Von Karl-Heinz Büschemann

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 56 Millionen Euro verdient. Jetzt hat sich sogar der Bundespräsident in die Gehaltsdiskussion eingeschaltet.

Die Debatte über hohe Managergehälter hat neue Nahrung bekommen, nachdem bekannt wurde, dass der Chef des Autoherstellers Porsche, Wendelin Wiedeking, im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 56 Millionen Euro verdient hatte.

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Mit den Worten, bei den Gehältern der Manager habe die Bevölkerung "das Gefühl, dass etwas nicht stimmt", hat sich auch Bundespräsident Horst Köhler zu Wort gemeldet. "Die Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft müssen begreifen, dass ihr Verhalten Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gesellschaft hat." Er sehe "eine Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft", sagte Köhler dem Handelsblatt. "Deutschland braucht auch die moralische Führung durch redliche Unternehmer."

Elf Millionen für Kleinfeld

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer begrüßte Köhlers Worte und forderte von der Wirtschaft, freiwillig Obergrenzen für die Bezüge der Vorstandsmitglieder zu vereinbaren, die in angemessener Relation etwa zum jeweiligen Facharbeiterlohn stünden.

Porsche hat am Mittwoch gemeldet, dass der Vorstand im Geschäftsjahr 2006/07, das Ende Juli auslief, die Gesamtbezüge auf 112,7 Millionen Euro gesteigert hat. Da in der Branche bekannt ist, dass Porsche-Chef Wendeling Wiedeking mehr als die Hälfte dieser Summe bekommt, dürfte sich sein Jahreseinkommen auf mindestens 56 Millionen Euro belaufen. Vom früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld war zuvor bekannt geworden, dass er bei Ausscheiden von Siemens im Sommer eine Sonderzahlung von 5,75 Millionen Euro bezogen hatte, obwohl sein Vertrag ausgelaufen war. Da Kleinfeld vom neuen Arbeitgeber, dem US-Aluminiumhersteller Alcoa, 5,8 Millionen Euro zum Antritt seiner neuen Aufgabe bezog, brachte Kleinfeld dieser Wechsel mehr als elf Millionen Euro ein.

"Wenn die Einkommen solche Dimensionen erreichen, kann man sie nicht mehr mit gutemGewissen vertreten'', sagte Michael Rogowski, der Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) der Süddeutschen Zeitung. "Das hat negative Auswirkungen auf den Ruf von Wirtschaft und Unternehmen." So werde der Eindruck vermittelt "der Selbstbedienungsladen sei bei uns an der Tagesordnung", meint Rogowski, der Aufsichtsratsvorsitzender des Maschinenbau-Unternehmens Voith ist.

Henkel verteidigt hohe Zahlungen

Rogowskis Vorgänger beim BDI, Hans Olaf Henkel, verteidigt die hohen Zahlungen an Führungskräfte. "Deutsche Manager sind internationale Spitzenklasse", sagte der ehemalige IBM-Manager. Er räumte ein, dass die deutschen Aufsichtsräte den Wert und die Leistung ihrer Top-Manager "manchmal überschätzen". Aber das Gehalt von Porsche-Chef Wiedeking gehe "in Ordnung". Es sei Ausdruck der positiven Entwicklung des Unternehmens. "Man sollte sich freuen, wenn ein Unternehmen so erfolgreich ist."

Kritik an den hohen Gehältern der Manager und an der Arbeitsweise der Aufsichtsräte, die für die Gehälter zuständig sind, äußerte Michael Adams, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg. "Viele Aufsichtsräte arbeiten nicht sauber." Er verweist auf hohe Abfindungszahlungen für Manager wie den Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp, den ausgeschiedenen EnBW-Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen oder für Udo Stark, der in verschiedenen Unternehmen tätig war.

"Da gibt es Grund zu echter Empörung." Der Wissenschaftler bezeichnet hohe Gehälter für Manager als einen Fehler. "Man kann mit extrem hoher Bezahlung des Chefs ein Unternehmenzerstören." Hohe Bezüge für die Chefs zerstörten das Klima in der darunterliegenden Management-Ebene. Dort gebe es einen Anreiz für die Aspiranten auf den Chefposten, zum Schaden des Unternehmens nicht zusammenzuarbeiten und sich sogar gegenseitig zu behindern. "Das kann ganze Abteilungen zerstören", kritisierte Adams.

Die Unternehmensberatung Kienbaum ermittelte, dass nur die Einkommen in den 100 größten deutschen Firmen stark gestiegen sind. Hier seien die Bezüge von 1976 bis heute um durchschnittlich 7,45 Prozent im Jahr geklettert.

Bei kleineren Unternehmen seien die Spitzengehälter im Durchschnitt nur um 4,25 Prozent erhöht worden. Über alle Konzerne hinweg lasse sich feststellen, dass die Einkommenssteigerung der Vorstände "in etwa im Gleichklang mit der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung stattfand". Die habe 4,15 Prozent im Jahr betragen.

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(SZ vom 30.11.2007/hgn)