Im Internet findet der Weltgeist sein erstes wahres Forum, so lautet die Utopie. Doch die Finanzkrise zeigt, dass Kollektive nicht immer vernünftig handeln.
Die Weisheit der Vielen funktioniert ganz einfach. Jeden Montag und Freitag kann man das im deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit verfolgen. Jedes Mal nämlich, wenn einer der Rätselkandidaten der Sendung "Wer wird Millionär" nicht mehr weiter weiß und seinen Publikumsjoker zieht, zeigt das eingeblendete Statistikdiagramm, dass sich die Vielen im Publikum fast immer einig sind und selten irren. Glaubt man dem Wirtschaftskolumnisten der Wochenzeitschrift New Yorker, James Surowiecki, der das Phänomen anhand der amerikanischen Lizenzausgabe der Quizshow untersucht hat, dann liegt die Trefferquote des Publikums bei 91 Prozent. Die Experten, die jeder Kandidat mit dem Telefonjoker befragen kann, liegen dagegen bei nur 65 Prozent richtiger Antworten.
Auch der Mensch kennt den Herdentrieb und stumpfen Kollektivismus. (© Foto: Schellnegger)
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Was sich da so schlicht vor den Augen des Fernsehpublikums abspielt ist nicht nur ein massenpsychologisches Phänomen, sondern auch ein Credo, das Wirtschaft, Soziologie und Kultur erfasste. Es war ein Credo, das einerseits in den gesellschaftlichen Utopien des 20. Jahrhunderts wurzelte, andererseits ein zeitgemäßes Bild für die unsichtbare Hand darstellte, die der schottische Wirtschaftstheoretiker und Philosoph Adam Smith 1776 in seinem Buch "Der Wohlstand der Nationen" als Metapher für die Kräfte des Marktes erfand.
Die Weisheit der Vielen sollte die Demokratisierung der Menschheit und die Freiheit des Marktes im digitalen Zeitalter auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Damit würde jener Entwicklungssprung besiegelt, den die Futurologen Alvin und Heidi Toffler 1980 in ihrem Buch "Die dritte Welle" als so epochal beschrieben, wie den Übergang vom Zustand des Jagens und Sammelns zur Agrar-, und später dann zur Industriegesellschaft.
Mit seinem Buch über die Weisheit der Vielen verankerte Surowiecki den Begriff im Vokabular der Populärkultur. Er sammelte eine Unmenge Fakten und Beispiele aus der Biologie, der Verhaltensökonomie und der Popkultur. Die Metapher für die neuen und auch alten Märkte liegt auf der Hand. Wenn ein so unkontrollierbares Kollektiv wie ein Fernsehpublikum zu richtigen Lösungen eines Problems kommt, so müssen auch andere, ähnlich zügellose Kollektive zu richtigen Entscheidungen kommen. Der Markt zum Beispiel. Viel wichtiger, als Surowieckis Analogie zum freien Markt, war jedoch seine Bedeutung als Theoretiker für eine junge Generation, die mit dem Internet das wohl umfassendste Instrument für kollektiven Aktivismus zur Verfügung hatte. Im Internet fände der Weltgeist sein erstes wahres Forum, so der utopische Gedanke, der sich zu Beginn der neunziger Jahre formulierte.
Drastischstes Gegenbeispiel
Die Krise des Finanzsystems scheint Surowieckis These nun drastisch zu widerlegen. Ist der Zusammenbruch der Finanzmärkte nicht der Beweis für die Unfähigkeit der Kollektive, vernünftig zu handeln? Nun geht die Idee von der Weisheit der Vielen wie jede Utopie vom Idealfall aus. Und im Idealfall produziert die Weisheit der Vielen eine Synergie, in der sich die Informationen jedes Einzelnen nicht nur addieren, sondern sogar potenzieren. Positive Beispiele dafür gibt es vor allem in den USA genügend. Der enorme Bewusstseinswandel in Umweltfragen beispielsweise. Auch Barack Obama verdankt seinen Wahlsieg letztlich einer Weisheit der Vielen, die sich im Internet formierte.
