Sprüche von BankernWahrheiten aus dem Kartenhaus

Zynisch, verlogen, verantwortungslos: Wenn Banker unter sich sind, reden sie Tacheles. So wie die Mitarbeiter der Anglo Irish Bank, die Deutschland und die EU-Hilfen verhöhnten. Fünf Beispiele, bei denen Banker dachten, sie seien unter sich.

Von Harald Freiberger und Kathrin Werner

Zynisch, verlogen, verantwortungslos: Wenn Banker unter sich sind, wird Tachles geredet. Wenn sie sagen, was sie wirklich denken, entlarven sie sich selbst. Fünf Beispiele, bei denen Banker dachten, sie seien unter sich.

"Hoffentlich sind wir alle vermögend und im Ruhestand, wenn dieses Kartenhaus zusammenfällt."

Wahrscheinlich sitzt irgendwo in einem Büro in New York ein Mann und ist froh. Noch immer ist nicht aufgeflogen, wer diese Email damals geschrieben hat, die um die Welt ging. Die das Ansehen von Standard & Poor's (S & P), das Ansehen aller Ratingagenturen, ruinierte. Geschrieben und mit einem Smiley versehen wurde die interne E-Mail mit dem inzwischen legendären Satz von einem S&P-Mitarbeiter im Dezember 2006.

Der Satz entlarvt, dass Gier auch Rating-Analysten nicht fremd war. Offenbar war ihm bewusst, dass die komplizierten Finanzprodukte, denen er das Gütesiegel gab, eine Gefahr für die Wirtschaft sind - eben ein Kartenhaus, das bei einem Windhauch zusammenfällt. Die E-Mail hat es sogar in den US-Kongress geschafft. Das Kartenhaus-Zitat wurde zusammen mit anderen Dokumenten in dem Untersuchungsausschuss des Senats verlesen, der die Ursachen der Finanzkrise aufarbeitete.

Eines der Ergebnisse: Die AAA-Spitzennote verteilten die Ratingagenturen viel zu häufig. Immerhin muss man ihnen lassen, dass sie - wenn auch anonym - die Fähigkeit zur Selbstkritik besitzen. Eine Kurznachricht eines weiteren S&P-Mitarbeiters, der wahrscheinlich auch froh ist, dass sein Name noch unbekannt ist: "Wir bewerten jeden Deal. Eine Kuh könnte ihn strukturiert haben und wird würden ihm trotzdem eine Note geben."

Bild: Bloomberg 29. Juni 2013, 13:132013-06-29 13:13:00 © SZ vom 29.06.2013/rela