Von Robert Lücke

Gnadenloser Konkurrenzkampf: Zehn Prozent der Sonnenstudios hat im vergangenen halben Jahr geschlossen. Doch an ihrem Niedergang sind die Betreiber auch selbst schuld.

Miriam Schindlers kleines Sonnenstudio in Wuppertal - acht Bänke und zwei Gesichtsbräuner - ist in letzter Zeit oft verwaist. Die Gala-Zeitschriften auf dem Tischchen am Eingang bleiben ungelesen, und sogar der Ficus-Busch in der Ecke sieht traurig aus. "Es kommt kaum noch einer", sagt Schindler. "Ich werde wohl zum Ende des Jahres schließen müssen." Damit ist sie nicht allein. Die Konjunkturkrise hat die etwa 4000 Sonnenstudios in Deutschland voll erwischt. Die Menschen sparen auch bei der künstlichen Bräune, denn zehn oder mehr Euro für eine Viertelstunde Sonnenbank sind in diesen Zeiten viel Geld. Dazu kommt das gestiegene Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung, die "gebräunt" inzwischen nicht mehr mit "gesund" übersetzt.

Sonnenstudio, ddp

Sonnenstudios in der Krise: Alleine in den vergangenen sechs Monaten haben zehn Prozent der Solarien dichtgemacht. (© Foto: ddp)

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Allein in den vergangenen sechs Monaten haben zehn Prozent der Studios dichtgemacht, viele werden in Kürze noch schließen. Dabei hat sich ihre Zahl seit dem Jahr 2003, als es noch 8000 Studios gab, schon fast halbiert. Der Umsatz brach in dieser Zeit von 1,3 Milliarden Euro auf unter eine Milliarde Euro ein, die Zahl der Arbeitsplätze sank von 40.000 auf 30.000.

Für Jugendliche verboten

Miriam Schindler musste schon zwei Aushilfen entlassen. "Der Umsatz hat sich seit letztem Jahr praktisch halbiert", sagt sie. "Die Miete, fast 1700 Euro im Monat, krieg ich kaum noch rein." Und es dürfte noch schwieriger werden. Im März hat das Bundeskabinett beschlossen, dass Minderjährigen der Besuch von Solarien verweigert werden muss. Betreibern droht ansonsten ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Noch ist offen, wann das Gesetz in Kraft treten wird. Doch Miriam Schindler macht sich keine Hoffnungen mehr. "Wovon soll ich leben, wenn mir jetzt auch noch die jungen Kundinnen verloren gehen?"

Etwa fünf Prozent der Kunden in Solarien, schätzt der Branchenverband Photomed, sind unter 18. Das klingt nicht nach viel. Aber die Bedeutung der jungen Kunden ist nicht zu unterschätzen, denn von den 14 Millionen Menschen, die ab und zu oder regelmäßig ins Sonnenstudio gehen, haben mehr als drei Millionen als Jugendliche damit angefangen. Jessica zum Beispiel, die gerade mit einer Freundin Schindlers Studio verlässt, ist 16. Sie geht "auf die Sonne", wie sie sagt, seit sie 14 ist. "Sieht doch geil aus, so schön braun." Und gefragt, wie oft sie es tue, gibt sie zu: "Dreimal die Woche, oder auch öfter."

Im zweiten Teil: Warum die Branche selbst schuld an ihrem Niedergang ist.

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  2. Selbst schuld am Niedergang
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