Spenden von Gates, Plattner und Co. Falsche Großherzigkeit

Hasso Plattner verschenkt Milliarden: Sein Vermögen hat er als Mitgründer der Softwarefirma SAP gemacht. Auf dieser Archivaufnahme von 2011 eröffnet er ein SAP-Innovationszentrum in Potsdam.

(Foto: dpa)

Bei aller Anerkennung sollte man nicht vergessen, dass Superreiche nicht aus purer Großherzigkeit spenden. Mit ihren Milliarden wollen sie die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen formen. Doch Gesellschaftspolitik ist eine staatliche Aufgabe. Oft aber fehlt dem Staat dafür genau das Geld, das Spender wie Hasso Plattner oder Bill Gates jetzt so reichlich zur Verfügung stellen. Die Lösung: Eine hohe Erbschaftsteuer und eine Steuer auf große Vermögen.

Ein Kommentar von Hannah Wilhelm

Geben ist nur selten selbstlos. Wer gibt, der verspricht sich meistens etwas davon. So ist der Mensch eben, und so sind auch Menschen wie die Milliardäre Bill Gates und Warren Buffett oder der Mitbegründer des Software-Herstellers SAP, Hasso Plattner. Sie spenden und stiften riesige Summen für Wohltätiges, keine Frage. Aber sie tun dies eben nicht nur aus Großherzigkeit. Und deshalb sollte die Gesellschaft den Teufel tun, solche Menschen zu Gutmenschen oder gar zu Heiligen zu verklären.

Doch genau das passiert viel zu oft. Viele Reiche kaufen sich durch Spenden ein gutes Image. Grundsätzlich sind Unternehmer oder Reiche ja keine sehr beliebte Spezies. Sicher entspringt einige Kritik an ihnen auch immer dem Neid und der Missgunst. Doch nicht selten waren es in der Geschichte eben auch die sehr durchsetzungsstarken Unternehmer, knallharte Arbeitgeber oder Monopolisten, die ganz nach oben gekommen sind. Solche, die durchaus streitbare Geschäftsgebaren an den Tag legten.

Ein gutes Beispiel dafür ist das große Vorbild von Bill Gates: der Stahlunternehmer und Großindustrielle Andrew Carnegie. Was von ihm geblieben ist? Die wunderschöne Carnegie Hall in New York. Zahlreiche Bibliotheken. Großzügig ausgestattete Stiftungen. Woran sich keiner mehr erinnert? Dass er Bewaffnete gegen seine streikenden Arbeiter vorgehen ließ, die forderten, nicht mehr zwölf Stunden täglich ranklotzen zu müssen - für sehr wenig Geld. Oder daran, dass Carnegie ein knallharter Kapitalist war, der gegenüber Menschen, die weniger leisten, keinerlei Respekt hatte. Doch es ist ihm gelungen, sich freizukaufen. Sein Geld und seinen Namen rein zu waschen.

Weit weg von den heutigen Milliardären ist das nicht. So fiel zum Beispiel auf, dass gerade Bill Gates in Zeiten, in denen seine Firma Microsoft wieder mal kartellrechtlichen Ärger hatte, Geld für Wohltätiges springen ließ.

Zutiefst undemokratische Einflussnahme

Ein weiterer Grund dafür, dass Reiche stiften, ist der Machtgewinn, den das Geben mit sich bringt. Denn wer stiftet und gibt, der entscheidet auch, wofür. Bill Gates mit seiner Milliardenstiftung zum Beispiel fördert neben vielen anderen Dingen auch bestimmte Schulformen. Da nimmt also einer, der nicht politisch legitimiert, der nicht vom Volk gewählt ist, Einfluss auf die Gesellschaft. Er sagt, was gut und was förderungswürdig ist. Und wenn man Bill Gates bei einem seiner Spendeauftritten sieht, dann beschleicht einen durchaus das Gefühl, dass er genau seinen Einfluss genießt.

Das ist zutiefst undemokratisch. Und selbst für die, die das Geld geschenkt bekommen, ist es eine zwiespältige Sache. Denn wenn über ihnen das großzügige Füllhorn ausgeschüttet wird, dann müssen sie doch bitte dankbar sein. Sind sie doch die glücklich Beschenkten. So zum Beispiel die amerikanischen Kinder aus ärmeren Familien, denen Gates die Ausbildung finanziert. Doch wie viel besser und gerechter wäre es, wenn diese Kinder den rechtlichen Anspruch hätten auf eine solche Unterstützung. Und zwar vom Staat. Dann wären sie kein Bittsteller, sondern selbstbewusste Teilhaber an einer Gesellschaft. Das wäre wirklich erstrebenswert.

Auch Superreiche haben vom Staat profitiert

Nun kann man natürlich sagen, dass der - in diesem Fall US-amerikanische - Staat an dieser Stelle versagt und Bill Gates ja nur netterweise eine Lücke füllt. Aber es sollte genau der Anspruch sein, den Staat so gut mit Geld auszustatten, dass er eben das leisten kann. Durch Umverteilung und die Besteuerung von so großen Privatvermögen. Und dass es dann die demokratisch legitimierten Gremien sind, die entscheiden, wo das Geld für die Gesellschaft am besten und am gerechtesten angelegt ist. Und nicht ein einzelner Milliardär.

Denn man darf nicht vergessen: Natürlich sind viele dieser Reichen durch gute Ideen, Können und harter Arbeit zu ihrem Vermögen gekommen. Aber eben nicht nur. Möglich gemacht hat das Menschen wie Gates, Buffett und Plattner auch die Gesellschaft und das politische System, in dem sie aufgewachsen sind. Weil es in Amerika und in Deutschland Schulen gibt. Und eine funktionierende Infrastruktur und ein juristisches System, die ihre Unternehmungen ermöglicht haben. Und nicht zuletzt auch Polizei, die dafür gesorgt hat, dass weder dem kleinem Bill noch dem kleinem Warren oder dem kleinen Hasso auf dem Weg zur Schule einer den Kopf eingeschlagen hat.

Die Schlussfolgerung ist klar: Es muss eine hohe Erbschaftsteuer geben. Und eine Vermögensteuer auf so große Vermögen. Demokratische Gesellschaften sollten selbstbewusster mit ihren Reichen umgehen. Und sie sollte sie nicht verklären für ihre Spendierfreude.