Souverän und mit viel Ironie leitet Peter Noll den Siemens-Prozess, der Folgen für frühere Vorstände haben dürfte.
Die Aussage des prominenten Zeugen war schon fast abgeschlossen, als Peter Noll plötzlich noch auf mehrere E-Mails zu sprechen kam. Der darin beschriebene Vorgang sei womöglich eine "Tretmine" gewesen, sagte der Vorsitzende Richter der 5. Strafkammer am Landgericht München I, bei der seit Ende Mai der erste Prozess in der Siemens-Schmiergeldaffäre läuft.
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Der Korruptionsfall in Italien hätte eine "rote Flagge" für den Siemens-Vorstand sein müssen. (© Foto: AP)
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Noll wollte wissen, was der Zeuge Joe Kaeser, Finanzvorstand des Technologie-Unternehmens, von dem elektronischen Schriftverkehr halte.
Anfang 2005 hatte Kaesers Vorgänger Heinz-Joachim Neubürger sich an zwei Konzernjuristen gewandt und gewarnt, es wäre fatal, wenn der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates unvorbereitet von einem bestimmten Thema "getroffen" würde.
Warnsignal - nicht zu übersehen
Es ging um einen Korruptionsfall in Italien, der Siemens damals schon große Sorgen bereitete. Neubürger bat um einen "Sprechzettel" für den Prüfungsausschuss, der sich um mögliche Gesetzesverstöße kümmert.
Noll erlaubte sich den Spaß, auch die kurze Antwort eines der beiden Konzernjuristen vorzulesen, einschließlich der letzten Zeile: "Abracos, Grüße, Regards, Saludos." Siemens sei eben ein vielsprachiges Unternehmen, merkte der Richter an, ehe es wieder ernst wurde.
Er wollte wissen, ob der Korruptionsfall in Italien eine "rote Flagge" gewesen sei, die der frühere Vorstand nicht hätte übersehen dürfen. Finanzvorstand Kaeser antwortete, es sei unverständlich, dass solche Vorgänge nicht aufgegriffen und Konsequenzen daraus gezogen wurden.
Schwere Versäumnisse
Bereits Anfang 2005 seien intern fragwürdige Geldflüsse in Höhe von 280 Millionen Euro in der Kraftwerksparte bekannt gewesen. Kaeser belastete mit seiner Aussage Anfang dieser Woche die frühere Konzernspitze schwer. Das Landgericht, das einen der größten Korruptionsfälle in der deutschen Wirtschaftsgeschichte durchleuchtet, war einen großen Schritt vorangekommen.
Seit Anfang der neunziger Jahre kümmert sich Noll, 47, fast durchweg um Wirtschaftsdelikte, abwechselnd als Staatsanwalt und Richter, meist in München, mit dreijähriger Station in Chemnitz. Seine Fälle sind immer größer und heikler geworden.
Lesen Sie weiter, mit welchen Fällen Noll in der Vergangenheit bereits befasst war.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak