Deutsche Konzerne wie Siemens brauchen dringend neue Impulse - ansonsten wächst die Gefahr, dass aufgrund fehlender internationaler Kompetenz auf dem Weltmarkt die Grenzen bald erreicht werden.
Der Ort hätte kaum symbolträchtiger sein können. Siemens-Chef Peter Löscher war von München nach London gereist, um den Tabubruch vorzubereiten. In der britischen Hauptstadt, für viele das Synonym einer Multikulti-Metropole, sprach Löscher ein Jahr nach seinem Amtsantritt erstmals aus, was ihn an seinem eigenen Unternehmen am meisten stört: Zu deutsch, zu männlich, zu farblos. Das Siemens-Management habe ein gewaltiges Problem, befand Löscher und verordnete dem Konzern ein neues Programm zur Vielfältigkeit. In den nächsten fünf Jahren soll Siemens ein neues Gesicht bekommen: internationaler, weiblicher, bunter.
Bild vergrößern
Peter Löscher - der Siemens-Chef (© Foto: AFP)
Anzeige
Ein halbes Jahr nach Beginn des gewaltigen Konzernumbaus tastet sich der neue Siemens-Chef damit nun auch an die inneren Werte des Unternehmens heran. Doch im Kern geht die Management-Schelte weit über die Grenzen des Konzerns hinaus. Zwar ist die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger geworden, zwar können sich heimische Konzerne weiter als Exportweltmeister feiern lassen. Zwar gilt Deutschland als einer der größten Profiteure des internationalen Handels. Doch im Alltag vieler deutscher Chefetagen ist die Globalisierung noch immer nicht angekommen.
Gerade mal ein Viertel der 200 Dax-Vorstände hat einen ausländischen Pass. Die Zahl müsste viel größer sein, vor allem, wenn man Österreicher und Schweizer abzieht, die aus dem gleichen Kulturkreis stammen. In den unteren Hierarchieebenen sind die Konzerne noch deutlicher von heimischen Managern dominiert. Die Verlockung, kulturellen Problemen bei Beförderungen aus dem Weg zu gehen, ist groß. Dabei wächst die Gefahr, ohne internationale Kompetenz auf dem Weltmarkt an Grenzen zu stoßen. Denn die deutsche Wirtschaft verliert in dem Maß international an Bedeutung, wie sich neue Unternehmen und andere Länder nach vorne schieben.
90 Prozent deutsche Manager
Zwar hat auch Siemens in den vergangenen Jahren Ausländer in Spitzenpositionen gehievt. Doch meist ging es nur um symbolkräftige Spitzenjobs. Gerade mal 17 Prozent seines Umsatzes erzielt der Konzern noch im Heimatland. Geführt aber wird Siemens zu 90 Prozent von deutschen Managern. Dass sich überkommene Traditionen überwinden lassen, machte zuletzt der Schweizer Weltmarktführer für Lebensmittel, Nestlé, vor. Nach und nach berief er Ausländer in den Vorstand. Heute sitzt im zehnköpfigen Gremium nur noch ein Schweizer.
Während sich in Deutschland andere Eliten in Wissenschaft oder Politik längst geöffnet haben, wirken deutsche Chefetagen trotz aller Diversity-Programme wie das Abbild einer vergangenen Zeit. Es gibt türkischstämmige Abgeordnete und schwule Landeschefs. Die Zahl weiblicher Professorinnen steigt Jahr für Jahr. Doch auch wenn das Thema in Firmen öffentlichkeitswirksam vorangetrieben wird - wer als Ausländer, Frau oder Angehöriger einer Minderheit in Deutschland Karriere machen will, sollte sich nicht auf die Vielfaltsverheißungen der Konzerne verlassen.
Während sich amerikanische Unternehmen längst Manager und Know-how aus Indien, China oder dem arabischen Raum in die Chefetagen geholt haben, beobachten deutsche Zentralen auch die Zukunftsmärkte schon zu lange aus der Ferne. Die wenigen Ausländer in den Vorständen der dreißig größten deutschen Firmen kommen meist aus vertrauten, westlichen Kulturkreisen. Dabei ist auffällig, wie stark gerade ausländische Manager den nötigen Wandel in Deutschlands Zentralen vorangetrieben haben. Paradebeispiel ist Josef Ackermann. Der Schweizer trimmte die Deutsche Bank gegen heftigen Widerstand in der deutschen Gesellschaft auf eine internationale Strategie und höhere Gewinne.
Wie stark das Thema in Deutschland noch an Grenzen stößt, zeigte ausgerechnet die Regierungskommission für gute Unternehmensführung. Sie konnte sich nicht zu einer Empfehlung für mehr Vielfalt in deutschen Konzernspitzen durchringen. Allerdings hätte die Empfehlung das Gremium auch in Erklärungsnot gebracht: Die Kommission besteht aus 13 Mitgliedern - alle deutsch und männlich.
