Sportartikel Nur der Schneemann lacht

Sobald der erste Schnee fällt, werden nicht nur Schneemänner gebaut, wie hier in den Kitzbüheler Alpen. Auch die Begeisterung für den Skisport ist dann da.

(Foto: Julia Hecht)
  • In den vergangenen Wochen hat es in den Alpen zwar geschneit, doch das ist zu spät für die Wintersportbranche.
  • Sorgen macht sich die Skibranche auch um den Nachwuchs. Angesichts der unsicheren Wetterbedingungen buchen viele lieber eine Fernreise in die Sonne als einen Winterurlaub in den Bergen.
Von Caspar Busse

Frühling im Dezember, grüne Hänge, ungewöhnlich hohe Temperaturen in den Bergen - auch in diesem Jahr hat der Winter in den Skigebieten wieder ziemlich lange auf sich warten lassen, wie auch schon in den Saisons zuvor. In den vergangenen Wochen hat es in den Alpen zwar geschneit, doch das ist zu spät für die Wintersportbranche, die mit stockendem Absatz und vollen Lagern bei den Händlern zu kämpfen hat. Besonders hart trifft es die Skihersteller, die Stimmung auf der Sportartikelmesse Ispo in München war in dieser Woche alles andere als heiter.

"Ich rechne mit einem Rückgang des deutschen Skimarktes um fünf bis acht Prozent", sagt Christoph Bronder, beim amerikanischen Mischkonzern Jarden für das weltweite Wintersportgeschäft zuständig und damit vor allem auch für die Hersteller Völkl und K2. Völkl gehört zusammen mit den österreichischen Marken Atomic und Fischer zu den Großen der Branche. Deutschland ist ein wichtiger Markt, mehr Ski werden nur in den USA, in Frankreich und Österreich verkauft. Zuletzt wurden hierzulande knapp 300 000 Ski im Jahr abgesetzt, das Volumen könnte also jetzt auf 270 000 sinken.

Völkl plant derzeit in der Produktion in Straubing keine Entlassungen

"Ich hätte es mir natürlich auch anders gewünscht", sagt Bronder dazu und fügt an: "Aber wir sind bislang mit einem blauen Auge durch die Saison gekommen, auch weil das Geschäft in den USA gut läuft." Völkl, gegründet 1884, ist eine Traditionsfirma, stellte zunächst Kutschen her und stieg 1923 in die Skiproduktion ein; 1992 verabschiedete sich die Familie. Heute ist das Unternehmen der letzte große Skihersteller in Deutschland, in der Produktion im niederbayerischen Straubing arbeiten über das ganze Jahr hinweg etwa 400 Mitarbeiter. Deren Jobs sind nach Angaben von Bronder derzeit aber nicht in Gefahr: "Wir mussten bisher in unserer Produktion in Straubing keine Entlassungen vornehmen." Die Marken Völkl und K2 werden weltweit verkauft, wichtige Märkte sind neben Europa vor allem Nordamerika sowie Japan. Völkl ist nach eigenen Angaben in den USA Marktführer.

Sorgen macht sich die Skibranche auch um den Nachwuchs. Angesichts der unsicheren Wetterbedingungen buchen viele lieber eine Fernreise in die Sonne, als einen Winterurlaub in den Bergen. Dabei ist der Wintertourismus gerade in der Schweiz und in Österreich ein wichtiger Wirtschaftszweig. Immer mehr Skigebiete rüsten auf und investieren etwa in Beschneiungsanlagen. Ob sich das langfristig auch auszahlt, ist unsicher. Zudem kritisieren Umweltschützer diesen Trend. Nach Schätzungen gibt es derzeit weltweit 115 Millionen Skifahrer, den höchsten Anteil von Skisportlern an der gesamten Bevölkerung verzeichnen die Schweiz, Österreich, Deutschland sowie die skandinavischen Länder.

"Neuerungen sind in solchen Situationen der Regenschirm gegen Widrigkeiten."

"Ich bin fest davon überzeugt: Die Begeisterung für den Skisport ist nach wie vor da", sagt Bronder. Wenn der Schnee dann gekommen ist, sei die Attraktivität hoch. Skiveranstaltungen seien sehr beliebt, auch wenn etwa das Rennen in Kitzbühel am vergangenen Wochenende von schlimmen Stürzen überschattet war.

Das Problem: Unter dem Wetter leidet besonders der Verkauf von Skiern. Andere Produkte wie Bekleidung, Brillen oder Schuhe sind weniger wettersensibel und auch margenträchtiger. Deshalb setzen die großen Skihersteller wie Amer (Atomic, Salomon), Tecnica (Blizzard, Nordica) und Jarden (Völkl, K2) auf Neuerungen, um Kunden zu locken. "Innovationen sind besonders wichtig. Sie sind in solchen Situation der Regenschirm gegen Widrigkeiten", sagt Bronder. So wurde vor einigen Jahren die Rockertechnologie erfunden, mit der die Ski leichter zu lenken sind. Jetzt wird an besseren Materialen gearbeitet und neue Bindungen entwickelt, die sicherer sein sollen. Zu Völkl gehört auch der Bindungshersteller Marker aus dem oberbayerischen Penzberg, die Nummer eins weltweit. Zudem wurde zuletzt der italienische Skischuhersteller Dalbello gekauft.

Jarden, die US-Mutter von Völkl und K2, wird gerade von Rubbermaid übernommen. Überlappungen im Wintersportbereich gibt es zwischen den beiden Mischkonzernen nicht. Die beiden Marken Völkl und K2 sollen unabhängig bleiben.