Spielwaren Jungs, die mit Puppen spielen

Laurel Wider hat über eine Kickstarter-Kampagne weltweit 600 Puppen verkauft und mehr als 40 000 Dollar eingesammelt.

(Foto: Sam Simmonds/Polaris/laif)
  • Kinder lernen schon sehr früh, was es bedeutet, in der Gesellschaft ein Junge oder ein Mädchen zu sein. Die Amerikanerin Laurel Wider will dagegen etwas tun.
  • Sie vertreibt in den USA Puppen in unterschiedlichen Haut- und Haarfarben, damit sich alle kleinen Jungen in ihnen wiederfinden.
Von Kathrin Werner, New York

Ausgelacht. Als Laurel Wider zum ersten Mal einem Manager eines Spielzeugkonzerns von ihrer Idee erzählte, lachte er nur und sagte: "Das wird nie klappen." Jungen wollten einfach nicht mit Puppen spielen, und ihre Eltern wollten das auch nicht, befand er. Aber Wider blieb dabei, sie glaubte an ihre Idee und machte daraus ein Unternehmen. Es heißt Wonder Crew und verkauft Puppen für Jungen.

Widers Puppen sind kleine Jungen, die Superhelden-Kostüme tragen. Es gibt für sie Bauarbeiter-, Astronauten- und Forscher-Klamotten und passend dazu die gleichen Outfits auch für die kleinen Kinder, die mit den Puppen spielen sollen, damit sie leichter eine Verbindung zu den Puppen herstellen können. "Jungen kümmern sich genauso gern um eine Puppe oder um ihre Kuscheltiere wie Mädchen, es ist ganz natürlich", sagt Wider. "Wir erlauben es ihnen nur nicht."

Seit Jahren schon regen sich viele Eltern darüber auf, dass Spielzeug entweder quietschpink oder babyblau ist. Die Spielzeugkonzerne haben die Errungenschaften der Feministinnen in den 80ern für die Kleinsten komplett zurückgedreht, es gibt heute mehr als damals Geschlechterregeln, welches Spielzeug für wen vorgesehen ist. In den USA ist die blau-pinke Trennung extrem, aber auch europäische Eltern, die ihre Kinder nicht auf Rollenbilder festlegen wollen, kennen das Problem.

Jungs sind halt so

#MeToo für Eltern: Wie man Söhnen Respekt vor Frauen beibringt - und wie es Kinder beeinflusst, wenn sie immerzu daran erinnert werden, zu welchem Geschlecht sie gehören. Von Barbara Vorsamer mehr ...

Spielzeug für Jungen ist oft zum Bauen angelegt

Kinder lernen schon sehr früh, was es bedeutet, in der Gesellschaft ein Junge oder ein Mädchen zu sein - selbst wenn ihre Eltern versuchen, dagegen zu arbeiten. Schon Drei- bis Fünfjährige können "Mädchenspielzeug" und "Jungenspielzeug" identifizieren und vorhersagen, ob ihre Eltern ihre Wahl gutheißen oder ablehnen würden, hat eine Studie der University of South Carolina im Jahr 2007 ermittelt. Eine andere Studie fand 2011 heraus, dass das Klischee "Mathe ist für Jungen" schon Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren bewusst ist. Wer gern mit Autos, Werkzeugkästen und Lokomotiven spielt, interessiert sich später wahrscheinlich mehr für Ingenieursfächer, glauben Forscher.

Spielzeug für Jungen ist außerdem oft so angelegt, dass sie damit etwas bauen können. Eine Transformer-Actionfigur lässt sich von einem Roboter in ein Auto umwandeln, und Lego-Sets, die sich oft auch eher an Jungen als an Mädchen richten, müssen die Kinder erst zusammensetzen. Das fördert logisches Denken und motorische Fähigkeiten. "Jungen, die routinemäßig die Erfolgserlebnisse haben, die mit Entwerfen und Bauen verbunden sind, fühlen sich mehr zu Hause in Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften", sagte Großbritanniens Verbraucherschutzministerin Jenny Willott vor einigen Jahren. Kinder schon so früh in Ecken zu drängen, schade der Volkswirtschaft. "Ein Junge, der nie einen Nähkasten hatte, wird sein Talent für Design vielleicht nie entdecken."

Das ist der Punkt: Es geht nicht nur um die Mädchen, die ihre Fähigkeiten nicht entwickeln und von vornherein lernen, dass Technik nichts für sie ist, es geht auch um die Jungen. "Unsere Gesellschaft geht davon aus, dass es den Jungs sowieso gut- geht, dass sie die Oberhand haben", sagt Wonder-Crew-Gründerin Wider. "Aber das ist nur an der Oberfläche so." Lehrer, die an einer Studie in Spanien teilnahmen, hielten Mädchen grundsätzlich für fürsorglicher und hilfsbereiter als Jungen - und erwarteten genau dieses Verhalten von Mädchen. Jungen, die sich sozial verhielten, fanden sie dagegen sogar merkwürdig. "Wir verbieten den Jungen geradezu, etwas zu fühlen", sagt Wider. "Aber die Gefühle werden herauskommen."