Von Hans Leyendecker, Caspar Dohmen und Ulrich Schäfer

In der Spitzel-Affäre der Telekom gerät nun auch der Telekom-Chef in die Schusslinie. Obermann hat offenbar versucht, die Affäre nach außen zu vertuschen, als im Sommer 2007 die erste Bespitzelung eines Journalisten entdeckt wurde.

Ein Konzernsprecher räumte ein, die Telekom habe es damals versäumt, die betroffene Redaktion zu unterrichten. Man habe gehofft, den Fall aus der Öffentlichkeit heraushalten zu können.

Rene Obermann: Nach Bekanntwerden des Abhörskandals versprach der Konzernchef am Wochenende lückenlose Aufklärung, offenbar wollte er die Bespitzelungsaffäre aber vertuschen. (© Foto: AP)

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"Die Telekom hat die Redaktion damals nicht informiert", sagte der Telekom-Sprecher. Rückblickend könne man dies kritisch hinterfragen. "Wir sind damals aber davon ausgegangen, dass es sich um einen Einzelfall handelt", sagte er.

Das Bonner Unternehmen informierte den betroffenen Redakteur vor einigen Tagen, nachdem weitere Bespitzelungsfälle aufgetaucht waren. Nach SZ-Informationen handelt es sich bei dem bespitzelten Journalisten um Reinhard Kowalewsky vom Magazin Capital.

Dieser hatte 2005 und 2006 wiederholt über Interna aus Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen berichtet. Die Sicherheitsleute der Telekom hätten, wie Insider berichten, vermutet, dass der Redakteur seine Informationen vom Konzernbetriebsratschef Wilhelm Wegner erhalte, der dem Aufsichtsrat angehört.

Daraufhin habe die Berliner Sicherheitsfirma Network.Deutschland von der Sicherheitsabteilung der Telekom Verbindungsdaten der beiden erhalten, um sie abzugleichen. Dabei stieß sie offenbar auf Telefonate zwischen den beiden. Der damalige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Klaus Zumwinkel, soll Wegner später zur Rede gestellt haben. Wegner habe jedoch darauf beharrt, dass er keine vertraulichen Informationen weitergegeben habe. Ein Sprecher Zumwinkels bestreitet, dass dieser die Datenspeicherungen in Auftrag gegeben oder davon gewusst habe.

Der Fall Capital wurde bei der Telekom bereits im Sommer 2007 durch einen internen Hinweis bekannt. Obermann entließ daraufhin den Chef der Sicherheitsabteilung und krempelte die Konzernsicherheit um. Am Wochenende hatte der Telekom-Chef angekündigt, die möglichen Bespitzelungsaktionen lückenlos aufzuklären; den Fall aus dem Jahr 2007 hatte er dabei erwähnt, aber keine Einzelheiten genannt. Er teilte lediglich mit, die Sicherheitsabteilung sei umgebaut worden.

Obermann hat den Posten als Telekom-Chef im November 2006 von Kai-Uwe Ricke übernommen. Er war zuvor Chef der Mobilfunksparte und gehörte in der Funktion ebenfalls dem Vorstand an. Ein Telekom-Sprecher betonte jedoch, im Vorstand sei über die Bespitzelungen nie gesprochen worden. Ricke sagte der SZ: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt einen Abgleich von Telefondaten in Auftrag gegeben." Ihm seien auch nie Ergebnisse einer solchen Aktion mitgeteilt worden. Er habe dem Leiter der Konzernsicherheit einen Auftrag erteilt, undichte Stellen zu finden. Damals seien wiederholt sensible Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. "Ich sah es als meine Pflicht an, etwas zu unternehmen", sagte Ricke.

Die Suche mit legalen Mitteln sei aber erfolglos geblieben, so ein Insider. Wenig später habe der Chef des Ermittlungsteams der Telekom die Berliner Firma beauftragt. Diese konzentrierte die Lecksuche auf die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Dabei seien Verbindungsdaten in den Gewerkschaftsbüros der Aufsichtsräte durchforstet worden. Stets sei es um Kontakte zu Journalisten gegangen.

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(SZ vom 29.05.2008/mel/woja)