Von Sarina Märschel

Siemens-Chef Peter Löscher hat seine erste Rede vor den Aktionären überstanden - und gehört jetzt zur Familie.

Peter Löscher wird nicht sofort bemerkt. Kurz vor Beginn der Siemens-Hauptversammlung stellt sich der Vorstandschef zu einer Gruppe älterer Herren in Anzügen. Es dauert eine Weile, bis der Neue in der Gruppe wahrgenommen wird, bis ihm die erste Hand entgegengestreckt wird.

Peter Löscher; ddp

Peter Löscher: Der neue Siemens-Chef hat bei der Hauptversammlung auf die Aktionäre einen guten Eindruck gemacht. (© Foto: ddp)

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Löscher, verantwortlich für mehr als 400.000 Mitarbeiter, wirkt zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern. Erst vor knapp sieben Monaten kam er als branchenfremder Außenseiter zum Konzern. Es ist sein erster Auftritt auf einer Siemens-Aktionärsversammlung. 10.000 Anteilseigner wurden zur Generalaussprache erwartet.

"Bitte, Herr Löscher". Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme tritt zur Seite und macht am Rednerpult Platz für den Vorstandschef. Löscher lächelt - und beginnt zu reden. Er sagt "Gwardal" statt "Quartal", ein unaufdringlicher österreichischer Einschlag. In fünf Teile will er seinen Vortrag gliedern, im Hintergrund läuft eine Power-Point-Präsentation.

Sein Blick bleibt nicht länger als ein oder zwei Sekunden am gleichen Fleck, das wirkt hektisch, aber vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass auch der Siemens-Chef es nicht gewohnt ist, vor Tausenden Menschen zu reden. Die Ränge der Olympiahalle sind voll, wen soll man da auch fokussieren?

"Was dürfen Sie von mir erwarten?" Löscher weiß, welche Antworten die Aktionäre sich wünschen. Er verspricht Internationalität und Innovationskraft, er will das Siemens-Erbe mehren und an künftige Generationen von Siemensianern weitergeben. Er sagt immer wieder: "unser Unternehmen" und betont dabei das "unser." Er ist der erste Mann auf dem Siemens-Chefsessel, der nicht aus dem Unternehmen selbst stammt - und es liegt ihm sichtlich am Herzen, zu bezeugen, dass er nun mit Leib und Seele zur Siemens-Familie gehört. "In Villach, meiner Geburtsstadt, die auch eine Siemens-Stadt ist, habe ich den Stolz der Siemensianer auf unser Unternehmen von Kindesbeinen an mitbekommen", erinnert er sich.

Lob von Aktionärsvertretern

Später, nach dem Vortrag, wird dieses Bemühen honoriert. Manfred Meiler, Vorsitzender des Vereins von Belegschaftsaktionären, beurteilt Löschers Vorstellung als "durchaus informativ und souverän". Er mache den Eindruck, dass er sich gut eingearbeitet habe. "Wir Mitarbeiter haben die Hoffnung, dass er an die alten Werte von Siemens anknüpft, und es sieht auch so aus, als ob er das könnte."

Löscher hat sich in den vergangenen Monaten als kompromissloser Aufklärer im Siemens-Korruptionsskandal positioniert. Noch immer ist das Vertrauen der Aktionäre in die Managerriege des Konzerns angeknackst, denn der Korruptionsskandal ist immer noch nicht ausgestanden. Es wird schnelle Aufklärung gefordert, Klarheit - und Fairness. Löscher signalisiert vor allem eines: Ich bin euer Mann. Zwar sei man mit der Aufklärung noch längst nicht am Ziel, aber "wir haben eine definitive Zäsur gemacht".

Löscher redet vom Erfolg des Amnestieprogramms, durch das viele Mitarbeiter ausgepackt haben, er redet von der Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft und der US-Börsenaufsicht SEC und von personellen Konsequenzen, die bereits gezogen wurden - 130 Mitarbeitern wurde im Zuge des Korruptionsskandals schon gekündigt.

"Mir geht es um ein sauberes Geschäft, immer und überall und um Spitzenleistung auf höchstem ethischen Niveau", sagt er - und erntet für seine Parole lautstarken Applaus. "Das ist ein Anspruch, der auf unseren Gründer zurückgeht und uns verpflichtet." Er versäumt während seiner Redezeit keine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass er an den Werten des Werner von Siemens festhalten will.

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