Die Finanzkrise hat nun allerdings das wohl drastischste Gegenbeispiel für diese Weisheit der Vielen geliefert. Sie hat einmal mehr jene Theorie bestätigt, die Surowiecki im Titel seines Buches parodiert. Es war im Jahr 1841, als der schottische Dichter Charles Mackay die drei Bände seiner "Memoirs of extraordinary popular delusions and the madness of crowds" veröffentlichte. Weil Mackay in seinem Werk den Wahnsinn der Vielen illustrierte, indem er die Geschichte der Alchemie, der Hexenjagden und die Wirtschaftsblasen des 17. und 18. Jahrhunderts in einen Topf warf, gilt das Werk des Laienhistorikers immer noch als zitierfähig. "Menschen denken wie Herden", beginnt sein wohl bekanntestes Zitat. "Es wird sich zeigen, dass sie wie Herden verrückt werden, auch wenn sie sich davon nur als Einzelne erholen werden."
Mackays populärwissenschaftliche Betrachtung des menschlichen Herdentriebes entsprang antidemokratischen Ressentiments des 19. Jahrhunderts. Die kollektiven Tragödien des 20. Jahrhunderts schienen die Kassandrarufe ja zu bestätigen, egal ob es Gustave Le Bons Furcht vor der neuen Macht der demokratischen Massen war, Henry David Thoreaus Feier des Individuums oder Friedrich Nietzsches Verachtung für das Kollektiv.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Was kann man noch glauben in letzter Zeit häufen sich Schönfärberei und Nachrichten Erfolgsmeldungen mit enormen Boom bemi Autokauf aber gleichzeitig Kurzarbeit und Firmenschliessung .So wurde zum Beispiel Ende 2008 Arbeitslose unter 2 Millionen gemeldet ,jetzt Anfang 2009 wird von einigen Tausend mehr gesprochen und gleichzeitig die Zahl man höre von ca 3,5 Millionen genannt ??? Sowas verbreiten bestimmte Sender .
Gleichzeitig Einmischung von Politikern wie zum Beispiel in Sachen des kritischen
ZDF-Chefredakteur Brender.Das hinauszögern von klaren Antworten z.b. bei Opel.
Inkompitenz der Bänker, Politiker und Spekulanten,die dieses erst möglich gemacht haben.
Alle Beschlüsse und deren grosse Worte "keine Geld wir müssen sparen" HARTZ IV ,RENTEN;Schulbildung u.s.w.wurden über den Haufen geworfen,gleichzeitig den Steuerzahler ohne deren Zustimmumg mit Milliarden belastet.Es fehlt eine Zukunftsorientierte Version die solche schweren wiederholbaren Systemfehler ausschliesst.Dieses kann aber dieses System und diese Politiker nicht.Dieses wird allen besonderst der Mittelschicht und den Kleinen sehr teuer zustehen kommen.
passiert etwas sehen sie kurz auf und dann grasen sie weiter- so sinngemäß Herbert Grönemeyer. Er hat recht! Hätte sonst das US amerikanische Volk nach Michael Moores "Stupid white man" Bush wiedergewählt. Das war doch nicht zu fassen. Der ist nachweislich korrupt und führt die in einen Ölkrieg und die wählen ihn wieder und glauben zum größten Teil immer noch, dass sie Terror bekämpfen, obwohl der Terror dort doch jetzt erst richtig begonnen hat.
Frau Merkel ist gegen Mindestlohn und für das Ende des Sozialstaates. Sie hat in ihren letzten 4 Jahren das Lohnniveau drastisch nach unten gefahren und denkt auch nicht, das zu ändern und das Volk liebt sie. (Wo wir mit fehlender Kaufkraft gelandet sind kann man ja sehen und Kredite werden das auch nicht besser machen, sondern Managergehälter drastisch nach unten und Löhne und Gehälter der Massen drastisch nach oben.
