Seuchen können verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Doch bei der Schweinegrippe reagieren die Finanzmärkte erstaunlich gelassen.
Eine Pandemie kann die Finanzkrise vergessen machen. Drei Billionen Dollar, so hatte die Weltbank im vergangenen Jahr schon mal durchgerechnet, könnte eine weltweite Seuche kosten.
Grippemedikament Tamiflu: Wie beherrschbar ist die Schweinegrippe? (© Foto: ddp)
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Die globale Wirtschaftsleistung droht dann dramatisch zu schrumpfen - um bis zu fünf Prozent. Zum Vergleich: Die Finanzkrise soll die Weltwirtschaft nach der jüngsten Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) lediglich um 1,3 Prozent einbrachen lassen.
Die Lage beruhigt sich
Schon der Ausbruch der Lungenkrankheit Sars hatte schlimme Folgen: Nicht nur, dass 775 der insgesamt 8000 Infizierten in 25 Ländern starben - auch die Kosten waren enorm. Allein schon für die vor allem betroffene asiatisch-pazifische Region beliefen sie sich nach Expertenschätzungen auf 40 Milliarden Dollar.
Es sind diese Erfahrungen, die nun auch nach Ausbruch der Schweinegrippe für Hektik bei Unternehmen und Anlegern sorgen. Aufmerksam wird die Verbreitung der Krankheit verfolgt. Und immer steht die Frage im Raum: Hat sie das Zeug zur Pandemie? Welche Branchen werden besonders leiden? Und welche profitieren?
Nach der ersten Aufregung beruhigt sich jetzt zunächst die Lage: Es gibt wirksame Medikamente auf dem Markt, mit denen die Schweinegrippe behandelt werden kann und oft genug scheint der Krankheitsverlauf harmlos zu sein. Und anders als etwa bei der Vogelgrippe zeigen sich Experten zuversichtlich, dass sie rasch einen Impfstoff entwickeln können.
Pharma-Aktien wieder schwächer
Der Wirtschaft signalisiert das: Die Krankheit ist - irgendwie - beherrschbar. Das macht sich sofort bemerkbar. Die Aktien von Fluggesellschaften, die in den letzten Tagen herbe zurückgestuft wurden, verbuchten am Mittwoch wieder kräftige Gewinne. Die Papiere der spanischen Iberia etwa - das Unternehmen erwirtschaftet immerhin ein Drittel der Umsätze im lateinamerikanischen Raum - legten um mehr als fünf Prozent zu. Auch bei der Lufthansa ging es deutlich nach oben.
Im Gegenzug gaben die Papiere der Pharmakonzerne wieder nach. Die Aktien von Roche, dem Hersteller des rege nachgefragten Grippemedikaments Tamiflu, verloren fast zwei Prozent.
Etwas anders sieht allerdings die Lage in Mexiko aus: Rund 2500 Menschen haben Symptome, die einen Verdacht auf Schweinegrippe nahelegen, fast die Hälfte von ihnen wurde in ein Krankhaus eingeliefert. Knapp 160 Menschen sollen bisher an der Krankheit gestorben sein, allerdings wurde die Zahl der bestätigten Todesfälle am Mittwoch von 20 auf sieben herunterkorrigiert.
Besonders bemerkbar machen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krankheit in Mexiko-Stadt. In der Stadt, die mehr als ein Fünftel der mexikanischen Wirtschaftsleistung erbringt, mussten am Dienstag auf Anordnung der Stadtverwaltung alle 35.000 Restaurants geschlossen werden. Zugleich hieß es, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten um 60 Prozent gefallen seien.
Besonnene Reaktionen
Gut möglich, dass die ohnehin schon pessimistischen Prognosen für die Wirtschaftsleistung 2009 noch weiter heruntergestuft werden und die mexikanische Zentralbank die Zinsen aggressiver senkt als bislang geplant.
Dennoch: Auch in Mexiko reagieren die Finanzmärkte viel besonnener als es die Schlagzeilen suggerieren: Die Landeswährung Peso und die mexikanische Börse verloren zwar am Montag deutlich, doch seither ist die Lage ruhig.
Und dann gibt es auch noch sie - die stillen Gewinner der Krise: Die Aktien der malaysischen Unternehmen Kossan und Top Glove schnellten in den letzten Tagen nach oben. Sie stellen Gummihandschuhe her.
(sueddeutsche.de/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Zitat Headline "Die Angst vor der Angst"
Da wird einem seit Jahren in den Medien vor wirklich allem Angst gemacht, was unsere Gesellschaft so zu bieten hat, vom Fleischkonsum bis zum schmerzhaften I-Pod Daumen, vom Bier über Bärlauch bis zur Bio-Tonne, aber dass ist jetzt der absolute High-Kick, die ANGST VOR DER ANGST.
Ich bin beeindruckt...
Vielleicht kommt die Pandemie deshalb nicht auf Touren, weil der Tod bei der Gewerkschaft ist und einfach keinen Bock darauf hat, Hustende dahinzuraffen.
Ich glaube die Sache erst, wenn ich mit eigenen Augen sehe, wie sie auf die Hultschiner Straße in Steinhausen die Dahingerafften stapeln. Und das man das dort als erstes sehen wird, wird dann dem Umstand geschuldet sein, daß man sich in Massenpsychose schon an einem normalen Schnupfen ansteckte um dann heldenhaft nachach fieberte, daß die eigene Vorhersagen endlich eintreffen. Man wollte die Seuche und man hat sie bekommen.
Oder macht sie etwa jetzt schon schlapp, nachdem sie 8 Opfer dahingerafft hat? Und langweilt die Leser durch ihre für Grippe-Erkrankungen möglicherweise unterdurchschnittliche Todesrate?
"Es sind diese Erfahrungen, die nun auch nach Ausbruch der Schweinegrippe für Hektik bei [Journalisten und denen, die sich dafür halten] sorgen. Aufmerksam wird die Verbreitung der Krankheit verfolgt. Und immer steht die Frage im Raum: Hat sie das Zeug zur Pandemie? Welche Branchen werden besonders leiden? Und welche profitieren?" (Änderungen natürlich von mir).
Ich finde diesen Artikel und insbesondere den zitierten Abschnitt wirklich sehr entlarvend.
es ist Zeit, seine Beziehung zu Gott in Ordnung zu bringen. Man kann lachen, aber es ist ernst.
tja wir armen Menschen,
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Amokläufer überall und jetzt rafft uns auch noch der Schweinetod dahin...
wie kann man nur in einer solchen Welt überleben...
möglicherweise nur noch wenn man sich mit den noch verbliebenen, kompetenten journalisten in ne höhle setzt, stille post spielt und auf das ende wartet.
das niveau hier und auch bei den kollegen der faz sinkt von tag zu tag. wie bereits gesagt wurde, fehlen nur noch die netten bildchen, die bei so manchem boulevardblatt an der tagesordnung sind. (ups die waren durch die amok/computerspielberichte schon verbraucht) dann noch n paar verschwörungstheorien einiger kommentatoren aufgreifen und weg ist das böse alte aufklärerische gedankengut.
(setzen hier einige SZ redakteure auf fallende aktienkurse, oder ist das hier alles nur zufall)
Paging