Schwieriges Erbe Die große Unbekannte

Viele Ehemänner wollen Geldangelegenheiten der Familie alleine erledigen. Nach deren Tod kennen sich die Frauen mit den Finanzen oft nicht aus.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Viele Witwen haben sich zu Lebzeiten ihres Mannes nie mit größeren Geldbeträgen befasst. Das rächt sich.

Von Felicitas Wilke

Wenn der Ehemann stirbt, werden Frauen oft mit Themen konfrontiert, die sie jahrzehntelang nichts anzugehen schienen. Im schlimmsten Fall erben sie Schulden oder Hypotheken, von denen sie nichts ahnten. "Es kommen immer wieder Frauen auf uns zu, die das böse Erwachen erlebt haben", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Erst vor kurzem habe sie eine Frau betreut, die erst ihren Mann verlor und dann auch noch erfuhr, dass die Altersvorsorge, in die er angeblich immer einbezahlt hatte, gar nicht existierte. Stattdessen erbte sie Schulden, verlor fast ihr Haus und stand vor der Frage, wie sie nun selbst finanziell im Alter über die Runden kommen sollte.

Vor allem Frauen über 70 überblicken ihre eigene finanzielle Situation oftmals schlecht. Einer der Gründe: In den Sechzigerjahren verdiente nur ein Drittel der verheirateten Frauen in Westdeutschland ihr eigenes Geld. Zehn Jahre später waren es 45 Prozent. Meist brachten die Männer die Lohntüte nach Hause - und parkten das Geld auf Sparbüchern, investierten es in Wertpapiere oder kauften Immobilien. Die Frauen hingegen besaßen oft nicht mal ein eigenes Konto.

"Viele Frauen aus dieser Generation konnten mit dem Haushaltsgeld gut umgehen, sind mit größeren Beträgen aber überfordert", sagt die Münchner Finanzberaterin Ruth Steinert. Oft hätten sie ihrem Mann in finanziellen Belangen jahrzehntelang vertraut - manchmal sogar über den Tod hinaus. "Manche Frauen nehmen keinen professionellen Rat an, weil ihr Mann ihrer Ansicht nach keinen Fehler bei der Geldanlage gemacht haben kann", sagt sie.

Nicht nur Finanzberater, sondern auch die eigenen Kinder sollten ihrer Mutter helfen

Natürlich erben Witwen nicht immer Schulden, die meisten Männer machen ihren Frauen nichts vor, wenn es darum geht, wie fürs Alter vorgesorgt wurde. Doch auch wenn sie Geld oder Wertpapiere hinterlassen bekommen, stehen Witwen oft vor Problemen. "Wer sich 50, 60 Jahre lang nicht mit Finanzen beschäftigt hat, kann mit dem Inhalt eines Depotauszugs nicht viel anfangen", erklärt Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Vermögensberatung Svea Kuschel und Kolleginnen.

Im Beratungsgespräch klärt Hintze ihre Kundinnen darüber auf, wie sie ihr Erbe anlegen können. Sie versucht dabei, die Familien der Frauen einzubinden. Die erwachsenen Kinder könnten oft gut einschätzen, welche Produkte zu ihrer Mutter passen, sagt Hintze. Auch Annabel Oelmann sieht die Kinder in der Pflicht. "Sie sollten ihre Mutter dabei unterstützen, sich einen Überblick über die Finanzen zu verschaffen und unbekannte Begriffe erklären", sagt sie. Falls das nicht klappt, empfiehlt Oelmann, unabhängige Hilfe einzuholen. Die Verbraucherzentralen bieten eine solche Beratung ebenso an wie Honorarberater. Jüngere Frauen, die keine Ahnung von den gemeinschaftlichen Finanzen haben, erlebt Oelmann übrigens kaum. "Früher war es den Frauen anerzogen, nicht nach dem Geld fragen zu dürfen. Heute lassen sie sich das nicht mehr gefallen", sagt sie.