Sportwetten Jetzt wird legal gezockt

Trifft Novitzki? Auch auf US-Basketball darf legal gewettet werden.

(Foto: Matthew Emmons/USA TODAY Sports)

Der Supreme Court kippt das staatliche Wettverbot in den USA und eröffnet damit gleich mehreren Branchen neue Einnahmequellen - und dem Staat neue Steuereinnahmen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Die wichtigste Zahl vorneweg: 150 Milliarden Dollar. So viel wetten die Amerikaner einer Schätzung der American Gaming Association zufolge pro Jahr auf den Ausgang von Sportereignissen. Die zweitwichtigste Zahl: 95 Prozent. Das ist, glaubt man den Berechnungen der Vereinigung amerikanischer Wettanbieter, der Anteil illegal abgeschlossener Sportwetten. Die erste Zahl soll nun möglichst groß bleiben, die zweite so klein wie möglich werden: Der Oberste Gerichtshof hat am Montag das seit 1992 bestehende staatliche Wettverbot für verfassungswidrig erklärt und damit für ein immenses Beben in zahlreichen Branchen gesorgt, die nun von diesem Urteil profitieren wollen.

"Man kann sich kaum einen schlimmeren Angriff auf die Souveränität der einzelnen Bundesstaaten vorstellen als dieses Gesetz", schreibt Richter Samuel Alito in der Begründung: "Der Kongress kann Sportwetten direkt regeln, doch wenn er das nicht tut, dann darf jeder Bundesstaat selbst entscheiden." In New Jersey gibt es bereits entsprechende Gesetze, in wenigen Wochen könnten die ersten Wettbüros öffnen, das Online-Casino William Hill etwa hat direkt neben einer Pferderennbahn bereits eine Annahmestelle für Sportwetten gebaut und eine Infrastruktur für Sportwetten errichtet. Der Bundesstaat hatte vor sechs Jahren gegen das seit 1992 bestehende Verbot geklagt und in mehreren Instanzen prozessiert.

Die Bundesstaaten erwarten enorme Steuereinnahmen

Bislang sind Sportwetten nur in Nevada, Oregon, Delaware und Montana erlaubt, bis zum Jahr 2025 sollen es mindestens 32 US-Bundesstaaten sein - aus einem für diese Bundesstaaten einleuchtenden Grund: In Nevada zum Beispiel werden legale Sportwetten in Höhe von fünf Milliarden Dollar pro Jahr mit 0,25 Prozent besteuert. Sollte wenigstens die Hälfte der veranschlagten 150 Milliarden Dollar pro Jahr von nun an bei legalen Anbietern gewettet werden, dann dürfen all jene Bundesstaaten, die Sportwetten legalisiert haben, Steuereinnahmen in Höhe von 187,5 Millionen Dollar pro Jahr unter sich aufteilen.

Das Urteil dürfte gewaltige Auswirkungen auf Sport in den USA haben, die Profiligen NFL (Football), NBA (Basketball) und MLB (Baseball) sowie die Universitätssport-Vereinigung NCAA gehörten zu den Verfechtern bestehender Regelungen, weil zahlreiche Skandale im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner verankert sind. Bei Wettmanipulationen heutzutage geht es nur selten um den Sieger einer Partie, sondern häufiger um Punktevorsprung oder abseitige Ereignisse wie etwa, wer für den ersten Ballverlust verantwortlich ist. Das beeinflusst nur selten den Ausgang einer Partie oder Saison, sehr wohl aber den Ausgang von Sportwetten - und es könnte gerade für Studenten, die keine Gehälter beziehen dürfen, überaus verführerisch sein, zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt einen Fehlpass zu spielen.

Die Befürworter des Wettverbots waren ja keineswegs gegen Wetten an sich, sie hatten sich nur eine landesweite Lösung gewünscht. Die Verantwortlichen fordern nun eine "Integritätsgebühr" von einem Prozent des Umsatzes, in Zockerkreisen würde man sagen: Sie wollen ihren Anteil haben. Zahlreiche Bundesstaaten haben das zunächst abgelehnt mit der Begründung, dass die Zocker so zurück in die Illegalität getrieben werden könnten, wo es weder Steuern noch Gebühren gibt. Es heißt nun, dass man sich auf einen Prozentsatz um 0,5 herum einigen könnte und dass sich Profiligen und NCAA über Zusatzeinnahmen von 375 Millionen Dollar pro Jahr freuen könnten. "Dieses Urteil verdoppelt schnell den Wert eines Profiklubs", sagt Mark Cuban, Milliardär und Besitzer des Basketball-Franchise Dallas Mavericks.

Ebenfalls profitieren dürften legale Wettanbieter sowie all jene Firmen, die exklusive Daten von Sportereignissen liefern. Bei Livewetten im Internet müssen die Anbieter zeitnah auf Veränderungen beim Spielstand reagieren, sie brauchen dafür verlässliche Zwischenstände. Die Schweizer Firma Sportradar etwa bezahlt der NBA über sechs Jahre hinweg etwa 250 Millionen Dollar für Ergebnisse und Statistiken, das Unternehmen liefert darüber hinaus Software, über die weltweit Wettaktivitäten gemessen werden. Beides ist für Wettanbieter höchst interessant.

Es dürften nun die Verteilungskämpfe um die Wettrechte sowie das Geschachere um Steuersatz und Anteile für Ligen und Verbände am Gesamtumsatz beginnen. Der Kongressabgeordnete Frank Pallone hat bereits im Dezember den Gesetzesentwurf Game Act mit Richtlinien für die einzelnen Bundesstaaten vorgelegt. "Das dürfte nun ziemlich schnell gehen", sagt Richard McGowan, Professor am Boston College und Autor von sechs Büchern über die Wettbranche: "Die können alle gar nicht erwarten, all das Geld in ihre Finger zu bekommen."