Spekulation mit Nahrungsmitteln Deutsche Bank zügelt sich - aber sehr behutsam

Das größte Geldhaus der Republik reagiert auf die harsche Kritik von Verbraucherschützern: Die Deutsche Bank will die Spekulation mit Nahrungsmitteln einschränken. Allerdings gestattet sie sich einige Ausnahmen. Hilfsorganisationen nennen das Vorgehen des Finanzinstituts halbherzig.

Von Hans von der Hagen

So richtig anfreunden kann sich die Deutsche Bank mit dem Thema nicht: Jedenfalls versteckt sie ihre Auseinandersetzung mit der Problematik Nahrungsmittelspekulation tief im jetzt erschienenen Bericht zur gesellschaftlichen Verantwortung 2011 (PDF-Datei).

Immerhin - auf Seite 28 demonstriert das Finanzinstitut eine gewisse Unruhe: "Mit Besorgnis verfolgt auch die Deutsche Bank, dass immer wieder Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden müssen", heißt es dort.

Ausgelöst wurde diese Besorgnis durch eine Aktion der Organisation Foodwatch, die unter dem Motto "Hände weg vom Acker, Mann" zum Protest gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aufrief.

Der hatte daraufhin eingeräumt, dass kein Geschäft es wert sei, den Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen. Bis Ende Januar sollte eine Entscheidung zum Thema fallen. Als die nicht kam, wuchsen die Zweifel, ob sich Ackermann in dieser Frage überhaupt gegen seinen Nachfolger Anshu Jain durchsetzen würde.

"Beachtlicher Einfluss der Spekulation"

Offensichtlich gibt es nun eine Zwischenlösung: "In diesem Jahr werden wir keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen", steht in dem Bericht. Das heißt: Bei Papieren, die nicht über die Börse gehandelt werden, und bei bereits bestehenden Anlageprodukten bleibt alles beim Alten.

Eine Arbeitsgruppe der Bank setze sich seit einiger Zeit "intensiv mit den Ursachen und Auswirkungen stark schwankender und vor allem steigender Preise für Agrarrohstoffe auseinander". Doch die Meinungen der Wissenschaftler und Experten gingen "bei dem Thema weit auseinander", heißt es weiter. Insofern ist also fraglich, wie die Bank künftig vorgehen wird.

Zumal sie in ihrem Bericht andeutet, wo sie den Grund für steigende Grundnahrungsmittelpreise sieht: "Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann." Besonders das globale Bevölkerungswachstum, steigende Einkommen und sich verändernde Ernährungsgewohnheiten sowie die Produktion von Biotreibstoffen seien Grund für die höhere Nachfrage.

Immerhin erwähnt das Institut, dass "einige wissenschaftliche Studien auch der Spekulation an den Rohstoffterminbörsen einen beachtlichen Einfluss auf die Preise für Agrarrohstoffe" beimessen würden. Jedoch kämen "die meisten wissenschaftlichen und von Experten bestätigten Publikationen zu dem Schluss, dass das Verhältnis von Angebot und Nachfrage als wesentlicher Treiber für die Entwicklung der Rohstoffpreise anzusehen ist". Jetzt seien weitere Analysen nötig, an denen sich die Deutsche Bank mit einem eigenen Forschungsteam beteiligen wolle.

Zugleich lobt das Institut eifrig Wertpapiere wie Futures, Optionen und Swaps. Sie ermöglichten nicht nur die Absicherung von Preisen, sondern schafften auch die "notwendige Sicherheit für längerfristige Investitionen in Infrastruktur und Anbautechnologie".

Oxfam nennt Deutsche-Bank-Entscheidung halbherzig

Gleichwohl teile die "Deutsche Bank die Ansicht der G-20-Staaten, dass die Märkte für solche Wertpapiere transparenter gestaltet und die Kontrollmechanismen verstärkt werden sollten, um Fehlverhalten zu verhindern". Das Institut unterstütze daher "die Bemühungen, für alle wichtigen Terminbörsen und -märkte angemessene regulatorische Vorgaben einzuführen".

Reicht das? Nein, sagen Hilfsorganisationen. Oxfam beispielsweise bedauert, dass die Deutsche Bank nicht deutlicher von der Spekulation mit Nahrungsmitteln abrückt - zumal das Institut führend bei börsengehandelten Rohstoffprodukten im Agrarbereich sei. "Solange die Deutsche Bank weiter mit Essen spielt, riskiert sie den Hungertod von Menschen", erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Die angekündigten Schritte seien halbherzig. Die Deutsche Bank verfüge insgesamt über 45 Rohstofffonds. Diese Fonds blieben aber von der jüngsten Entscheidung unberührt. Recherchen im Auftrag von Oxfam, Misereor und Weed hätten ergeben, dass bis zum Jahresende 2010 knapp fünf Milliarden Dollar in Agrarrohstofffonds und knapp 3,6 Milliarden Dollar in Energiefonds investiert worden seien. Zudem sei nicht auszuschließen, dass die Bank neue nicht börsengehandelte Fonds auflege.

Bemerkenswert sei zugleich, dass die Deutsche Bank in ihren eigenen Berichten sehr wohl einräume, dass die Spekulation Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise habe, stellt Wiggerthale fest: Das Institut erkläre im offiziellen Jahresbericht ihrer US-Fonds für die US-Finanzaufsicht, dass die Preise von Rohstoffen auch durch Investitions- und Handelsaktivitäten von Investmentfonds, Hedgefonds und Rohstofffonds beeinflusst würden. Im Sozialbericht las sich das etwas zurückhaltender.