Anhaltende Debatte über die Kosten des Solarstroms. Wirtschaftsminister Philipp Rösler bringt eine Kappung der Solarförderung ins Gespräch - und stürzt die Branche in neue Zukunftsangst.
Der Tag sollte eigentlich einen Meilenstein markieren. Eine Million Solaranlagen, so gab der Branchenverband BSW am Donnerstagmorgen bekannt, seien in Deutschland mittlerweile installiert. "Damit hatte im Herbst 1990 niemand gerechnet", jubilierte Klaus Töpfer, damals Umweltminister. Doch alles sollte anders kommen an diesem Tag. Denn parallel ließ Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verbreiten, die Förderung neuer Solaranlagen solle künftig fest gedeckelt werden. "Die Reduzierung des Ausbaus auf 1000 Megawatt pro Jahr wird maßgeblich dazu beitragen, die Kosten zu begrenzen", sagte Rösler der Rheinischen Post, mithin bei einem Fünftel des derzeitigen Zubaus.
Bild vergrößern
Die bisherigen Förderkürzungen haben die Begeisterung der Deutschen für Photovoltaik nicht bremsen können. (© dpa)
Anzeige
Hintergrund ist die anhaltende Debatte über die Kosten des Solarstroms. Wie Strom aus Wind, Wasser oder Biogas wird er gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) über eine Umlage von allen Stromkunden mitfinanziert. So erhalten die Betreiber von Solarmodulen für jede eingespeiste Kilowattstunde eine feste Vergütung. Dafür zahlten deutsche Stromkunden 2010 knapp die Hälfte der gesamten EEG-Umlage. Dabei trug Photovoltaik 2010 nur 14 Prozent zur geförderten Ökostrom-Erzeugung bei, Windkraft hingegen fast die Hälfte.
"Atmende Deckel"
Daher ist im EEG inzwischen der "atmende Deckel" eingebaut: Über eine Grundkürzung der Umlage von neun Prozent jährlich hinaus soll in Drei-Prozent-Schritten zusätzlich gekürzt werden, wenn im Vorjahr mehr als 3500 Megawatt installiert werden. Im kommenden Jahr werden es 15 Prozent sein. Die Vergütung, die die Betreiber neu in Betrieb genommener Anlagen erhalten, sinkt damit von 28,74 auf 24,43 Cent pro Kilowattstunde; weniger als die Hälfte des ursprünglichen Satzes. Doch einerseits erhalten die Besitzer die Garantievergütung 20 Jahre lang; zum anderen haben die bisherigen Kürzungen die Begeisterung der Deutschen für Photovoltaik nicht bremsen können. Die Branche rechnet derzeit mit einem Zubau von knapp 5000 Megawatt in diesem und an die 4000 Megawatt im nächsten Jahr.
Aber eine fixe Obergrenze? Das Bundesumweltministerium ist dagegen; der atmende Deckel greife, während der feste Deckel zum Abbruch der Förderung führen würde. "Es ist klar, dass wir noch schneller in den Bereich der Wirtschaftlichkeit kommen müssen", sagt auch Stephan Hansen, Deutschland-Chef der amerikanischen First Solar, die in Frankfurt an der Oder Dünnschichtmodule fertigt. "Aber ein Deckel ist kein Marktinstrument, es ist das Gegenteil von einem freien Markt." Dass dies ausgerechnet von der marktnahen FDP komme, sei "fast schon abstrus".
Die Angst vor dem Deckel ist nicht unbegründet. Weil kein Investor vorher weiß, ob seine Anlage noch gefördert wird oder schon jenseits der ersten 1000 Megawatt liegt, könnte alleine die Existenz einer solchen Begrenzung den Markt zum Erliegen bringen. Dagegen argumentiert das Wirtschaftsministerium in einem internen Papier, es sei "folgerichtig, dass wir zuerst bei den größten Kostentreibern ansetzen". Ähnlich hatte sich offenbar auch die Koalitionsarbeitsgruppe Energie ausgesprochen.
Doch die Förderung der Solarenergie ist auch innerhalb der Fraktionen umstritten. "Wir werden darauf achten, dass mit der Umlage möglichst viel erneuerbarer Strom erzeugt wird und zugleich alle Technologien eine Entwicklungschance haben", erklärte FDP-Fraktionsvize Michael Kauch. Allerdings hatte sich die Koalition auch verpflichtet, die Höhe der Umlage bei 3,5 Cent je Kilowattstunde zu halten. Im nächsten Jahr wird das auch gelingen, die Umlage steigt dann auf etwas über 3,5 Cent. Laut aktuellen Prognosen der Netzbetreiber könnte die Förderung jedoch 2013 im besten Fall bei 3,66 Cent liegen - im schlechtesten stiege sie auf 4,74 Cent. Das Bundesumweltministerium sieht das etwas anders. Die Umlage bleibe stabil, heißt es dort. Auch mit weiterer Solarförderung.
