Siemens und Krauss-Maffei Trennung - zehn Jahre zu spät

Siemens steigt nach zähen Verhandlungen beim Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann aus. Die Verbindung war den Managern ein Dorn im Auge - sie passte nicht zum Image.

Von Thomas Fromm

So richtig passte das nie zusammen. Im Frühjahr 2001 übernahm Siemens die Holding Mannesmann-Atecs - und bekam dadurch eher zufällig auch 49 Prozent am Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Schon damals winkte der langjährige Siemens-Chef Heinrich von Pierer ab: Das Engagement bei dem Rüstungskonzern werde rasch wieder verkauft. Aber schnell ging es nicht. Es dauerte rund fast zehn Jahre: Am Freitag teilten die beiden Konzerne mit, dass Siemens seinen Anteil an die Wegmann-Gruppe, der die übrigen 51 Prozent von KMW gehören, verkauft. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt, Experten schätzen den Wert des Anteils auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Es sind zwei unterschiedliche Konzerne, beide mit Sitz in München. Siemens auf der einen Seite, mit seinen Energie-, Industrie- und Medizintechnikaktivitäten. Ein Konzern, der vor allem auf Nachhaltigkeit setzt, auf Megatrends und die Verstädterung der Gesellschaft, und der sich in den vergangenen Jahren ein grünes Image gegeben hat - und gerne viel darüber spricht. Auf der anderen Seite KMW, der drittgrößte Panzerbauer der Welt. Das Traditionsunternehmen baut unter anderem zusammen mit Rheinmetall den Kampfpanzer Leopard, den Schützenpanzer Puma, die Panzerhaubitze 2000 und das Spähfahrzeug Fennek.

Kontrolliert wird der Panzer-Bauer Krauss-Maffei Wegmann von der Kasseler Unternehmerfamilie Bode. Die wiederum gilt als verschwiegen und eher zurückhaltend - nicht untypisch für Industrielle, die im Rüstungsgeschäft tätig ist. Über die Erfolge im weltweiten Exportgeschäft mit Panzern redet man weniger gerne als darüber, wie man mit Ultraschallgeräten Krankenhäuser ausrüstet und Wasseraufbereitungsanlagen baut. Sollten die Kartellbehörden zustimmen, soll der Verkauf im ersten Kalenderquartal 2011 abgeschlossen sein. Für Siemens ist dies ein weiterer Schritt in Richtung Kerngeschäft: Erst Mitte der Woche hatte der Technologiekonzern den Verkauf seiner IT-Tochter SIS an den französischen Dienstleister Atos Origin bekannt gegeben. Mit dem Verkauf seines Anteils an KMW konzentriere sich Siemens weiter auf seine Hauptgeschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit, sagte Finanzchef Joe Kaeser am Freitag. Vor allem: Die Augen dürften sich nun auf die letzten Beteiligungen von Siemens richten, die nicht unbedingt mehr zur Strategie des Konzerns passen - die Beteiligung an dem Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks und die Licht-Tochter Osram.

Sensibles Geschäft

Die Wegmann-Gruppe dagegen will KMW mit seinen 3400 Mitarbeitern in Deutschland, den Niederlanden, Griechenland und den USA nun alleine weiter entwickeln. Dass es so lange dauerte, bis sich Siemens von seinem Anteil trennte, ist überraschend. Die Wehrtechnik gilt als äußerst sensibles Geschäft. Siemens habe nach einer "dauerhaft tragfähigen Lösung gesucht". Man habe seine Beteiligung "nicht an jeden x-Beliebigen" veräußern können - auch ein Finanzinvestor sei deshalb nicht in Betracht gekommen. Immer wieder hatte es Spekulationen über Kaufinteressenten, auch aus dem Ausland, gegeben. Am Ende ging es an den Mehrheitseigentümer.

Tatsächlich war KMW für Siemens immer nur eine Kapitalbeteiligung gewesen, am Tagesgeschäft hatte sich der Konzern nie beteiligt. "Die Gerüchteküche hat nun ein Ende gefunden", sagte KMW-Chef Frank Haun. Der Schritt sei "von großer Bedeutung". Man bedankte sich für die "hervorragende Zusammenarbeit der vergangenen Jahre". Und: "Dies umso mehr, als uns immer bewusst war, dass wir nicht recht in das strategische Portfolio der Siemens AG passten."