Siemens-Vorstandsmitglied Brigitte Ederer Noch ein prominenter Abgang

Immer neue Querelen bei Siemens: Brigitte Ederer, im Vorstand für Personal zuständig, verlässt das Unternehmen - im Streit mit dem Gesamtbetriebsrat. Dabei braucht der neue Konzernchef Joe Kaeser eigentlich dringend Ruhe.

Von Caspar Busse und Andrea Rexer, Frankfurt

Brigitte Ederer, 57, im Siemens-Vorstand für den Schlüsselbereich Personal und das Europageschäft zuständig, wird nach Informationen der Süddeutschen Zeitung das Unternehmen zum Monatsende verlassen. Die Personalie soll Thema auf der Sitzung des Aufsichtsrats an diesem Mittwoch sein. Die Position des Arbeitsdirektors soll Ederers Vorstandskollege Klaus Helmrich, 55, übernehmen. Siemens wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Hintergrund des Abgangs von Ederer ist offenbar ein handfester Streit mit der IG Metall. Ederer habe es gewagt, sich gegen die bei Siemens traditionell sehr mächtige Gewerkschaft zu stellen, heißt es. "Die Gewerkschaften haben dem Aufsichtsratschef klar gemacht, dass sie nur dann Joe Kaeser als neuem Vorstandschef zustimmen werden, wenn Ederer als Arbeitsdirektorin abgelöst wird", sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Der entscheidende Fehler dürfte Ederer unterlaufen sein, als sie sich weigerte, den Arbeitsvertrag von Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler zu verlängern. Der Gewerkschafter, der seit 2003 auch Aufsichtsratsmitglied ist, würde im Frühjahr kommenden Jahres automatisch aus dem Unternehmen ausscheiden, weil er die Regelaltersgrenze erreicht. Adler wollte jedoch weitermachen und strebte zudem eine Beförderung an.

Ein von Siemens in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten, das der SZ vorliegt, kam jedoch zum Ergebnis, dass Adler nicht verlängert werden dürfe. Die Anwälte warnen, dass die Verlängerung und die Beförderung eine "unzulässige Begünstigung" eines Betriebsrates darstellen würde. Ein Sprecher Adlers gab keinen Kommentar.