Von Markus Balser und Thomas Fromm

Der Korruptionsskandal ist noch lange nicht ausgestanden - und nun brechen auch noch die Gewinne ein. Siemens-Chef Löscher verordnet dem Konzern ein rigides Sparprogramm - das auch Entlassungen beinhaltet.

Der Vortrag der amerikanischen Kanzlei Debevoise hatte lange gedauert und er war brisant. Am Dienstag hatten die Ermittler Managern und dem Aufsichtsrat auf einer stundenlangen Sitzung in München berichtet, wie tief sich der Korruptionsskandal inzwischen quar durch den Konzern gefressen hat.

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Kritischer Blick auf die Vorgänge bei Siemens: Vorstandschef Löscher will sparen. (© Foto: ddp)

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Selbst die Konzernführung war schockiert: "Ganz klar hatte ich dieses Ausmaß und die Breite nicht vor Augen, als ich meine Verantwortung übernommen habe", sagte Siemens-Chef Peter Löscher am Mittwoch bei Vorlage der Halbjahreszahlen des Technologiekonzerns in München.

Doch die Korruptionsaffäre ist für das 160 Jahre alte Traditionsunternehmen längst nicht mehr das einzige Problem. Neben dem Schmiergeldskandal macht dem Konzern auch das operative Geschäft gravierende Schwierigkeiten.

Stagnierende Gewinne

Missratene Projekte beim Bau von Kraftwerken und Zügen sowie die Kosten für den Umbau der angeschlagenen Telefonanlagensparte SEN ließen den Gewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro einbrechen. Zwar stieg der Umsatz zur gleichen Zeit um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro. Ein Ende der Probleme ist allerdings nicht in Sicht.

Denn die Siemens-Spitze warnte am Mittwoch erstmals davor, dass die weltweite Finanzkrise auch abseits des Bankensektors Folgen für Konzerne in Deutschland haben könnte. Trotz prall gefüllter Auftragsbücher rechnet Vorstandschef Löscher im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr mit stagnierenden Gewinnen im operativen Geschäft.

An den Renditezielen für 2010 hielt er fest. Siemens spüre die ersten Auswirkungen der Finanzkrise auf sein Massengeschäft in Deutschland und den USA, sagte Löscher. Im kommenden Geschäftsjahr würden die Folgen für die Realwirtschaft noch deutlicher zu Tage treten. Zudem verschärfe sich der internationale Konkurrenzkampf.

Einsparung von 1,2 Milliarden Euro

Einige Siemens-Mitarbeiter dürften das in den kommenden Monaten zu spüren bekommen. Denn mit einem massiven Sparprogramm in zentralen Bereichen will Siemens die Schwächephase bekämpfen. Bis 2010 plant der Konzern hohe Einsparungen von etwa 1,2 Milliarden Euro im Vertrieb und in der Verwaltung.

Konzernchef Löscher schwört die Belegschaft schon mal auf harte Einschnitte ein: "Dort wird es ganz klar auch zu Personalabbau kommen", kündigte Löscher am Mittwoch an. Für genaue Zahlen sei es allerdings noch zu früh, so der Konzern.

Eine Siemens-Umfrage zum Hören finden Sie hier.

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(sueddeutsche.de/jkr/tob)