Deutschland ist einer der wichtigsten Standorte für die Herstellung von Solarzellen - vor allem in den neuen Ländern boomt die Branche.
Silbrig glitzernde Rohre hängen unter der Decke. Die Fabrikhalle ist mit einer Vielzahl von weißen und grauen Glaskästen möbliert, die sich in langen Korridoren wie endlose Batterien von Telefonzellen aneinander reihen. Darin werden die grauen, keksförmigen Platten auf breiten Metallflächen voran transportiert - wie die Weihnachtsplätzchen auf einem Backblech, das gerade in den Ofen geschoben wird.
Mitarbeiterin von Q-Cells mit Solarmodul: Ruß, Staub und Gestank sind aus der Region um Bitterfeld verschwunden. (© Foto: ddp)
Anzeige
Auch die Platten, die etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Siliziumscheiben, die sie hier Zellen nennen, werden jetzt in einem Metallkasten mit Glasbullauge erhitzt. Überdies durchwandern sie Nassbäder und Trockenkammern, sie werden von langen, elektronisch gesteuerten Spinnenarmen gedreht und gewendet - vor allem aber werden sie immer wieder photographiert.
"Qualitätskontrolle ist bei uns oberstes Gebot", sagt Stefan Dietrich. Deshalb werde jede Zelle nach jeder Station abgelichtet. Ganz am Ende der Produktionslinie werden die Scheiben schließlich von einem wahren Blitzlichtgewitter bombardiert. So lässt sich kontrollieren, wie viel Strom jede Zelle produziert. Entsprechend werden die Plättchen dann in verschiedene Kästen sortiert, je nach Stromerzeugungsgrad. "Denn der Kunde zahlt nicht die Zelle", sagt Dietrich, "er zahlt für die Wattzahl, die sie erzeugt". Mit den Zellen, die der Solarhersteller Q-Cells im vergangenen Jahr produziert hat, lassen sich etwa 370 Megawatt Strom erzeugen - genug, um 80.000 Haushalte zu versorgen.
Maßloser Raubbau
Der Betrieb liegt am Rande des Ortes Thalheim, im Westen von Bitterfeld, jenem alten Industriestandort, der einst als "dreckigste Stadt Europas" traurige Berühmtheit erlangte. Wären die alten Schlote der Salpeterproduktion und der Chlor- und Aluminiumanlagen im einstigen Chemiekombinat Bitterfeld noch in Betrieb - die Luft hier wäre dick von jener Mixtur aus Ruß, Staub und Gestank, mit der jahrzehntelang die Region verpestet wurde. Doch die Luft bei Thalheim ist schon lange rein, und statt verrosteter Gasleitungsrohre sieht man jetzt blauglänzende Solarmodule an den hochmodernen Fabrikfassaden kleben.
Einst war das Chemiekombinat ein Symbol für den maßlosen Raubbau an der Natur und die Unfähigkeit des sozialistischen DDR-Systems, sich zu modernisieren und neuen Anforderungen anzupassen. Doch jetzt mag man in dem Solarunternehmen einen Hoffnungsschimmer dafür erkennen, wie es trotz Krise im Kapitalismus weitergehen kann. Die Umsatzsteigerungen, die Q-Cells in den letzten Jahren verzeichnete, muten jedenfalls astronomisch an: Zwischen 2001, dem ersten Produktionsjahr, und 2005 steigerte sich der Umsatz des Unternehmens um sage und schreibe 33.000 Prozent. Auch in den letzten drei Jahren wuchs der Betrieb jeweils mit Riesenschritten weiter, auf einen Jahresumsatz von 860 Millionen Euro im vorigen Jahr.
Erste Gewinnwarnung
Vor einigen Wochen gab Q-Cells nun erstmals eine Gewinnwarnung heraus, statt mit der ursprünglich angestrebten Umsatzsteigerung von 70 Prozent im nächsten Jahr soll sich das Wachstum nun etwas langsamer vollziehen. Aber, meint Dietrich, der Pressesprecher von Q-Cells ist: "Wir jammern auf ziemlich hohem Niveau." Ähnlich wie Q-Cells geht es auch manch anderem Solarhersteller.
Zwar haben hier und da schon Solarkunden ihre Aufträge reduziert, weil sie keine Kreditzusagen von den Banken bekamen. Im Großen und Ganzen aber hat die Branche kaum Grund zum Klagen. "Wir sind voll auf der Spur", berichtet etwa Mario Schubert vom Solarproduktionsanlagen-Hersteller Roth & Rau, der seinen Sitz in Hohenstein-Ernstthal bei Chemnitz hat. Das Unternehmen konzipiert und installiert die Produktionslinien für die Herstellung von Solarzellen. Auch bei Roth & Rau hat sich der Umsatz vervielfacht - von 46 Millionen Euro 2006 auf 250 Millionen Euro in 2008. "Wir machen die Schaufeln für die Goldgräber", sagt der Vorstandsassistent Schubert selbstbewusst.
Lesen Sie im zweiten Teil: Die Anfänge von Q-Cells - und wann preisgünstige Solarzellen Realität werden können.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Kapitalismus RSS
- SZ-Serie: Kapitalismus in der Krise Es reicht einfach nicht 16.12.2008
- Solarthermie in Deutschland Heizen mit der Sonne 03.04.2008
- Proteste gegen Sparprogramm Remmidemmi in Athen 30.04.2010
- Rüge vom Bundespräsidenten Köhler geißelt Finanzkapitalismus 29.04.2010
- Edmund Phelps "Ohne den Staat würde der Kapitalismus kollabieren" 25.12.2009
- KfW und Lehman Millionen für die "dümmste Bank" 13.12.2009
- KfW und Lehman Millionen für die "dümmste Bank Deutschlands" 13.12.2009
Linke-Parteitag in Göttingen
Daß Photovoltaik heute schon billiger sein kann als der Haushaltstarif der Energiekonzerne, sieht man unter strategiepartei.de/solarenergie.html
Photovoltaik ist - wenn man die Folgekosten berücksichtigt - weit billiger als Strom aus fossilen Brennstoffen. Und neben den vermiedenen Umweltschäden muß man auch den unbezahlbaren Vorteil einbeziehen, daß man sich damit (in Kombination mit Geothermie, Wasserkraft und Windenergie) von Energieimporten völlig unabhängig machen kann.
Mehr als 1.000 mal teurer als alle anderen Stromerzeugungsarten ist der Atomstrom - sofern man eine seriöse Rechnung aufstellt und die Folgekosten des Atommülls berücksichtigt. Der offizielle Atomstrom-Preis ist nichts anderes als ein "nach-uns-die-Sintflut"-Preis.
ich korrigier ungern aber es muss sein. Ein Großteil der Module geht mittlerweile nach Spanien. Das Gesetz wurde dort geändert. Wenn man in deutschland die Einspeisevergütung für Neuanlagen reduzieren würde, die Module würden auch billiger werden und massentauglicher.
Q-Cells selbst stellt keine Module her.
Btw, was, wenn Öl und Gas alle sind? Erst dann anfangen nach Alternativen zu suchen?
Die Sonne im Osten blüht nur wegen der Investitionszulage und der Einspeisevergütung. Solarstrom ist der teuerste, den es gibt. Die fetten Autos der Solaranlagenverkäufer zeigen: es werden nicht nur Produktionsanlagen unterstützt, sondern eine Meute von Klinkenputzern und Drückern.
Wir können nur hoffen, daß zukünftig in D Solaranlagen für den Export in den Mittelmeerraum produziert werden. Leider ist genau in diesen Sonnenländern nur wenig davon zu sehen, da keine Subvention gezahlt wird...