Von Hans Leyendecker

Aktenzeichen JS 811/08: Die Vergangenheit holt die ehemaligen Top-Entscheider der Telekom ein. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt in der Spitzel-Affäre des Konzerns nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gegen acht Beschuldigte - darunter gegen Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Chefkontrolleur Klaus Zumwinkel.

Das Bundeskriminalamt ist dabei und das Fachkommissariat Bonn. Die Politik in Berlin ist involviert, und täglich kommen neue Details heraus in dieser trüben Geschichte rund um die Deutsche Telekom, die am Wochenende ihren Anfang nahm.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie: Links der ehemalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, rechts im Bild der frühere Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. (© Foto: dpa)

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt acht Beschuldigte wegen des Verdachts, dass sie das Post- und Fernmeldegeheimnis sowie das Datenschutzgesetz verletzt haben, berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer Freitagsausgabe.

Im Auftrag des Unternehmens sollen Journalisten und Aufsichtsräte systematisch ausgespäht worden sein. Die Ermittler durchsuchten bereits am Montag die Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn.

Als treibende Kraft für die Verfehlungen galt bei manchem der einstige Post-Chef Zumwinkel. Bis zum Auffliegen persönlicher Steuerdelikte - er trickste über Stiftungen in Liechtenstein - war der Manager eine Macht am Rhein. In der Telekom hatte er offenbar mehr zu sagen, als man bei einem Aufsichtsratschef vermuten würde. Zumwinkel hat in den vergangenen Tagen den in den Medien erhobenen Vorwurf, er habe die Spähaktionen möglicherweise in Auftrag gegeben, bereits mehrmals dementieren lassen.

Ricke will nichts gewusst haben

Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende habe von der angeblichen Speicherung von Daten nichts gewusst, erklärte ein Sprecher. Die Geschäfte eines Unternehmens führe im übrigen der Vorstand. Ein Aufsichtsratschef könne solche Aufträge, so es sie denn tatsächlich gegeben habe, gar nicht erteilen.

Der damalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke wiederum sagte der SZ am Mittwoch, er habe von den illegalen Aktionen nichts gewusst. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt einen Abgleich von Telefondaten in Auftrag gegeben", sagte Ricke. Ihm seien auch zu keinem Zeitpunkt Ergebnisse einer solchen Aktion mitgeteilt worden.

Mal sehen, was die vier Sicherheitsleute sagen, gegen die die Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt. Der aktuelle Konzernchef Rene Obermann, der sich von einigen dieser Truppe getrennt hat, gehört nicht zu den derzeit Verdächtigen.

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(sueddeutsche.de/mel/jja/mkf)