Soziales Netzwerk legt Quartalszahlen vor Facebook macht Millionen-Verlust

Das erste Quartal als börsennotiertes Unternehmen endet für das soziale Netzwerk Facebook mit einem Verlust von 157 Millionen Dollar - trotz Umsatzsteigerung und größerer Nutzerzahl. Die Aktie fällt auf ein Rekordtief. Doch der Werbemarkt macht ein bisschen Hoffnung.

Der mit Spannung erwartete Börsengang im Mai war für Anleger zum Desaster geraten, Facebook hatte die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen können. Nun hat das Unternehmen zum ersten Mal Quartalszahlen vorgelegt - und auch die können die Anleger nicht überzeugen.

Das einst gefeierte Online-Netzwerk betrübte seine Investoren mit einem schwachen Umsatzwachstum im abgelaufenen Quartal. Dass Firmenchef Mark Zuckerberg zudem keine Prognose für das laufende Quartal abgab, verunsicherte die Anleger zusätzlich.

Im zweiten Quartal des Jahres sei ein Verlust von 157 Millionen Dollar (128 Millionen Euro) oder acht Cent pro Aktie verbucht worden. Ausschlaggebend dafür seien die Entschädigungszahlungen nach dem Börsengang gewesen. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 240 Millionen Dollar verdient.

Nachdem die Aktien bereits am Donnerstag im nachbörslichen Handel nachgegeben hatte, folgte Am Freitag zum Börsenstart in New York der jähe Absturz: Um 13 Prozent ging es nach unten, bis auf 23,30 Dollar.

Für das schwache Ergebnis war neben dem teuren Börsengang auch die Tatsache enscheidend, dass Facebook stark in Produkte, Technik und Marketing investierte, um neue Nutzer zu gewinnen. Das allerdings mit Erfolg: Ende Juni hatte Facebook 955 Millionen Nutzer. Ende März waren es 901 Millionen und Ende Dezember 845 Millionen. Sorgen um einen Nutzerschwund bestätigten sich damit nicht. Auch die Werbeeinnahmen stiegen um 28 Prozent auf 992 Millionen Dollar.

Der Umsatz legte um 32 Prozent zu und erreichte im zweiten Quartal 1,18 Milliarden Dollar (961 Millionen Euro). Analysten, die der amerikanische Nachrichtendienst Thomson Reuters befragt hatte, waren von einem Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar ausgegangen. Die Kasse von Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk ist mit 10,2 Milliarden Dollar prall gefüllt - alleine 6,8 Milliarden Dollar davon stammen aus dem Börsengang.

Die Aktie fällt mit Internetspiele-Partner Zynga

Die seit der Neuemission im Mai stark unter Druck stehende Aktie schwankte nachbörslich stark und fiel zuletzt auf ein neues Allzeittief von 24,10 Dollar. Neuaktionäre hatten beim Börsengang im Mai 38 Dollar zahlen müssen.

Am Tag vor der Veröffentlichung der Zahlen sorgten widersprüchliche Meldungen für Spekulationen. Während der Aktien-Absturz des Online-Spiele-Unternehmens Zynga auch die Facebook-Aktie mit hinunterriss, gaben Meldungen, dass das Werbegeschäft besser laufe, Anlass zu hoffen.

Facebook verdient mit, wenn seine Nutzer zu Zynga wechseln, um dort "Farmville" oder "Cityville" zu spielen und sich dazu ein paar virtuelle Kühe, Traktoren oder Häuser kaufen. Für Facebook war es ein gutes Geschäft: Zynga steuerte zuletzt 15 Prozent zum gesamten Facebook-Umsatz bei. Doch nun machte Zynga 23 Millionen Dollar Verlust, die Zynga-Aktie fiel - Facebook hinterher. Um mehr als neun Prozent auf 27 Dollar waren die Titel am Mittwoch-Abend eingebrochen.

Zukunft auf dem mobilen Werbemarkt?

Am Tag vor der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen hatte das Wall Street Journal gemeldet, dass die Werbeeinahmen des sozialen Netzwerks steigen. Analysen verschiedener Marktforschungsunternehmen wie TBG Digital, Adparlor und Emarketer zeigten, dass Facebook-Nutzer häufiger auf Anzeigen klickten und ihre Favoriten auch auf ihrer Profilseite anzeigten.

Facebook könnte somit skeptische Anzeigenkunden zurückgewinnen. Im Mai hatte sich General Motors von dem Netzwerk zurückgezogen. Die Marketing-Abteilung des Automobilkonzerns war zu dem Schluss gekommen, dass Werbung auf Facebook teuer sei, aber nichts bringe. General Motors wollte sich darauf beschränken, sein firmeneigenes Facebook-Profil auszubauen und zu pflegen.

Die Marktforschungsstudien zeigen, dass auch einige andere Unternehmen in diesem Jahr weniger Geld für Werbung bei Facebook ausgaben, als im Jahr zuvor. Besonders kritisiert wurde, dass Smartphone-Nutzer keine Werbung von Facebook angezeigt bekommen.

Das Unternehmen scheint einen Ausweg gefunden zu haben. Laut dem Marktforschungsinstitut Adparlor werden die maßgeschneiderten Anzeigen nun 15 mal häufiger auf dem Handy geklickt als auf dem Computer-Bildschirm.