Mit dubiosen Spitzel-Aktionen beschattete die Bahn 173.000 Mitarbeiter. Jetzt schuldet sie den Betroffenen eine gute Erklärung.
Ach, Sie wissen noch gar nichts davon? Ihr Arbeitgeber hat Ihre Daten längst an eine Detektei weitergegeben - Name, Adresse, Geburtsdatum, Bankverbindung. Reine Routine! Ihr Chef wollte nur wissen, ob Sie hinter seinem Rücken krumme Dinger drehen. Sicher ist sicher.
"Eichhörnchen" und "Babylon": Die Spitzel-Aktionen der Bahn hatten dubiose Tarnnamen. (© Foto: dpa)
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So ähnlich muss sich das dieser Tage für die Mitarbeiter der Bahn anfühlen. In 173.000 Fällen, so gaben Unternehmensvertreter am Mittwoch vor Parlamentariern zu, hatte der Konzern die Daten von Beschäftigten oder deren Partnern weitergereicht. Detektive sollten klären, ob die Mitarbeiter ihren Arbeitgeber betrogen. Sie hätten Scheinfirmen unterhalten können, die Aufträge abfangen. Sie hätten sich an dem Koloss Bahn bereichern können. Als läge das Unternehmen mit irgendwem im Krieg, trug die Großrecherche auch noch Tarnnamen wie "Projekt Eichhörnchen" oder "Babylon". Dubioser geht es kaum. Dümmer allerdings auch nicht.
Mehr als nur ein Geschmäckle
Denn 173.000-mal wird die Bahn nun einiges zu erklären haben. Der Datenschutz ist in diesem Land immer noch ein Heiligtum. Dass ein Unternehmen, noch dazu ein staatliches, im großen Stil Daten an Dritte weiterreicht; dass es den Betroffenen gegenüber vorher nicht einmal die Möglichkeit solcher Überprüfungen einräumt, das hat mehr als nur ein Geschmäckle. Es verbietet sich.
Natürlich hat die Bahn die Pflicht, Schäden vom Unternehmen abzuwenden, auch solche durch Mitarbeiter. Mit Ausforschungen dieser Dimension allerdings ist die Bahn weit über das Ziel hinausgeschossen. Ob die Aktion Aussicht auf Erfolg haben konnte, darf ohnehin bezweifelt werden. Wer seinen Chef betrügen will, der wird das kaum unter eigenem Namen tun.
(SZ vom 29.01.2009/tob)
Drogeriekette wird abgewickelt
Ich erinnere mich noch - oh wie schlimm oh wie schlecht war doch die Stasi und die Aussage vom Chef der Stasi-Gedenkstätte in einer Diskussionssendung - 17 Mio DDR-Brüger ... 17 Mio Spitzel.
Nur - erkläre mir heute einer, sind die Firmen - welche auch immer - nicht genauso auf dem gleichem Level die die Stasi? Mitarbeiter aut dem Klo bespitzelt. Kranke bespitzelt, die mitgebrachte Stulle durchleuchtet. Kontoauszüge sowie die Familienkostellation.
Welche Firma spitzelt heute nicht - man kann ja nicht mal sagen, man nutzt nur die Firmen, die keine Spitzeldienste haben, da würde man niemanden mehr trauen können. Wie viel Angst haben Arbeitgeber vor den eignen Mitarbeitern? Oder anders -würde ich die Ware Arbeitskraft besser achten und mehr Wertschätzung entgegen bringen, bräuchte ich den Bilanzpunkt Spitzelkosten nicht.
Aber - wer bespitzelt eigentlich die Chef´s - das wär doch mal eine Alternative ....
Mögliche Rechte des Plebs interessieren Staat und Eliten schon lange nicht mehr. Der Mitarbeiter ist bereits verdächtig, wenn er ein bezahlter Mitarbeiter ist.
Die Wirtschaft praktiziert den Schäuble'schen Probelauf. Unser Innenminister wird Mehdorn danken. Andere Probeläufe laufen sicher ebenfalls zur übergroßen Genugtuung des jeweiligen Fachministers und übergreifend des Dirigenten Schäuble.
Die gewisse östlich-deutsche Organisation ist endlich auf Vordermann gebracht und kann ihre segensreiches Tun in ganz Deutschland anwenden. That's all.
Es handelt sich um ein Staatsunternehmen. Und es werden mal eben fast alle Mitarbeiter heimlich überprüft.Es besteht kein konkreter Verdacht, aber sind wir nicht alle potentielle Täter?
Es werden die wirtschaftlichen Interessen geschützt.Wirklich?
Früher gab man in einem Teil Deutschland für vergleichbare Verhaltensweisen vor , als Speerspitze des Staates diesen auf diese Art verteidigen zu müssen.
Der andere Teil hat dies zu Recht als menschenrechtsfeindlich verurteilt.
Nun geschieht dasselbe bei Lidl,Telekom,DB im vereinten Deutschland.
Nun ist es gerechtfertigt?
Und es gibt noch nicht mal einen (straf)rechtlichen Schutz dagegen- und eigentlich bin ich gegen zu viele Strafrechtsnormen.
Nur: Wo Ethik und Moral nicht mehr greifen, müssen Gesetze her, leider.
Ich danke dem Antikorruptionsbeaufragten der DB für (ich glaube ,sie nennen ihn "conformity-manager", conformance womit?)diese Erkenntnis, indem ich mich übergebe.
"Der Datenschutz ist in diesem Land immer noch ein Heiligtum."
Sie belieben zu scherzen?
Wußte gar nicht das die Bahn 173000 Manager angestellt hat!
Korruption und Zuschieberei passiert doch meist nur im oberen/mittleren Management!
Aber ist doch alles egal - das Kurzzeitgedächtnis des dummen, deutschen Schafes allgemein als Bürger wirds schon richten. Köpfe werden eh nur von noch dümmeren Bauernopfern rollen... und Mehdorn wird wahrscheinlich in 1-2 Jahren bei Schäuble im Kabinett sitzen.
Paging