Von Markus Balser und Thomas Fromm

Der Konzernumbau bei Siemens ist umfassender als bisher bekannt: Vorstandschef Löscher will mit einer neuen Geschäftsordnung für den Vorstand, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, deutlich mehr Macht an sich ziehen.

Vor allem bei wichtigen Personalien erhält der Österreicher mehr Kompetenzen. Demnach sichert sich Konzernchef Peter Löscher das Vorschlagsrecht für Ernennung und Abberufung von Finanzchefs der künftig drei großen Konzernsektoren sowie für alle wichtigen Führungspositionen auf Ebene der Divisionen und Business Units. Sogar die Ernennung und Abberufung von Chefs der Landes- und Regionalgesellschaften sowie die Chefs ihrer Rechtsabteilungen soll Löscher künftig entscheidend beeinflussen können.

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Da geht's lang: Siemens-Chef Peter Löscher gibt die neue Marschrichtung vor. (© Foto: ddp)

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Gleichzeitig sucht Siemens nach einem neuen Wirtschaftsprüfer. Die langjährige Siemens-Prüfgesellschaft KPMG soll zwar noch das laufende Geschäftsjahr attestieren, spätestens aber im Geschäftsjahr 2008/2009 könnte die Gesellschaft ihren Großauftrag bei Siemens verlieren. "Im Verlauf des laufenden Geschäftsjahrs ist eine Neuausschreibung für die Position des Abschlussprüfers und des Konzernabschlussprüfers (...) vorgesehen", heißt es dazu in der Einladung zur Siemens-Hauptversammlung am 24. Januar 2008. KMPG war im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre in die Kritik geraten.

"Im Zuge des Löscher-Konzepts 'Wir machen einen Neuanfang mit allem' ist es sicherlich richtig, einen neuen Wirtschaftsprüfer zu holen", meint Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings werde es "mit Sicherheit nicht einfach", nach "so langer Zeit" den Prüfer zu wechseln.

Kaum Chancen für KPMG

Wie es aus dem Aufsichtsrat heißt, würden die Prüfer nun auf mögliche Versäumnisse in der Korruptionsaffäre durchleuchtet. Zwar könne sich auch KPMG im Zuge der Neuausschreibung wieder bewerben. Aus Konzernkreisen hieß es allerdings zu Wochenbeginn, die Chancen auf einen Zuschlag stünden "nicht gut". Die Prüfer arbeiten seit Jahrzehnten für den Münchner Großkonzern. "Wir legen Wert auf die Feststellung, dass wir sämtliche Berichtspflichten im Rahmen der Jahresabschlussprüfung der Siemens AG jederzeit in vollem Umfang erfüllt haben", teilte KPMG auf Anfrage mit.

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