- Thema
- Solarstromförderung RSS
- Solarförderung sinkt 2012 um 15 Prozent Weniger Geld für Sonnenenergie 28.10.2011
- Förderung für Solarstrom Warum die Kürzung gestrichen wird 16.06.2011
- Wirtschaft kompakt Hamburger Hafen berappelt sich 07.02.2011
- Erneuerbare Energien Weniger Geld, mehr Öko 19.01.2011
- Erneuerbare Energien Solarförderung - drastisch gesenkt 18.01.2011
- Finanztest: Solaranlagen Ein strahlendes Geschäft 30.07.2010
(SZ vom 18.11.2011/hgn)
Drogeriekette wird abgewickelt
"Eine Elektrolyseanlage kostet so um die €1000/kW. Wenn die nur 10% der möglichen Volllaststunden läuft, dann werden die Kosten für H2 astronomisch. "
Danke für die sachliche Antwort! Nun Ihr Einwand stimmt, aber so wird es eben auch nicht laufen. Ich hatte glaube ich schonmal erwähnt, das es wohl so laufen wird, das en Großteil der Windräder gar nicht mahr am Netz hängt sondern eben gleich den Methaniseur beliefert, damit der eine anständige Auslastung hat. Von daher wird wohl auch der Norden unserer schönen Republik zum "Methaniseurland", weil dort eben mit dem Offshoreanteil von 4000 Volllaststunden im Jahr sich die Sache eher lohnt als im Süden. Die CO2 Entnahme wird sich über die Jahre sowieso ständig ändern und wenn es am Anfang am Billigsten ist das CO2 aus thermischen KW abzuscheiden, kein Problem, nur wird das nicht ewig laufen weil wir ja langfristig die ganzen Kohlemeiler vom Netz nehmen wollen. Am Ende muß dann irgend ein Kreislaufprozess stehen.
Nichtsdestotrotz wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und auch weiterhin anregenden Gedankenaustausch. Tatsächlich schätze ich ja kritische Anmerkungen außerordentlich, da sie mir oft recht konkret zeigen, wo es haken wird. In diesem Sinne...
Meiner Meinung nach ist die synthetische Methan und Ethanolerzeugung unumgänglich um die endlichen fossilen Energieträger zu ersetzen. Da sind wir uns einig.
Es hakt nur daran wie man den dafür notwendigen Wasserstoff erzeugt. Überschüssiger Windstrom mit herkömmlicher Elektrolyse ist wohl die teuerste Möglichkeit. Eine Elektrolyseanlage kostet so um die €1000/kW. Wenn die nur 10% der möglichen Volllaststunden läuft, dann werden die Kosten für H2 astronomisch.
Weiters hakt es daran von wo man das CO2 hernehmen soll. Die billigste Methode ist eben von Grundlastkraftwerken die mit (Braun)Kohle gefeuert werden. Natürlich auch Zementfabriken, Bio-Ethylenanlage etc. Da Gaskraftwerke nur etwas weniger als halb so viel CO2 ausstossen als Kohlekraftwerke ist deren CO2 um einiges teurer als das von Kohle.
Ihr Vorschlag das CO2 aus der Luft herauszutrennen ist zwar technisch möglich aber mit Abstand die teuerste Art und Weise CO2 für synthetische Brennstoffe bereit zu stellen. Diese Methode sollten wir uns für die Zeit aufbehalten wenn wir die letzte Schaufel Kohle in den Ofen gelegt haben.
Hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber ich hab hier noch ein bischen "Unsinn" für Sie :o))
"Stromspeicher werden im künftigen Energiesystem eine Schlüsselrolle spielen, um die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Eine vielversprechende Systemlösung, um grosse Mengen erneuerbaren Stroms langfristig zu speichern, ist die Nutzung des Erdgasnetzes. Die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit dieser Option wird zurzeit analysiert. Um den effizienten Einsatz dieser Speicherlösung weiterzuentwickeln, hat die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) die Strategieplattform Power to Gas gestartet. "
Quelle: www.ee-news.ch
Rösler ( wie alles Gelben Streber ) auf Dschingis Khans Spuren ?
Einer der vermutlich dümmsten Wege sich hier
Scheinargumente vs. Photovoltaik anzuhängen ist auch hier das Nachplappern von undurchdachten ( gibt es durchdachte ? ) Stammtischparolen !
Tatsächlich hat es die aktuelle Regierung "geschafft" (??) den Leuten die eigene Energiequelle zu vermiesen !
Dafü aber z.B. das Geld (Umlage !!) für z.B. 15 cent je kwh !! für Baltic 1 und 2 ( blöd nur das die Verlängerungsschnur z-B. nach BW fehlt ) zu vergüten, besser zu verballern ! ( viel zu viel ! )
Kurzum : wer Photovoltaik, vor allem die Optionen auf die " Zeit danach" ( z.B. hochwertige deutsche Module können bis 35 /50 Jahre Strom liefern ( wir wissen Herr Rösler, ein Horror-Szenario für Ihre Lieblinge in den Konzernen ) ) nicht versteht, der sollte davon auch die Finger lassen.
Herr Rösler sollte sich eher UR-Themen wie z.B. Steuersenkung*
widmen !
( * die Brüller !! Solche Oberwitzbolde ! )
Offen gesagt, produzieren wir jetzt schon mehr Strom auf dem Dach, als wir während des Tages verbrauchen können. Förderung ja, aber nicht so einseitig. Das ist nicht zielführend.
Paging