Sparmaßnahme Griechenland schließt staatlichen Rundfunk ERT

Kurz nach 23 Uhr blieb das Bild schwarz: Der staatliche Rundfunk Griechenlands sendet nicht mehr, die Regierung in Athen muss sparen. Radio und Fernsehen mussten ihr eigenes Ende verkünden.

Am Ende war das Bild nur noch schwarz. Damit endet eine 75-jährige Geschichte des staatlichen Rundfunks ERT in Griechenland. 1938 wurde das erste Signal gesendet, am 11. Juni 2013 um kurz nach 23 Uhr das letzte. Die Regierung in Athen hat die Schließung angeordnet - um zu sparen. (SZ-Autor Alex Rühle war zufällig beim Sender in Griechenland zu Besuch, als das Aus verkündet wurde - hier sein Bericht.)

Griechische Medien wie Kathimerini hatten die Nachricht groß verbreitet - und auch der betroffene Fernsehsender selbst meldet sein eigenes Ende. Nun soll über einen möglichen Neustart des Rundfunks gesprochen werden, in verkleinerter Form.

Angestellte des staatlichen Fernsehens sagten der Nachrichtenagentur dpa, sie seien "schockiert" und wollten das Zentralgebäude in der Athener Vorstadt Agia Paraskevi besetzen. Insgesamt arbeiten fast 3000 Techniker, Angestellte und Journalisten beim Rundfunk ERT, so Kathimerini. Der streitbare griechische Ökonom Yanis Varoufakis nannte den Schritt "barbarisch".

Griechenland muss im Rahmen seines Konsolidierungsprogramms bis Ende des Jahres 2000 Staatsbedienstete entlassen. Bis Ende 2014 sollen 15.000 gehen. Die Regierung in Athen verhandelt mit der Troika, den internationalen Kreditgebern des Landes, ob die Entlassungen verzögert werden können.

Der Plan der Regierung sieht Medienberichten aus Griechenland zufolge vor, in den kommenden Monaten einen neuen Arbeitsplan für ein kleines, kompaktes staatliches Fernsehen und Radio mit rund 1000 Mitarbeitern auszuarbeiten. Tatsächlich sei der bisherige Sender überdimensioniert, schreibt der Wirtschaftsjournalist Nick Malkoutzis, habe aber auch ein gutes Programm ausgestrahlt. Hier werde mit einem Vorschlaghammer eine Nuss geknackt.

Geschlossen werden sollen drei staatliche landesweit ausgestrahlte Fernsehprogramme, sieben landesweit ausgestrahlte Radioprogramme sowie 19 regionale Radiosender. Damit geht eine 75-jährige Ära in der griechischen Medienlandschaft zu Ende. Das erste staatliche Rundfunkprogramm war im Jahr 1938 ausgestrahlt worden. Ein Sprecher der Regierung sagte laut der Zeitung Eleftherotypia: "ERT ist ein typischer Fall einer einzigartigen Intransparenz und unglaublicher Verschwendung. Und das endet heute."

Für diesen Mittwoch hat die Journalistengewerkschaft alle Medienmitarbeiter in Griechenland zu einem Streik aufgerufen.

Die mitregierende Partei der Sozialisten (Pasok) kritisierte die Schließung das staatliche Rundfunks. Radio und Fernsehen müssten zwar modernisiert werden, dies könne aber nicht überraschend und ohne Bewertung des Personals stattfinden, hieß es in einer Erklärung der Partei. Auch vom kleineren Koalitionspartner, der Demokratischen Linken (Dimar), kam Kritik: Es könne nicht sein, dass das Land ohne staatliches Radio und Fernsehen bleibe.