Selbstfahrende Autos Gutachter halten autonomes Fahren für ethisch geboten

  • Die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt eingesetzte Ethikkommission befürwortet das autonome Fahren.
  • Gleichzeitig warnt das Gremium vor ungelösten Problemen bei der Sicherheit sowie beim Datenschutz.

An selbstfahrenden Autos führt wohl kein Weg vorbei. Das ist auch die Ansicht der Ethik-Kommission, die Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zur Einschätzung der Technologie eingesetzt hat. Das vom ehemaligen Verfassungsrichter Udo Di Fabio angeführte Gremium stellte am Dienstag einen umfassenden Bericht vor, der sich mit den Chancen und Risiken der Technologie auseinandersetzt. Die Experten befürworten selbstfahrende Autos demnach. Die Selbstfahr-Technik sei sogar ethisch geboten, sobald sie weniger Unfälle verursacht als menschliche Fahrer.

Allerdings gibt es innerhalb der Kommission auch Bedenken, was die neue Technologie angeht. Laut Di Fabio erlaubten die Leitlinien der Kommission zwar eine Zulassung automatisierter Fahrsysteme. Hinsichtlich der "Sicherheit, menschlichen Würde, persönlichen Entscheidungsfreiheit und Datenautonomie" gebe es aber noch besondere Anforderungen.

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Die Experten befürchten beispielsweise, dass die Datenerhebung, die für automatische Fahrsysteme nötig ist, zu einer Totalüberwachung des Menschen führen könnte. "Eine vollständige Vernetzung und zentrale Steuerung sämtlicher Fahrzeuge im Kontext einer digitalen Verkehrsinfrastruktur ist ethisch bedenklich, wenn und soweit sie Risiken einer totalen Überwachung der Verkehrsteilnehmer und der Manipulation der Fahrzeugsteuerung nicht sicher auszuschließen vermag", heißt es in dem Bericht. Fahrzeughalter und -nutzer müssten deshalb selbst über die Weitergabe und Verwendung der Daten entscheiden können.

Auch an anderer Stelle steht die Technologie vor ethischen Konflikten. So dürfe es nicht zu Situationen kommen, in denen ein Computer Menschen nach persönlichen Merkmalen qualifiziert - also beispielsweise eine Entscheidung trifft, die den Schutz eines Kindes vor dem eines alten Menschen priorisiert. Sach- oder Tierschäden sollen hingegen immer bevorzugt werden, wenn sonst Menschen gefährdet sind.

Die Kommission befasst sich in dem Bericht auch damit, wer bei Unfällen mit selbstfahrenden Autos die Verantwortung trägt: Nach Ansicht der Kommission verschiebe sich die Verantwortung bei automatisierten Fahrsystemen vom Fahrer auf die Hersteller. Die Behörden seien dafür verantwortlich, die Systeme zu kontrollieren und zuzulassen. Die Computer sollen außerdem zu jedem Zeitpunkt protokollieren, welche Aufgaben der Fahrer und welche das automatische Fahrsystem übernommen hat.

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