Sportartikelhersteller Adidas und der goldene Stern

Nike gegen Adidas: Die Sportartikelhersteller ringen um die Vorherrschaft im Geschäft mit dem Fußball. Bei der WM ging die Runde an Adidas. Nike hatte zu sehr auf Stars gesetzt.

Von Uwe Ritzer

Der Trikotwechsel ging rasant. Ihren Sieg im WM-Endspiel hatten sich die Spanier noch in blauen Leibchen erkämpft, doch zur anschließenden Siegerehrung trugen sie frische Trikots im traditionellen Rot. Wer ganz genau hinsah, konnte auf deren Brust einen kleinen, goldenen Stern sehen, wie ihn nur ein Weltmeister tragen darf. Adidas, der Ausrüster der Spanier, hatte vorgesorgt, oder besser: vorproduziert.

Wie überhaupt die fränkische Drei-Streifen-Marke als WM-Sieger gelten darf, was den Kampf der großen Sportartikelmarken um Sichtbarkeit angeht. Adidas verkauft unter anderem den offiziellen Spielball - inzwischen 13 Millionen Mal. Die Endspielpaarung Spanien gegen Niederlande war ein Duell des zweitgrößten Herstellers Adidas mit Branchenführer Nike.

Im speziellen Geschäft mit Fußballprodukten reklamieren beide die Spitzenposition für sich und geben jeweils gut 1,5 Milliarden Euro Umsatz in diesem Jahr an. Experten sehen allerdings Adidas im Fußballgeschäft klar vorn, erst recht nach dieser WM. "In Deutschland konnte Adidas seinen Vorsprung gegenüber Nike definitiv ausbauen", sagte am Montag ein Sprecher von Intersport, Europas größter Fachhandelsorganisation. "Das dürfte international genauso gelten, denn Nike verlor seine Stars reichlich früh."

Gigantischer Werbeaufwand

Tatsächlich hatten die US-Amerikaner ihre komplette Werbekampagne auf Einzelstars aufgebaut. Oscarpreisträger Alejandro Gonzales inszenierte die Nike-Stars brillant in einem Werbeclip, der im Internet etwa 20 Millionen Mal angeklickt wurde. Doch ob Wayne Rooney, Didier Drogba, Cristiano Ronaldo oder Franck Ribery - auf dem Platz versagten die Individualisten reihum, spielten kläglich und schieden mit ihren Mannschaften frühzeitig aus. Immerhin schoss Andres Iniesta seinen Siegtreffer gegen die Holländer in einem der grell-orangen-fliederfarbenen Nike-WM-Treter. "Dafür wurden die meisten WM-Tore mit unserem neuesten Modell geschossen", kontert eine Adidas-Sprecherin.

Auch Torschützenkönig Thomas Müller und der beste Turnierspieler Diego Forlan sind Adidas-Werbeikonen. Der Konzern ließ schnell die Maschinen anwerfen, damit noch in dieser Woche das neue Spanien-Trikot samt Stern im Handel zu haben ist. Knapp eine Million spanische Trikots wird Adidas 2010 verkaufen, in etwa soviel wie jeweils auch von den Leibchen der Argentinier, Südafrikaner und Mexikaner. Vom deutschen Trikot gehen sogar mehr als 1,2 MillionenExemplare über die Ladentische.

Wobei sich der Kampf um die Fußball-Kundschaft bei dieser WM erstmals nicht nur über die Stadien und Fanmeilen, sondern ganz stark via Internet abspielte. Nike, Adidas und auch die Nummer drei Puma warben vor allem in sozialen Netzwerken mit einem Aufwand und Ausgaben wie nie zuvor.