Schweizer Privatbank Sarasin Öko-Tipps und Aktien-Deals

Die Schweizer Privatbank Sarasin - hier die Niederlassung in Zürich - gibt es bereits seit 171 Jahren. 

(Foto: Bloomberg)

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück sagt in letzter Sekunde einen Vortrag bei der umstrittenen Schweizer Privatbank Sarasin ab. In der Affäre um mutmaßliche Steuerhinterziehung bei der Hypo-Vereinsbank soll das Finanzinstitut eine Schlüsselrolle spielen. Was ist das eigentlich für eine Bank?

Von Andrea Rexer, Frankfurt, und Klaus Ott

Wer sein Geld in industrielle Fischfarmen investieren will, für den hält die Schweizer Privatbank Sarasin einige aufschlussreiche Hinweise bereit. Der Einsatz von Antibiotika sei "sehr kritisch" einzustufen. Außerdem benutzten viele Betriebe im Meer gefangene Fische als Futter. Insofern trage diese Art der Lebensmittel-Produktion sogar noch dazu bei, dass die Meere bis zum Jahr 2050 "ausgefischt" sein könnten. Nur ganz wenige Fischfarmen seien deshalb als Kapitalanlage zu empfehlen, betont das um eine nachhaltige "Aquakultur" besorgte Geldhaus mit Stammsitz in Basel. Ein ungewöhnliche Bank. "Sarasin hat sich erfolgreich im Nischensegment Nachhaltigkeit positioniert", sagt der Chef einer konkurrierenden Privatbank.

Es gebe nur wenige Finanzinstitute, die bei ihrer Kapitalanlagen-Strategie "so früh so umweltfreundlich agiert" hätten wie Sarasin, sagt die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl, ehedem Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. "Das hat mich fasziniert". Deshalb habe sie im Frühjahr 2011 gern das Angebot angenommen, in den Verwaltungsrat von Sarasin einzurücken. Mehrmals im Jahr erörtert das Gremium die Geschäftspolitik der traditionsreichen, bereits 171 Jahre alten Privatbank.

Ein Politiker aus dem anderen Lager, SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, war am Mittwoch allerdings nicht mehr so fasziniert von dem Baseler Geldhaus. Er sagte einen geplanten Vortrag bei Sarasin ab, nachdem bekannt geworden war, dass die Bank vergangene Woche von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt durchsucht worden war. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, bei Aktiendeals hätten heutige und frühere Beschäftigte der Hypo-Vereinsbank, ein Anwalt und ein Immobilienmilliardär 124 Millionen Euro Steuern hinterzogen. Nach Erkenntnissen des Fiskus soll Sarasin "Initiator" dieser Geschäfte gewesen sein. Sarasin erklärt, man habe "derzeit keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Bank".

"Ich hätte mich nicht geschämt, hinzugehen"

In Finanzkreisen genießt die Privatbank einen guten Ruf. "Ich hätte mich nicht geschämt, hinzugehen", sagt einer, der zur Steinbrück-Rede geladen war. Eine ernsthafte Konkurrenz ist Sarasin für die großen Vermögensverwalter in Deutschland freilich nicht. Sarasin beschäftigt weltweit rund 1700 Mitarbeiter. Wie viele davon in Frankfurt und den anderen Standorten in der Bundesrepublik arbeiten, verrät die Bank nicht. Mehrheitseigentümer ist inzwischen die Safra Gruppe aus Brasilien. Die Familie Safra ist einer der reichsten Clans in Südamerika. Der Alteigentümer des Baseler Geldinstituts, die Familie Sarasin hat nach Angaben einer Banksprecherin keine Anteile mehr.

In der Schweiz hat die Bank vor einem Jahr eine Polit-Affäre ausgelöst. Ende 2011 reichte ein Mitarbeiter die Kontoauszüge des damaligen Schweizer Notenbankchefs Philipp Hildebrand weiter, der kurz darauf seinen Posten räumen musste. Die Kontoauszüge ließen vermuten, Hildebrand und seine Frau hätten ein Insider-Geschäft getätigt. Die brisanten Informationen waren zwischenzeitlich unter anderem in die Hände des rechtspopulistischen Politikers Christoph Blocher gelangt. Der Bankangestellte war nach Ansicht seines Arbeitgebers Sarasin aber nicht der gute Aufdecker, sondern der böse Geheimnisverräter. Er wurde vor die Tür gesetzt. Der Bank brachte das mehrere Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Bankgeheimnis ein. "Die Angelegenheit ist noch anhängig", sagt eine Bank-Sprecherin.