Sheryl Sandberg Facebooks Vizechefin gibt deutschen Frauen Karriere-Tipps

"Wir sollten diese Diskriminierung ändern": Sheryl Sandberg setzt sich für Frauenrechte ein.

(Foto: dpa)

Wie eine charmante Alice Schwarzer in hochhackigen Pumps: Sheryl Sandberg ist Vizechefin bei Facebook und eine gefragte Rednerin beim Thema Frauenrechte. In Hamburg reichen ihre Tipps vom richtigen Verhalten im Beruf bis hin zur Partnerwahl.

Von Kristina Läsker

Wenn in deutschen Talkshows über Frauenrechte diskutiert wird, laden sie häufig Alice Schwarzer ein. Die 73-Jährige sagt dann meist sehr kluge Sachen. Doch ihr Mangel an Charme verdrießt mitunter die Zuschauer. Wenn in amerikanischen Talkshows über Frauenrechte diskutiert wird, laden sie neuerdings Sheryl Sandberg ein. Die 43-Jährige sagt vieles, was Alice Schwarzer seit 40 Jahren sagt. Doch ihr Charme lässt die Zuschauer jubeln. Bloß ein US-Phänomen? Mitnichten.

Donnerstagnachmittag in Hamburg. Mehr als 370 Menschen drängen sich in einem Saal ohne Fenster. Frauen in Rock oder Kostüm, dazwischen einige Männer. Es gibt weniger Plätze als Anmeldungen. Es ist ein bisschen, als würde Robbie Williams zum Konzert in die O2-Arena kommen. Dabei ist das eine Konferenz des ZEIT-Verlags, und draußen scheint die Sonne. Doch die Teilnehmer wollen Sheryl Sandberg sehen, die Vizechefin von Facebook. Eine Topmanagerin, die laut US-Magazin Forbes zu den fünf mächtigsten Frauen der Welt gehört.

Eine, die Karriere macht, gut aussieht, zwei Kinder hat und einen Mann.

"Männer regieren immer noch die Welt"

Jetzt hat Sandberg ein Buch darüber geschrieben, wie so viel scheinbar heile Welt gelingt. Seit Ende März steht es in deutschen Läden: 312 Seiten, auf denen, oh Wunder, Alice-Schwarzer-Sätze stehen. Heute ist Sandbergs einziger Auftritt in Deutschland. In hochhackigen Pumps läuft sie 40 Minuten so sicher über die Bühne, als wären es Birkenstocks. Eine Frau mit lila Blazer, die so wenig dem Bild einer Feministin entspricht wie sonst vielleicht nur Familienministerin Kristina Schröder. Bis sie spricht.

Dann kommt der Angriff. "Männer regieren immer noch die Welt, und ich bin nicht sicher, ob das so gut läuft", sagt sie mit sanfter Stimme und zeigt ein strahlendes Lächeln. Einige Frauen im Publikum vergessen da schon ihre Hamburger Zurückhaltung und strahlen zurück.

Dann wechseln sich Weisheiten, Tipps und Anekdoten ab. Sandberg, aufgewachsen in Florida, hat zwei Geschwister. Bei ihrer Hochzeit, erzählt sie, habe der kleine Bruder Interna ausgeplaudert: Sheryl habe immer schon andere geführt, feixte er. "Wir waren ihre ersten Angestellten."

Frauen gelten schnell als bissig

Es gibt Lacher, Sandberg wird ernst. Mädchen würden selten Führungsqualitäten unterstellt, sagt sie. Sie würden schnell als bissig gelten. Das bleibe auch so, wenn aus den Mädchen Frauen geworden wären. "Ist Ihnen auch schon vom Chef gesagt worden, Sie seien zu aggressiv?" Sie formuliert es als Frage, der Saal soll antworten, viele heben die Hand. Sandberg nickt: "Frauen wird das weltweit gesagt, Männern nicht." So würden Männer, die Karriere machen, in den Augen vieler immer attraktiver. Die Beliebtheit von Frauen aber nehme mit jedem Schritt nach oben ab. "Wir sollten diese Diskriminierung ändern."

Nach dem Studium in Harvard holte ihr Mentor Larry Summers, einst US-Finanzminister, Sandberg zur Weltbank, dann als Stabschefin ins Finanzministerium. Da war sie keine 30. Später fing sie bei Google an und begleitete den Börsengang. Danach sprach sie bei Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor - und managt seither dessen Netzwerk.

Niemand habe ihr diese Jobs hinterhergetragen, sagt sie. "Man muss sich selbst zu den Männern an den Tisch setzen." Was klar wird: Sandberg ist eher keine Anhängerin der Frauenquote. Frauen sollten weniger zögern, sie müssten die Schritte allein tun, ob mit Angst oder ohne. "Es geht hier nicht um Biologie, es geht um Bewusstsein." Eines rät sie noch: Frauen sollten ihren Partner sehr sorgsam wählen. "Du kannst mit so vielen schlechten Kerlen ausgehen, wie du willst. Nur heiraten darfst du sie nicht."