie schön für ihn, dass es im föderalen Inselstaat St. Kitts and Nevis genau das passende Angebot gab. Wer dem Staat 250.000 Dollar spendiert (gut) oder 400.000 Dollar in Immobilien investiert (besser), der darf sich mit guten Aussichten auf Erfolg bewerben für einen Pass des Landes. Wobei der Staat sich dadurch auszeichnet, dass er seine Bürger nicht mit Steuern und Abgaben belastet. Und, auch nicht zu verachten, man muss sich - anders als etwa in Monaco - auch nicht dort aufhalten. Seit Mitte Februar ist Ver nun Bürger des Karibik-Paradieses. Und hatte gleich noch eine gute Idee.

Die Zielgruppe scheint klar

Auch viele andere Menschen, die zu Geld gekommen sind, würden dem Inselstaat sicher gerne unter die Arme greifen im Austausch gegen Pass und Steuerfreiheit. So wie das nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg im Jahr 2013 allein knapp 3000 Amerikaner getan haben. Das Problem: Länder wie zum Beispiel China untersagen es ihren Bürgern, so große Summen ins Ausland zu transferieren. Die Lösung, Vers Lösung: Bitcoins. Der Name seiner Website, passportsforbitcoins.com, sagt eigentlich schon alles. Eine Zielgruppe scheint der 35-Jährige auch im Auge zu haben: Die Seite steht außer in Englisch auch in Russisch und Chinesisch zur Verfügung.

Für diese Idee - Staatsbürgerschaft per Internet-Formular - will Ver nun auf einer Asien-Tour werben, wie er zwei Reportern von Bloomberg in Tokio erzählte. Die waren dabei, als er hoch oben in der plüschigen Lounge eines Tokioter Hotels über sein Projekt referierte. Die Zuhörer, berichteten sie anschließend, seien begeistert gewesen.