Zwischen dem Filmrechtehändler und Vertretern des Zeitungskonzerns ist ein offener Streit um Schadensersatz ausgebrochen.

Zwischen dem angeschlagenen Filmrechtehändler Leo Kirch und der Spitze des Axel Springer Verlages ist es zu einem offenen Schlagabtausch um den Niedergang des Kirch- Imperiums gekommen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung warfen Kirch-Vertreter am Dienstag in Berlin der Mehrheitsaktionärin Friede Springer und dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner Mitverantwortung an der Insolvenz der KirchMedia vor.

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Döpfner wies die Vorwürfe zurück. Er sehe den Anträgen Kirchs nach einer Sonderprüfung sowie Schadensersatz gelassen entgegen. Kirchs Anwalt Ronald Frohne bezichtigte die Verlegerwitwe, den finanziellen Druck auf die angeschlagene Kirch-Gruppe erhöht zu haben, um damit an Anteile des 40-Prozent-Aktienpakets zu gelangen, das der Medienunternehmer am Springer-Verlag hält.

"Kein Rachefeldzug"

Mit der Ausübung einer Verkaufsoption für die 11,5 Prozent, die Springer wiederum an der Kirch-Tochter ProSiebenSat.1 Media AG besitzt, habe der Verlag Kirchs Zahlungsschwierigkeiten verschärft. Damit habe der Vorstand unter Einfluss von Friede Springer dem Verlag selber schweren Schaden zugefügt.

"Es geht nicht um einen Rachefeldzug des Leo Kirch", sagte Frohne. Der 75-jährige Medienunternehmer und Friede Springer nahmen als Aufsichtsratsmitglieder an der Versammlung teil. Kleinaktionäre forderten eine Abwahl Kirchs als Aufsichtsratsmitglied. Eine Zustimmung der Aktionäre zu den Anträgen Kirchs galt als sicher, da Friede Springer als Mehrheitsaktionärin und Betroffene nicht mitstimmen darf.

Früheres Angebot abgelehnt?

Nach Frohnes Angaben hat Springer ein früheres Angebot von Kirch abgelehnt, 16 Prozent an der Senderfamilie zu erwerben. Dieses Paket würde heute einem Wert von 28 Prozent der ProSiebenSat.1 Media AG entsprechen. Stattdessen habe Döpfner auf Anweisung von Frau Springer Ende 2001 auf der Verkaufsoption beharrt. Angesichts der Kirch-Krise sei dieses Paket, damals auf 767 Millionen Euro bewertet, heute praktisch wertlos, sagte Frohne. Springer drohe nun der Totalverlust dieser Forderung.

Döpfner sagte, die Ausübung der Verkaufsoption sei unausweichlich gewesen, um angesichts der drohenden Kirch-Krise wirtschaftlichen Schaden von Springer abzuwenden. Die von Kirch vorgeschlagene Umwandlung der Forderung in eine Beteiligung an den TV-Sendern habe Springer ablehnen müssen. "Andere Aktionäre haben sich auf solche oder ähnliche Umwandlungs-Modelle eingelassen. Sie haben heute, nach der Insolvenz der KirchMedia, alles verloren", sagte Döpfner.

Deutsche Bank greift noch nicht zu

Springer halte dagegen noch immer die Anteile an der ProSiebenSat.1 Media AG. Trotz des schwierigen Konjunktur- und Branchenumfeldes habe Springer einen Überschuss nach Steuern und Abschreibungen von 72 Millionen Euro erzielt, sagte Döpfner. Dies sei gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs um 58 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sei um 8 Millionen auf 42 Millionen Euro gestiegen.

Über die PrintBeteiligungs (PB) GmbH besitzt Kirch 40 Prozent der Springer-Aktien. Das Paket war zwar am Freitag an die Deutsche Bank gefallen. Bislang hat sie nach Informationen aus Kirch-Kreisen aber nicht auf die Aktien zugegriffen. Kirch hoffe noch immer darauf, das Paket selbst an den Schweizer Ringier-Verlag verkaufen zu können. Dies hänge aber davon ab, ob sich Springer und Ringier einig würden.

(sueddeutsche.de/dpa)

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