Sparkassen In zehn Sekunden

Kunden können von diesem Dienstag an nahezu in Echtzeit Geld überweisen. Der Extra-Service wird aber Extra-Gebühren kosten. Noch machen nicht alle Kreditinstitute mit. Aber andere Banken wollen bald nachziehen.

Von Nils Wischmeyer

Plötzlich geht es rasend schnell: Vom 10. Juli an können Sparkassen-Kunden ihr Geld innerhalb von Sekunden verschicken. Das Geld wird von diesem Tag an auf Verlangen der Kunden in weniger als zehn Sekunden auf dem gewünschten Konto eingehen, anstatt wie bisher innerhalb eines Tages.

Die meisten der 385 Sparkassen-Institute werden den Service bereits ab diesem Dienstag zur Verfügung stellen, andere folgen Anfang nächsten Jahres. Damit können fast 40 Millionen Konten der Sparkassenkunden in Echtzeit erreicht werden. Es ist die bisher größte Finanzgruppe, die Echtzeitüberweisungen - auch Instant Payments genannt - in Deutschland anbietet. Sonst bietet den Service bisher nur die Hypo-Vereinsbank (HVB) an.

Bisher ist es üblich, dass die Banken die Überweisungen sammeln und stapelweise abarbeiten. Das gilt sowohl für Überweisungen am Bankschalter als auch solche, die Online erfolgen. Im Zeitalter von Mails und Whatsapp-Nachrichten, die in wenigen Augenblicken durch die Datenleitungen fliegen, wirkt der Prozess zunehmend veraltet.

Das hat auch die Europäische Zentralbank erkannt und mit der Einführung von Instant Payments gegengesteuert. Seit November 2017 gibt es für den Ablauf einheitliche, europaweite Standards: Instant Payments sind demnach bis zu einem Betrag von 15 000 Euro rund um die Uhr an jedem Tag im Jahr möglich, und eine solche Überweisung darf nicht länger als zehn Sekunden dauern. Ist das Geld angekommen, werden Sender und Empfänger benachrichtigt.

Für die Zentralbanker sollen die blitzschnellen Überweisungen zwei Ziele erfüllen: Zum einen ist es ihre Antwort auf den rasanten Aufstieg der digitalen Konkurrenten wie etwa Paypal. Dort können Kunden bereits seit längerer Zeit Geld innerhalb von Sekunden empfangen. Echtzeitüberweisungen sollen Banken helfen, die Konkurrenz klein zu halten. Zum anderen könnten Verbraucher das neue Verfahren stärker nutzen als Bargeld. Das ungeliebte Zahlungsmittel der Europäischen Zentralbank, es könnte zurückgedrängt werden.

Bisher gibt es nur wenige Anwendungsfälle für Privatkunden

Bisher läuft der Prozess aber allenfalls bedächtig an. Gerade einmal 22 Banken in ganz Europa haben sich dazu durchgerungen, Echtzeitüberweisungen anzubieten. Das schränkt die mögliche Nutzung für die Kunden natürlich stark ein. Denn damit Geld in Echtzeit verschickt werden kann, müssen sowohl Absender als auch Empfänger das Verfahren anbieten. Ein Grund für den verhaltenen Start ist sicherlich, dass bisher alles auf freiwilliger Basis läuft. Es fehlt deshalb der Druck bei den Geldhäusern, die Vorgaben schnell umzusetzen.

Immerhin, in Deutschland ändert sich langsam die Situation. Mit dem Start der Sparkassen werden auf einen Schlag 40 Millionen Kunden angeschlossen. Die Deutsche Bank wird im November nachziehen, und die Volks- und Raiffeisenbanken wollen noch in diesem Jahr die nötige Technik implementieren und 2019 an den Start gehen. Allerdings wird die Extraleistung bei vielen Banken wohl kein netter kostenloser Bonus für die Kunden sein, sofern sie sich dafür entscheiden. Der Service wird Geld kosten. Die Kreissparkasse Köln nimmt maximal 25 Cent je Überweisung. Die Berliner Sparkasse berechnet 25 bis 55 Cent pro Überweisung von Privatkunden, und die Sparkasse Leipzig verlangt 49 Cent. Die HVB nimmt je nach Kontomodell einen Aufschlag von bis zu 50 Cents für die schnellen Geldtransfer.

Gerhard Bystricky, Leiter der Produktentwicklung im Zahlungsverkehr bei Unicredit in Deutschland, hat die Echtzeitüberweisungen mit der HVB im vergangenen Jahr eingeführt. Die neuen Überweisungen bergen laut Bystricky großes Potenzial - vor allem für Geschäftskunden, da sie dadurch schnell an Liquidität kommen und neue Geschäftsmodelle entwickeln können. "Es ist eben ein großer Unterschied, ob das Geld sofort da ist oder erst am nächsten Werktag oder noch später", sagt er. Für Privatkunden gibt es bisher nur wenige Anwendungsbeispiele. Die Gewissheit, dass die Überweisung tatsächlich und erfolgreich ausgeführt wurde, habe für viele Kunden allerdings einen hohen Wert, sagt Bystricky, zum Beispiel bei Zahlungen an Behörden. Ebenfalls denkbar wäre die Zahlung des neuen Autos per Überweisung statt mit Bargeld.

Ein Hindernis gebe es aber auch da: Wenn das Geld innerhalb von Sekunden überwiesen ist, müsste auch im Unternehmen ein Schalter umgelegt werden, der das gewünschte Produkt sofort freischaltet. Solche Technik müssten Firmen erst noch etablieren.