Sparprogramm der Deutschen Bank Nullrunde für 25.000 Mitarbeiter

Die Deutsche Bank muss mehr sparen als bisher angenommen - und kürzt deshalb sogar den Kaffee in Besprechungen.

(Foto: Getty Images)

Kirch-Streit, Libor-Affäre, Steuerrazzia - all das zwingt die Deutsche Bank zu einem strikten Sparprogramm. Nach SZ-Informationen müssen daher in Deutschland 25.000 Beschäftigte auf die übliche Gehaltssteigerung verzichten. Auch die Boni wolle man kleinhalten - weshalb Vorgesetzte gute Mitarbeiter absichtlich schlecht bewerten sollen.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Skeptisch sind die Mitarbeiter der Deutschen Bank schon lange. Seit die neue Führungsspitze einen umfangreichen Personalabbau angekündigt hat, liegen die Nerven in manche Abteilung blank. "Die Unruhe ist enorm", beschreiben Betriebsräte die Atmosphäre im Haus. Jetzt setzt das Management um Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen darauf: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus dem Betriebsrat müssen alle außertariflich bezahlten Mitarbeiter der Bank in diesem Jahr auf die übliche Gehaltssteigerung verzichten. Das betrifft allein in Deutschland 25.000 Beschäftigte, die Hälfte aller Mitarbeiter am Heimatsitz der Bank. Die Belegschaft soll in Kürze informiert werden, am Donnerstag will die Konzernspitze die Mitarbeiter der Zentrale zusammenrufen. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals eine Nullrunde gegeben hat", sagt ein Arbeitnehmervertreter.

Es weht ein neuer Wind in den Gängen der Bank. Sparen steht jetzt ganz oben auf der Agenda. 2012 haben Jain und Fitschen angekündigt, dass sie die Kosten um 4,5 Milliarden Euro senken wollen. Dass Mehreinnahmen den Spardruck senken könnten, hofft niemand mehr. Am Donnerstag legt das Institut seine Zahlen für 2012 vor, die Analysten erwarten nichts Gutes. Schon im Dezember hatte das Management eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal herausgegeben. Der verlorene Kirch-Streit, die Libor-Affäre, die Steuerrazzia - all das kann sehr teuer für die Bank werden.

Das bekommen die Mitarbeiter jetzt zu spüren. Dass die Gehaltsrunde ausfällt, lässt Rückschlüsse auf die Höhe der Boni zu. "Die Töpfe hängen zusammen. Wenn es schon keine Gehaltssteigerung gibt, braucht man sich bei den Boni nicht viel erwarten", sagt ein Arbeitnehmervertreter. Die ersten Weichenstellungen haben die Mitarbeiter schon beobachtet. So flüstert man sich auf dem Gang zu, dass Vorgesetzte angehalten werden, in jedem Team einige Mitarbeiter schlecht zu bewerten. Dadurch sollen die Boni-Ausschüttungen gering gehalten werden, wird vermutet. In kleinen Teams mache die Vorgabe, eine gewisse "Normalverteilung" einzuhalten, keinen Sinn, ärgern sich Betriebsräte. Vorgesetzte kommen dadurch in die Bredouille, gute Mitarbeiter schlecht bewerten zu müssen. Besonders perfide finden die Betriebsräte, dass das durch eine Änderung möglich wird, die gut gemeint war: Durch den ausgerufenen "Kulturwandel" wird auch das Sozialverhalten der Kollegen in die Berechnung der Boni einbezogen. Ein Gummi-Paragraf. Manche Vorgesetzte würden dies als Hintertürchen benutzen, um einzelne Kollegen herabzustufen, um so den Vorgaben von oben gerecht zu werden.

"Es ist nicht das Problem, dass gespart wird, sondern die Art und Weise, wie es passiert", sagen Betriebsräte. Hinzu kommen Kleinigkeiten, die verärgern: So gibt es keinen Kaffee mehr in Besprechungen. Man frage sich, wie viele Kaffees man wegen der möglichen Kosten des Rechtsstreits mit den Erben von Leo Kirch nicht trinken könne, unken Mitarbeiter. Bei den Dienstwagen wurde die Zahl der Kilometer herabgesetzt, die gefahren werden darf. Seminare, die gebucht waren, wurden trotz hoher Stornogebühren abgesagt. Selbst kleine Dienstreisen erfordern Sondergenehmigungen. Die Bank nimmt zu den Informationen keine Stellung.

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