Von Klaus Ott und Christiane Schlötzer

In der Korruptionsaffäre drohen Siemens jetzt Schadensersatzforderungen aus Griechenland: Der Konzern soll Mitarbeiter einer griechischen Telefongesellschaft bestochen haben.

Siemens muss in der Korruptionsaffäre mit hohen Schadensersatzforderungen der griechischen Telefongesellschaft OTE rechnen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaften in München und Athen soll Siemens über viele Jahre hinweg zahlreiche Manager und Mitarbeiter von OTE bestochen haben, um bei einem Auftrag in Milliardenhöhe für den Ausbau und die Modernisierung des Telefonnetzes in Griechenland stark überhöhte Preise abrechnen zu können.

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Siemens muss mit hohen Schadensersatzforderungen der griechischen Telefongesellschaft OTE rechnen. (© Foto: AP)

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OTE erklärte am Freitag der Süddeutschen Zeitung, man habe Anwaltskanzleien in Griechenland und Deutschland eingeschaltet, um "alle notwendigen Schritte" prüfen und vorbereiten zu lassen. Dazu zählten auch Schadensersatzforderungen. Man stehe in "direktem Kontakt" mit den Ermittlungsbehörden. OTE hatte bereits früher auf SZ-Anfrage geäußert, man betrachte sich in dieser Affäre als "Opfer".

Die Telefonsparte von Siemens hatte vor rund zehn Jahren einen Rahmenvertrag mit OTE für Dienstleistungen über mehrere Jahre geschlossen im Volumen von einer Milliarde Euro. Für dieses Abkommen und dessen Abwicklung seien hohe Schmiergeldzahlungen geleistet worden, hatte Anfang der Woche im ersten Prozess in der Siemens-Korruptionsaffäre der Angeklagte ausgesagt, der ehemalige Konzernmanager Reinhard Siekaczek. Seinen Angaben und internen Siemens-Papieren zufolge sollen nach und nach rund 40 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein, vor allem über schwarze Kassen in Österreich.

"Bonuszahlungen" für "günstige Praxis"

In einem internen Vermerk von Siemens über eine Besprechung in dieser Angelegenheit im März 2006 in Athen steht, nach Angaben eines griechischen Siemens-Managers sei mit "Bonuszahlungen" an OTE-Verantwortliche eine für Siemens "günstige Praxis" bei den Abrechnungen erreicht worden. OTE habe laut Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen nachträgliche Preisreduzierungen oder Rabatte verlangen können.

Für den Fall, dass Konkurrenten günstigere Angebote unterbreitet hätten, habe OTE den Vertrag sogar kündigen können. "Keine der drei - für Siemens potentiell nachteiligen - Möglichkeiten ist von OTE jemals genutzt worden." Siemens habe insofern "hohe Renditen" erzielt. Dazu wollte sich der Münchner Konzern auf Anfrage nicht äußern.

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(SZ vom 31.05./1.6.2008/aho/mel)