Sklavenarbeit auf thailändischen Fischkuttern Wirbel um Sklavenschiffe erfasst Aldi Nord

Unter menschenunwürdigen Bedingungen fangen Sklaven auf thailändischen Fischkuttern das zu Fischmehl weiterverarbeitete Futter für die Garnelen von CP Foods.

(Foto: AFP)

Der thailändische Konzern Charoen Pokphand Foods wurde unlängst mit Sklavenarbeit auf Fischkuttern in Verbindung gebracht. Jetzt bestätigt Aldi Nord, dass ein Lieferant Rohwaren des Konzerns verwende.

Von Valérie Müller

Der Vorwurf wiegt schwer: In Thailand sollen Männer unentgeltlich, jahrelang und unter entsetzlichen Bedingungen zur Arbeit auf Fischkuttern gezwungen werden. Die britische Zeitung Guardian berichtete, dass diese Fischkutter in die Produktion von Garnelen eingebunden seien. In den Recherchen konnte die Lieferkette angefangen bei den Sklaven-Booten bis zum weltweit größten Garnelen-Produzenten Charoen Pokphand Foods (CP Foods) zurückverfolgt werden.

CP Foods beliefert Lebensmittelhändler wie Tesco oder Walmart in Großbritannien mit Garnelen, die mit Fischmehl gefüttert werden, das von Fischen der Kutter stammt.

Jetzt bestätigte auch Aldi Nord in Deutschland, dass es Garnelen von dem Unternehmen beziehe. Aldi Süd hingegen sagte, es gebe keine Zusammenarbeit mit dem thailändischen Konzern.

Tiefkühlgarnelen in Weißwein- und Knoblauchsauce

In seiner Stellungnahme räumt Aldi Nord ein, dass in Produkten des Zulieferers "Apetito Convenience" Rohwaren von CP Foods verarbeitet würden. Es handele sich dabei um die Fertiggerichte "Garnelen in Weißweinsauce" und "Garnelen in Kräuter-Knoblauchöl". "Sollten sich die erhobenen Vorwürfe bestätigen, werden wir umgehend Sanktionen einleiten", so Aldi Nord in der Stellungnahme. Das Produkt würde dann aus dem Sortiment gestrichen, der Rohwarenlieferant gewechselt und auch das Geschäftsverhältnis mit "Apetito Convenience" beendet werden.

"Mit Bestürzung" habe man durch den im Guardian publizierten Artikel von den Produktionsbedingungen in der Lieferkette von Charoen Pokphand Foods erfahren.

Aldi Nord betonte, dass "die Produktion von Waren für unsere europäische Unternehmensgruppe unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen" erfolgen solle. Aldi Nord halte sich entsprechend an den Verhaltenskodex der Business Social Compliance Initiative (BSCI), der die Einhaltung sozialer Standards in den Produktionsländern sicherstellen soll.

Entsetzliche Bedingungen auf den Fischkuttern

Im Guardian äußerte sich der geschäftsführende Direktor von CP Foods in Großbritannien: "Wir verteidigen nicht, was passiert ist. Wir wissen von den Problemen in Bezug auf die Rohmaterialien, die wir geliefert bekommen. Aber wir haben keinen Einblick in die Ausmaße, die sie angenommen haben."

Die Männer auf den so genannten thailändischen "Geisterschiffen" würden wie Tiere gekauft, gegen ihren Willen auf den Booten festgehalten, zur Arbeit gezwungen und wieder verkauft. Oft sähen sie über mehrere Jahre kein Land. Im Guardian erzählen die wenigen Männer, die es geschafft haben, von den Booten zu fliehen, von entsetzlichen Bedingungen an Bord: von 20-Stunden-Schichten, regelmäßigen Schlägen, Folter und hinrichtungsartigen Tötungen. Sie hätten mitansehen müssen, wie andere Sklaven getötet wurden oder sich das Leben genommen hätten, um diesen Bedingungen zu entgehen.

Die versklavten Männer auf den Fischerbooten seien häufig Gastarbeiter aus Myanmar und Kambodscha. Laut des Berichts sind sie nach Thailand gekommen, um Arbeit in Fabriken oder auf Baustellen zu finden. Dafür haben sie Vermittler bezahlt, die ihnen dabei helfen sollten. Stattdessen seien sie aber an die Schiffskapitäne der "Geisterschiffe" verkauft worden - manchmal für nur 300 Euro. Auf diesen Schiffen arbeiten die Gastarbeiter, bis sie entweder weiter- oder von irgendjemandem freigekauft werden.