Ohne Mitarbeiter wie Reinhard Siekaczek würde Ex-Siemenschef Heinrich von Pierer noch immer von einigen wenigen Irregeführten sprechen können.
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, sagt der Volksmund. Für den ehemaligen Siemens-Direktor Reinhard Siekaczek gilt das gewiss - ihm hilft das schreckliche Ende des Korruptionssystems in seiner Firma.
Reinhard Siekaczek (© Foto: dpa)
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Zwei Jahre auf Bewährung und nur 108.000 Euro Strafe statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten 180.000 Euro sind ein mildes Urteil für einen, der über Jahre viele Millionen Euro in schwarze Kassen abgezweigt und so Schmiergeldzahlungen ermöglicht hat. Immerhin hat der Angeklagte ausgepackt und damit den großen Zugriff der Strafverfolger erst ermöglicht.
Gesetz des Schweigens
Der Prozess in München hat tiefe Einblicke in eine jahrelange verwerfliche Praxis gewährt. Ohne Siekaczek würden der ehemalige Vorstandschef Heinrich von Pierer und seine Vertrauten noch immer von einigen wenigen Irregeführten sprechen können, die der stolzen Siemens-Familie bedauerlicherweise Schaden zugefügt hätten - obwohl sich das Geschwür der Korruption durch beinahe die gesamte Organisation gefressen hatte.
Ob aus Not, Enttäuschung oder Rachsucht: Nur wenn einer wie Siekaczek sich offenbart, kann das Gesetz des Schweigens gebrochen werden. Dies und nur dies rechtfertigt ein mildes Urteil.
Interessanter als der Kassenwart aber sind seine Vorgesetzten. Sie, die in guten Zeiten Millionen verdienen, lassen in schlechten Zeiten Größe vermissen. Es blieb dem Richter vorbehalten zu erklären, er hätte es "gut gefunden, wenn die Verantwortlichen auch Verantwortung gezeigt" und ausgesagt hätten.
Doch die Herren geben immer nur zu, was sich so gar nicht mehr abstreiten lässt. So gesehen bleibt der Schrecken der Siemens-Affäre vorerst ohne Ende.
- Siemens-Prozess Der treue Untreue 28.07.2008
- Siemens-Affäre Ex-Vorstände drohen mit Klage 26.07.2008
- Siemens-Klage Ende der Scheinheiligkeit 23.07.2008
(SZ vom 29.07.2008/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Er hat kein Geld "abgezweigt", um sich daran zu bereichern, sondern es weiterhin für Siemens einzusetzen. Er hat also nichts gestohlen oder veruntreut (jedenfalls ist die Berichterstattung nicht dementsprechend).
Natürlich wäre es schön, wenn jeder ungefragt die Verantwortung für sein Tun übernehmen würde. Ich würde auch gerne noch weiter schreiben, muss aber zur Polizei, da ich heute morgen die Geschwindigkeit überschritten hatte, und dafür die Verantwortung übernehmen muss...
Bevor wir uns über Andere das Maus zerreißen, sollten wir das Hirn einschalten, da der Erguss dann sicherlich weniger peinlich wird.
.....nur mit dem einen Unterschied, dass hier R. Siekaczek natürlich als Bauernopfer da stand und letztendlich reden mußte.
In der Politik wird auch erst einmal alles abgestritten, bis man die Wahrheit der schwarzen Kassen - wie im damaligen CDU-Spendenskandal in der Kohl-Ära - nicht länger verschweigen kann.
Der Unterschied: Strafen gab es für die eigentlichen Täter keine und die Täter hatten entweder Gedächtnislücken oder sind heute Minister.......
http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Sch%C3%A4uble
Auszug: "Im Rahmen einer Sitzung des Deutschen Bundestages, am 2. Dezember 1999, wurde Wolfgang Schäuble durch Zwischenrufe des Abgeordneten Hans-Christian Ströbele auf seine Kontakte zum Waffenhändler Karlheinz Schreiber angesprochen. Wolfgang Schäuble äußerte in öffentlicher Sitzung vor dem Deutschen Bundestag, er habe irgendwann im Spätsommer oder im Frühherbst 1994 bei einem Gesprächsabend in einem Hotel in Bonn [...] einen Herrn kennengelernt, der sich mir als ein Mann vorgestellt hat, der ein Unternehmen leitet. Ich habe später festgestellt, daß es dieser Herr Schreiber war. [...] Auf der damaligen Veranstaltung bin ich Herrn Schreiber begegnet. Das war es.[9]
Am 10. Januar 2000 räumte Schäuble ein, von dem inzwischen zur Verhaftung ausgeschriebenen Waffenhändler Karlheinz Schreiber im Jahre 1994 eine Bar-Spende von 100.000 D-Mark für die CDU entgegengenommen zu haben. Am 31. Januar 2000 gab er ein weiteres Treffen mit Schreiber im Jahr 1995 zu. Die Schatzmeisterei der CDU habe den Betrag als sonstige Einnahme verbucht.
Schäuble behauptete, dass er das Geld in einem Briefumschlag von Schreiber in seinem Bonner Büro persönlich empfangen habe. Diesen Umschlag habe er ungeöffnet und unverändert an Brigitte Baumeister weitergeleitet, später habe er erfahren, dass die Spende nicht ordnungsgemäß behandelt worden sei. Die damalige CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister widersprach dieser Version Schäubles."