Von Klaus Ott

Wegen der Wirtschaftskrise muss die Deutsche Bahn neu rechnen und kann erst 2010 Anteile verkaufen. Damit ist klar: Bahnchef Mehdorns Plan einer raschen Privatisierung ist vorläufig gescheitert.

Lauter schöne Zahlen hat der Vorstand der Deutschen Bahn (DB) dem Aufsichtsrat für dessen Sitzung am kommenden Mittwoch in Berlin präsentiert.

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Auch die Bahn leidet unter der Wirtschaftskrise - die bisherigen Prognosen sind hinfällig. Die Suche nach privaten Investoren verzögert sich daher. (© Foto: dpa)

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Der Gewinn in diesem Jahr soll dem Vernehmen nach mehr als 2,5 Milliarden Euro betragen, so wie ursprünglich prognostiziert. Und bis 2013, so die Planung, könnte der jährliche Profit auf deutlich über drei Milliarden Euro steigen. Auch alle anderen Vorhersagen sollen gut ausfallen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Die Zahlen haben nur einen Schönheitsfehler: Sie sind nicht mehr aktuell.

Auch die Bahn leidet unter der Wirtschaftskrise, insbesondere im Güterverkehr. Alles muss neu gerechnet werden, und das geht nicht von heute auf morgen.

Der Vorstand will nach Angaben aus dem Konzern und dem Umfeld des Aufsichtsrats einen völlig neuen Finanzplan für den Zeitraum 2009 bis 2013 erarbeiten und im Frühjahr nächsten Jahres vorlegen.

Börsengang kurzfristig gestoppt

Womöglich kann sich das Kontrollgremium erst im Mai 2009 mit den überarbeiteten Zahlen befassen. Für Vorstandschef Hartmut Mehdorn hat das schwerwiegende Folgen. Er muss sein Vorhaben, private Investoren für einen Einstieg in das Staatsunternehmen zu gewinnen, für lange Zeit wohl ganz aufgeben. Vor 2010 sei das nun nicht mehr möglich, heißt es aus Konzernkreisen. Die Bahn selbst äußert sich nicht dazu.

Für Mehdorn ist das bereits der zweite schwere Rückschlag in diesem Herbst. Zuerst hatte die Bundesregierung den bereits für Oktober fest terminierten Börsengang gestoppt, weil der Verkauf von Aktien wegen der weltweiten Finanzkrise nicht die erhofften Erlöse gebracht hätte.

Mindestens vier bis fünf Milliarden Euro hatten für einen Anteil von knapp 25 Prozent an der DB-Gesellschaft, in der die Regional- und Fernzüge sowie die Gütertransporte zusammengefasst sind, in die Kassen des Bundes und der Bahn fließen sollen. Hinzu kam ein Konflikt um Sonderhonorare für Mehdorn und dessen Vorstandskollegen beim Börsengang in Höhe von insgesamt mehreren Millionen Euro.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erklärte anschließend den Verkauf von Aktien in dieser Legislaturperiode, also bis zur nächsten Bundestagswahl Ende September 2009, für vollständig gestoppt.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn kaum noch Chancen auf eine eine rasche Privatisierung ausrechnen kann.

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