Von Hans-Jürgen Jakobs

Als langjähriger Aufsichtsratschef war Klaus Zumwinkel so etwas wie der Patriarch der Telekom. Nun ist er die Schlüsselfigur in der Spitzelaffäre, die Justiz ermittelt gegen ihn - wenige Monate, nachdem seine private Steuerschummelei in Liechtenstein aufgefallen war.

Bis zum 14. Februar 2008 war Klaus Zumwinkel ein gesuchter Mann der deutschen Wirtschaft. Einer, der in wichtigen Großkonzernen, die einst ganz dem Staat gehört hatten, die große Nummer war. Dann durchsuchten Steuerfahnder und eine Staatsanwältin an diesem Februarmorgen seine Villa in Köln-Marienburg - und die ganze Republik bekam mit, dass dieser so seriös wirkende Manager die Pflichten des Steuergesetzes einfach ignoriert hatte.

Kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Klaus Zumwinkel. (© Foto: ddp)

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Über eine Stiftung hatte der Unternehmersohn, der gut geerbt hatte, Geld in Liechtenstein deponiert und die Zinserträge dem Fiskus jahrelang verschwiegen. Zumwinkel beglich offenbar einen Teil der Steuerschuld, der Haftbefehl wurde außer Kraft gesetzt. Seinen Hauptjob als Vorstandschef der Deutschen Post AG aber war der Delinquent bald los. Dr. Z. wurde zum Synonym für Hybris unter Managern.

Der Wille nach Macht und Kontrolle

Inzwischen erhärtet sich der Verdacht, dass sich der promovierte Kaufmann, der als Laudator bei öffentlichen Veranstaltungen so gesetzt auftrat, womöglich auch über ganz andere Gesetze hinweg gesetzt hat. Zumwinkel, 64, ist einer von acht Beschuldigten in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom - ja, er ist womöglich, nach Stand der Dinge, trotz aller Dementi der Hauptbeschuldigte.

Tatsächlich hat er als langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrats in dem Konzern offenbar so viel Machtwillen und Kontrollfleiß demonstriert, dass im Nachhinein nicht der damalige offizielle Vorstandschef Kai-Uwe Ricke als "Mr. Telekom" erscheint, sondern vielmehr sein Oberaufseher Klaus Zumwinkel.

Als erstes hatte der einstige Arbeitsdirektor Heinz Klinkhammer im Handelsblatt eingestanden, die Aufträge zur Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten seien aus dem Umfeld von Ricke und Zumwinkel gekommen.

Das passt zu dem Brief, den eine beauftragte Berliner Sicherheitsfirma an den Telekom-Chefsyndikus geschrieben hatte: Darin stand, man habe "mehrere hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze" wichtiger Journalisten und mehrerer Aufsichtsräte der Telekom-Arbeitnehmerseite ausgewertet. Das sei "direkt vom Vorstand (in enger Abstimmung mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden) beauftragt und direkt vom Vorstandsvorsitzenden über das Aufsichtsratsbüro bezahlt worden". Zumwinkel, Zentrale eines Spitzelsystems?

Geheime Pläne in der Öffentlichkeit

Eine solche Verfahrensweise über das Aufsichtsratsbüro würde zumindest erklären, warum die dunklen Gelder für den dunklen Auftrag nicht dem Controlling des Konzerns aufgefallen sind. Hat Klaus Zumwinkel also viel Freiraum für völlig überzogene Aktionen genutzt, um einen Geheimnisverrat bei der Telekom zu bekämpfen? Im Mittelpunkt des Verdachts, Informationen nach draußen zu geben, stand Konzernbetriebsratschef Wilhelm Wegner.

Im Telekom-Vorstand hatten sie sich immer wieder geärgert, dass zum Beispiel geheime Pläne zum Streichen von Jobs in der Presse standen. Dagegen ging man vor - allerdings nur mit legalen Mitteln, wie Ex-Vorstandschef Ricke sagt. Von den Schnüffelaktionen der eigenen Sicherheitsabteilung - von den Projekten "Clipper" und "Rheingold" - habe er nichts mitbekommen.

Auch Zumwinkel lässt über einen Sprecher erklären, es habe kein Einverständnis für die behaupteten Datenspeicherungen gegeben. Als Aufsichtsratschef könne er Mitarbeitern des Unternehmens keine Anweisungen geben. Es sei gut, dass die Staatsanwaltschaft alles untersuche. Mit der gewissenhaften Arbeit der Justiz hat Zumwinkel ja schon seine Erfahrungen gemacht.

Lesen Sie weiter, warum Zumwinkel formal keine Anweisungen geben konnte - aber dennoch so etwas wie ein Patriarch war.

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