Gut die Alternativen sind nicht so rosig, aber besser als ein rechts gesinnter Koch ist doch ein blassroter Steinmeier- schon wegen der Möglichkeit eines Krieges im Iran. Merkel wollte schon im Irak dabei sein. Ich glaube die Masse ist blöd. Besser lässt sich gerne blöd halten. Habe ich SPD gewählt so ist jetzt eben die CDU am "drannsten"! Anders ticken die nicht. Und ein schlechtes Bildungssystem ist ja auch immer ein Garant für gute Beherrschbarkeit.
"Dem gemeinen Volke ist es nicht gestattet, auf Grund seiner beschränkten Einsicht in die Zusammenhänge, die Entscheidungen der Obrigkeit zu beurteilen"
Ich finde, wir sollten uns dies zu Herzen nehmen und unserer Regierung in dieser schweren Krise vertrauen. Mit unserer sehr verehrten Frau Merkel, unserem Adjutanten der Finanzen, dem Herrn Steinbrock, einem Mann auf den sogar Nobelpreisträger neidisch sind sowieso unseren wunderbaren Managern von Banken und Industrie sind wir in Gottes Hand.
Viele Dinge können wir kleines Fußvolk einfach nicht beurteilen. Uns fehlt schlicht das Fluidum des nachhaltigen Geistes. Mehr Demut sei also angebracht.
Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde...
Beginne ich mal mit dem Beispiel aus "Wer wird Millionär". Welche Einflussmöglichkeit hat das Publikum denn wenn der Kandidat der auf dem Stuhl sitzt, nicht der Empfehlung des Publikums folgt, sondern meint es besser zu wissen? Richtig, keine.
Da fängt die Analogie zu unserer Demokratie und unserem Wirtschaftssystem auch an, denn unsere Granden sind so beratungsresistent und besserwisserisch, da nutzt das beste zureden nix. Die navigieren sehenden Auges in den Untergang nur um keine Fehler eingestehen zu müssen.
Viele der vorherrschenden Situationen lassen sich nicht auf das Prinzip in dem Artikel vereinfachen. Da herrschen Interessenskonflikte und auch zwischenmenschliche Annimositäten (die meiner Meinung nach pures Gift für professionelles Handeln sind) da werden gute Ideen und Vorschläge einfach mit dem "Ober sticht Unter" Prinzip ausgeschlagen.
Die Demokratie steht nur auf dem Papier, aber weder in den Köpfen, noch im Umgang mit Problemen. Statt Lösungsvorschlägen werden Komplizen gesucht, in deren Menge der eigentliche Entscheider dann untertauchen kann und sagt: "Wir haben die Entscheidung im Team getroffen." Was dann so klingen soll wie die Absolution.
Eine mögliche Wahrheit ist, dass Entscheidungen schon immer nur von einigen Wenigen oder Einzelnen getroffen wurden und dann der Akzeptanz wegen die Mehrheit entweder so hinmanipuliert wurde, oder diese einfach angenommen hat aus Ermangelung eigener Ideen oder der Bequemlichkeit halber. Siehe einsatz von Beratern, unpopuläre Ideen durchsetzen lassen damit der Chef eine vermeintlich saubere Weste behält.
Wenns ums Internet geht, warum dann nicht konsequent die direkte Demokratie damit umsetzen?!? Angst, Unmündigkeit oder technische Manipulation? Bereits jetzt wählen "unmündige" Bürger ihre "Volksvertreter". Technische Manipulation, ist ein Argument das nur erwähnt wird bei unliebsamen Themen, der Bundestrojaner is ein 100% sicheres Softwareprojekt. Dann bleibt noch Angst, Angst vor Machtverlust, da fallen mir keine guten Gründe gegen diesen Punkt ein....
Hallo, meinten Sie nicht auch neben "lobbyverseuchten Parlamenten" eine lobbyverseuchte Wikimedia?
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