(SZ vom 26.06.2008/mel)
Er sollte die alten IT und Com-Zwischenfürsten aus der Kaufmannschaft und Vertrieb, die jetzt zum großen Teil auch bei Nokia Siemens Networks GmbH & CoKG sitzen, auswechseln. Auch in den Personalabteilungen - und zwar die Mitarbeiter, die noch unter Bellmann gedient haben.
Gedient ist schon richtig! Bellmann kam ja von der Bundeswehr! Und mit genau diesem Befehlston hat er dort geherrscht und alle kuschten vor ihm und begingen in seinem Namen sogar Straftaten = Bespitzelung der Betriebsräte!
http://de.biz.yahoo.com/09062008/345/siemens-liess-betriebsraete-bespitzeln.html
Diese Leute sitzen heute teilweise am Wittelsbacher Platz, in der St.-Martin-Straße, Perlach oder einer sogar in China!
Wenn er diesen Sumpf ausrotten will und sich und sein weltweit größtes Schiff Siemens in sicheres, ruhiges Fahrwasser bringen will, muss er sich von diesen Altlasten trennen. Hier werden noch immer die Fäden im Hintergrund gezogen.
da sind doch einige Sachverhalte massiv verkehrt dargestellt worden. Ausser Coca Cola gibt es keine weiter Company weltweit, die einen groesseren weltweiten footprint nachweisen kann. Und zwar mit Ideen, Produkten und Service made in Germany. Herr Loescher tut absolut das Richtige wenn er das "old boys network" auswechselt. Allerdings sollte Siemens damit nicht zu einer angelsaechsischen Firma mutieren. Da gibts in Deutschland (ich darf das sagen als jemand der in USA schon lange als corporate delegate lebt) ein weitaus fortgeschritteneres Verstaendnis was denn gloabl ist. Fuer die Angelsachsen (dazu gehoeren US-Amerikaner und Briten) gibt es Globalitaet nur nach dem eigenen Strickmuster. Es scheint so als ob mit Loescher wieder einer dem britisch amerikanischen Marketing auf den Leim gegangen ist.
Dafür hat Herr KK dann in Deutschland wie ein Berserker gewütet. Vielen Dank dafür.
Was glauben Sie, woher diese mangelnde Identifikation mit der Firma kommt??
Sie haben wohl offensichtlich übersehen, dass Sie als Vorstandsvorsitzender eines deutschen Unternehmens auch für die deutsche Gesellschaft eine hohe Verantwortung tragen. Offensichtlich geht es Ihnen und Ihresgleichen aber wieder einmal nur um die Maximierung des Shareholder-value. Natürlich wurden Sie auch dafür eingestellt, aber eben nicht nur.
Deutsche Hochschulabsolventen sind hervorragend ausgebildet - ebenso wie die Leute, die hier eine fundierte Ausbildung abgeschlossen haben. Das zeigen Sie mir mal in Ihrem tollen Amerika, wo Sie ja letzlich auch wirken durften. Dort wird ja schon derjenige Manager, der seinen Namen richtig schreiben kann. Das können Sie keinem mehr als Vorbild verkaufen - völlig absurd.
Ich bin stolz auf solche Firmen wie Porsche und Trigema, die nicht permanent der Globalisierung hinterherhecheln, die übrigens sowieso schon lange wieder ein alter Hut ist. Sondern sich neben der Erwirtschaftung von Gewinnen auch um Ihre Mitarbeiter kümmern.
Wie hat Herr Wiedeking zu einem möglichen US-Börsengang von Porsche sinngemäss so treffend bemerkt:
"Ich werde unter anderem dafür bezahlt, den Aktionären eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften und nicht meine Zeit damit zu verschwenden, alle drei Monate Ergebnisberichte zu erstellen" (wie sie im US-Börsenrecht vorgesehen sind).
betont auf seiner Webside die "Mitarbeiter(n)...die stolz darauf sind, bei Porsche zu arbeiten".
Wenn das bei SIEMENS auch (noch) so wäre, stünde es besser um die Firma.
Aber Herr Löscher bedroht stattdessen seine deutschen Mitarbeiter von London aus.
Wie motiviert wird ein hochqualifizierter Siemensianer wohl noch sein, wenn er weiss, dass bei der Besetzung besserer Stellen künftig Ausländer, Frauen oder Angehörige sonstiger Minderheiten bevorzugt werden.
Deutsche dürfen wohl diskriminiert werden nur weil sie Deutsche sind?!
Paging