Sponsoring-Einnahmen des VfL Wolfsburg Und zahlt und zahlt und zahlt

Der VfL Wolfsburg beschäftigt so viele Spieler wie kein anderer Verein. Möglich macht das auch das Sponsoring des Autokonzerns VW. Dessen Einkaufsvorstand soll nun der Justiz erklären, wie die Förderung läuft. Und ob Lieferanten gedrängt werden, ebenfalls Geld zu geben.

Von Klaus Ott

Der VfL Wolfsburg könnte gleichzeitig mit drei Mannschaften in der Bundesliga antreten. Fast 40 Fußballer stehen bei dem Volkswagen-Werksklub unter Vertrag, das ist Liga-Rekord. Aber nur elf dürfen jeweils spielen. Der Rest muss auf die Auswechselbank, oder gar auf die Tribüne. Dort sitzen dann auch einige Profis, die Trainer Felix Magath für viele Millionen Euro in halb Europa und der Welt zusammengekauft hat. Andere Vereine wären nach einem solchen Kaufrausch längst pleite. Nicht aber der VfL. Geld ist dort kein Problem. Man hat es, und man gibt es aus. Denn der Hauptsponsor und Autokonzern VW zahlt und zahlt und zahlt, und hat auch sonst Einiges dazu beigetragen, dass die Klub-Kasse immer gut gefüllt war. Was dabei genau geschehen ist, das will jetzt die Justiz wissen.

Francisco Javier Garcia Sanz, Einkaufsvorstand bei VW und Aufsichtsratschef des VfL, muss auf Anordnung des Stuttgarter Landgerichts als Zeuge aussagen. Er soll Auskunft geben, wie und in welchem Umfang der Autokonzern seinen Werksklub sponsert. Und vor allem, in welcher Weise VW seine Geschäftspartner dazu bewogen oder gar gedrängt hat, den Wolfsburger Bundesligisten zu unterstützen.

Ein Ermittlungsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat jede Menge Hinweise erbracht, dass der Konzern Lieferanten unter Druck gesetzt haben könnte, beim VfL als Sponsor einzusteigen - oder nicht vorzeitig auszusteigen. Einer der Beschuldigten wohnt in Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft hat gegen zwei Führungskräfte aus der VW-Einkaufssparte von Garcia Sanz sowie gegen drei ehemalige Manager und Berater der Telekom-Tochter T-Systems Anklage erhoben, weil VW-Verträge und ein VfL-Sponsoring unzulässig miteinander verknüpft worden seien. Das sei Bestechung und Bestechlichkeit. Die Beschuldigten bestreiten das.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben viel Material beschlagnahmt und untersucht. Sie haben es aber versäumt, Garcia Sanz und einige andere Schlüsselfiguren als Zeugen zu befragen. Darunter ist auch Telekom-Vorstand Reinhard Clemens. Das muss auf Anordnung des Landgerichts jetzt nachgeholt werden. Erst danach will das Gericht entscheiden, ob es zum Prozess kommt. Für die Staatsanwaltschaft ist das peinlich. Für Volkswagen und auch die Telekom kann die Geschichte allerdings ganz schön ärgerlich werden. Gerade auf dem Schreibtisch von Garcia Sanz sind immer wieder Dokumente gelandet, die auf Koppelgeschäfte zwischen dem Konzern und seinem Klub schließen lassen.

Zum Beispiel eine E-Mail, Mitte 2009, in der einer der heutigen Angeklagten aus dem Volkswagen-Einkauf seinen Vorstand fragt, ob man bezüglich eines neuen VfL-Sponsors so "verfahren" solle, wie vorgeschlagen. Es ging um ein großes Computer-Unternehmen, das VW belieferte und nun mit mehreren Millionen Euro beim VfL einsteigen wollte, unter anderem mit Trikotwerbung. Der Leiter des VfL-Marketings benötige "Ihre Freigabe", heißt es in der Mail an Garcia Sanz. Wenige Monate zuvor hatte der VW-Einkäufer seinem Vorstand bereits freudig berichtet, man habe das Computer-Unternehmen nun als Förderer des VfL gewonnen. Vorher habe dieses Unternehmen noch etwas "gezappelt", jetzt habe sich das geändert.

Einem Strategiepapier von Volkswagen zufolge haben sich die Einkäufer des Konzerns und die Marketing-Leute des VfL bei regelmäßigen Treffen in der Wolfsburger VW-Arena ausgetauscht. VW solle Kontakte zu möglichen VfL-Sponsoren anbahnen, steht in dem Papier. Und dass der Chef, Garcia Sanz selbst, auf dem Laufenden gehalten werden solle. Bei Problemen mit Sponsoren solle der Verein frühzeitig den Mutterkonzern einbinden. Womöglich, um Lieferanten unter Druck zu setzen. Dieser Verdacht ergibt sich aus weiteren von den Ermittlern ausgewerteten Unterlagen.