Von C. Hulverscheidt, K. Stroh und M. Szymanski

Quelle ist vorerst gerettet: Bund und Länder verständigen sich nach tagelangem Ringen auf einen Notkredit von 50 Millionen Euro.

Der angeschlagene Versandhändler Quelle kann vorerst weiterarbeiten. Der Bund und die Länder Sachsen und Bayern bewilligten am späten Montagabend nach tagelangem Ringen einen Notkredit über 50 Millionen Euro. Die Europäische Kommission muss diesem aber noch zustimmen. Quelle braucht das Geld, um seine Geschäftsbeziehungen wieder aufnehmen zu können und den Katalog für das Herbst- und Wintergeschäft weiterzudrucken.

Quelle, AP

Braucht dringend Kapital: Quelle. (© Foto: AP)

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"Die Regierungen von Bayern und Sachsen wollen am Dienstag die Auszahlung anweisen", sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) nach den Beratungen in Berlin. Der Bund werde die Staatsbank KfW beauftragen. Das Geld solle fließen, sobald die EU-Kommission den Kredit genehmigt habe.

Eine Entscheidung erwarte man im Laufe des Dienstags. Bis in den späten Abend hatte eine Spitzenrunde aus Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba, Vertretern des Quelle-Konzerns, der Banken sowie der Länder Bayern und Sachsen über Staatshilfen für den insolventen Versandhändler verhandelt. Quelle soll nun einen Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro erhalten. Damit kann die insolvente Firma ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.

Mit Hilfe des Kredits gewinnt Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nun Zeit, um das Wintergeschäft über die Bühne zu bringen und Investoren für Teile des Konzerns zu suchen. Ohne die Hilfe vom Staat hätte Quelle den Betrieb umgehend einstellen müssen. Seit nunmehr fast drei Wochen verfügt das Unternehmen nicht mehr über eigene liquide Mittel und ist auf das Wohlwollen der Geschäftspartner angewiesen.

"Im Moment trocknen wir aus", hatte ein Sprecher vor Beginn der Verhandlungen mitgeteilt. Auch Quelle-Chef Konrad Hilbers hatte sich für das Unternehmen eingesetzt. "Quelle ist sanierungsfähig", sagte er. Innerhalb der Bundesregierung gibt es erhebliche Zweifel daran, dass die Firma in ihrer jetzigen Form überlebensfähig ist. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte: "Quelle muss nun zügig ein Sanierungskonzept vorlegen und die Versäumnisse aufarbeiten."

Bayern ist bereit, 21 der 50 Millionen Euro über die Landesförderbank LfA zu übernehmen. Für diesen Betrag will der Freistaat bürgen. Quelle hat seinen Sitz im fränkischen Fürth. Sachsen will vier Millionen Euro geben, für die restlichen 25 Millionen Euro soll der Bund gerade stehen. Die 50 Millionen Euro sind als Sicherheit für die Factoring-Bank Valovis gedacht, die für Quelle Kundenforderungen eintreibt. Seit dem Insolvenzantrag hält Valovis die Einnahmen zur eigenen Absicherung zurück.

Mit dem Kredit verschafft sich Quelle kurzzeitig Luft. Für das laufende Geschäft braucht das Unternehmen zusätzlich zu dem Massekredit weiteres Geld - jeden Monat etwa 100 Millionen Euro. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte bis zuletzt die Gewährung des Kredites von der Höhe der Sicherheiten abhängig gemacht. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte in den letzten Tagen den Druck auf den Bund erhöht, den Kredit schnell zu bewilligen. Die Rettung von Quelle war zum Wahlkampfthema geworden. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte: "Das Ziel in Sache Quelle bleibt Arbeit statt Abbruch."

Unterdessen verlieren offenbar die Kunden das Vertrauen in das Unternehmen. Bestellungen bleiben aus, der Umsatz breche ein, teilte ein Quelle-Sprecher mit. Die Politik schüre bei den Kunden große Unsicherheit, kritisierte der Sprecher. Quelle hatte am 9. Juni Insolvenz angemeldet.

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(SZ vom 30.06.2009/segi)