Von Markus Balser

Fußballtickets für Politiker - das kann für Unternehmen schnell in die Hose gehen. Siemens schreibt seinen Mitarbeitern nun genau vor, wen sie zur Europameisterschaft einladen dürfen.

Zu Gast bei Freunden - das Motto der Fußball-WM in Deutschland wird Utz Claassen so schnell nicht vergessen.

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Anpfiff erst nach Genehmigung: EM-Einladungen von Siemens sind schwierig geworden. (© Foto: ddp)

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Der Ex-Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW hatte Ticketgutscheine an Mitglieder der Landesregierung von Baden-Württemberg und den Staatssekretär eines Bundesministeriums verschickt.

Staatsanwälte witterten Bestechung und lösten eine bundesweite Diskussion über das rechte Maß für Geschenke an Amtsträger aus.

Mit der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz im Juni wirft das nächste Sport-Großereignis seine Schatten voraus- und alarmiert so manche Chefetage.

Denn noch immer ist die juristische Aufarbeitung der Affäre nicht zu Ende. Ein Richter sprach Claassen vom Vorwurf der Vorteilsgewährung frei. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe legte im Dezember allerdings Revision gegen das Urteil ein.

Besorgt preschte am Montag die von der eigenen Schmiergeldaffäre sensibilisierte Siemens-Antikorruptionsabteilung (Compliance) vor und verbot Mitarbeitern per Rundbrief jedwede Einladung von Politikern.

Schon "angesichts der Vorgaben der neuen österreichischen Antikorruptionsgesetzgebung und des bedeutenden Wertes von Eintrittskarten" seien Einladungen an Amtsträger "ausgeschlossen", mahnt Compliance-Chef Andreas Pohlmann im internen Brief an Topmanager des Konzerns.

Nicht mal ein Stück Sommermärchen für ein paar Geschäftspartner? "Leider kam es in der Vergangenheit bei anderen Unternehmen im Zusammenhang mit der Einladung zu Fußballspielen zu strafrechtlichen Verwicklungen", heißt es in dem Papier, das der SZ vorliegt.

Angehörige des Privatsektors dürften deshalb nur nach Genehmigung des Antikorruptionsbeauftragten eingeladen werden. Auch für Mitarbeiter des Weltkonzerns selbst wird es keinen unbürokratischen Fußball-Genuss geben.

Der Konzern habe für Mitarbeiter Hinweise erarbeitet, die helfen sollten, Risiken bei Einladungen zu vermeiden, sagte ein Sprecher. Intern gilt: Ein geschenkter Anpfiff kommt erst nach schriftlicher Genehmigung in Frage.

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(SZ vom 10.04.2008/jkr/tob)