Skandal in der Schweizerischen Nationalbank "Ich ließ meine Frau gewähren"

Skandal um den Schweizer Nationalbanker Philipp Hildebrand: Seine Frau hat durch ein Dollar-Franken-Geschäft viel Gewinn gemacht - ihr Mann hat in der gleichen Zeit den Franken-Kurs verändert. Profitierte sie von Insiderwissen?

Von Bastian Brinkmann

Kashya Hildebrand kauft Mitte August etwa 500.000 Dollar ein, sie möchte nicht nur in Schweizer Franken investieren. Drei Wochen später verpasst die Schweizer Nationalbank dem Franken de facto einen Deckel. Kashya Hildebrand verkauft später wiederum rund 500.000 Dollar - der Kurs hat sich sehr positiv für sie entwickelt. Wer die Transaktionen im August und Oktober vergleicht, der sieht: Sie hatte so plötzlich 75.000 Franken mehr auf dem Konto.

Es klingt wie eine normale Investmentgeschichte, doch es gibt ein Problem: Kashya Hildebrands Mann heißt Philipp Hildebrand und ist der Präsident der Schweizer Nationalbank - also eben der Währungshüter, die den Franken-Kurs mit einer historischen Deckelung massiv beeinflusst hatte. Die Schweizer Wochenzeitung Weltwoche titelt deswegen groß: "Philipp Hildebrand betreibt Insidergeschäfte". Ein harter Vorwurf.

Die Wirtschaftsprüfer von PwC haben im Auftrag der Nationalbank die privaten Konten der Hildebrands untersucht und sprechen zwar von einer vorteilhaften Entwicklung für das Paar. Doch ihr Urteil lautet: Es liege kein Insiderhandel vor. Philipp Hildebrand habe erst von der Transaktion erfahren, nachdem seine schweiz-amerikanische Frau sie bereits getätigt hatte. Das habe er dann auch direkt der Zentralbank gemeldet und den Währungskauf offengelegt.

Weil sie durch einen Hausverkauf mehr als drei Millionen Franken flüssig hatten, wollten sie einen Teil des Geldes in Dollar anlegen. Schon im März haben sie daher für eine Millionen Franken Dollar gekauft, im August dann eben noch einmal. Das sei mit den Regeln der Nationalbank für solche Transaktionen konform. Sie sehen unter anderem eine Mindesthaltedauer von sechs Monaten vor. Die verkauften Dollar stammten aus dem März-Kontingent und seien somit lange genug im Portfolio gewesen.

Der Druck auf Hildebrand in der Schweiz ist enorm. Am Donnerstagnachmittag stellte er sich der Öffentlichkeit (hier seine gedruckte Rede). Im Blitzlichtgewitter gestand er sichtlich angespannt einen Fehler ein: "Ich ließ meine Frau gewähren." Sie sei jedoch nicht in die geldpolitischen Pläne der Nationalbank eingeweiht gewesen. "Ich bin mir keiner rechtlichen Verfehlung bewusst", sagte er. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat entschieden, auf ein Verfahren zu verzichten: Der Insider-Tatbestand komme nicht zur Anwendung.

Ein Journalist stellte die Frage, warum Hildebrand den Dollar-Kauf nicht sofort annuliert habe, als er davon erfuhr. Hildebrand verwies auf die Regeln der Zentralbank, die ihm sechs Monate Mindesthaltedauer vorschrieben. Es wäre jedoch vielleicht richtiger gewesen, das Geschäft rückabzuwickeln, gestand er ein. Die 75.000 Franken Gewinn aus der Transaktion habe er aber nach eigenen Angaben bereits vor Weihnachten an die Berghilfe gespendet, eine Schweizer NGO.

Hinter den Vorwürfen vermutet Hildebrand eine politische Kampagne. Er spricht von Angriffen auf seine Person. Tatsächlich gab es offenbar eine Indiskretion: Ein Mitarbeiter von Hildebrands Bank hat demnach seine Kontobewegungen geleakt - offenbar an politische Kreise um den Rechtspopulisten Christoph Blocher, der die Informationen dann an die Zeitung Weltwoche weitergegeben haben könnte.

Der Whistleblower hat sich Anfang der Woche bei der Polizei gemeldet. Die Staatsanwaltschaft untersucht nun, ob er das Bankgeheimnis verletzt habe. Die Bank hat ihn bereits entlassen.